Drei virtuose Spitzbuben sorgen für eine Premiere in Fürth
Dieser Auftritt des Trios 3D in der Heimatgemeinde seiner Mitglieder war nicht geplant. Unterhaltsam war er gleichwohl - in mehrfacher Hinsicht.
Manchmal entwickelt sich aus schlechten Nachrichten doch noch etwas Gutes. So geschehen am Donnerstag in der Fürther Studiobühne, wo Inhaber Matthias „Mattl“ Dörsam eigentlich ein gemeinsames Konzert mit dem Cellisten Christopher Herrmann geben wollte. Letzterer meldete sich am Mittwoch aber krank. Der Studiobühnen-Betreiber reagierte schnell: Da er am Abend mit seinen Brüdern Adax und Franz-Jürgen als Trio 3D an der Bergstraße einen Gig hatte, „verpflichtete“ er die beiden kurzerhand auch für den folgenden Abend in Fürth.
Und so geschah es, dass das Publikum im voll besetzten „kulturellen Wohnzimmer“ der Weschnitztalgemeinde am Donnerstag den ersten Auftritt des Trios 3D in der Studiobühne erlebte. Eigentlich kaum zu glauben, denn schließlich betreibt einer der Brüder, Mattl, den „Raum für Kultur“ in ihrer Heimatgemeinde seit über 15 Jahren. „Aber wenn wir das ankündigen, dann reichen die Kapazitäten hier nicht“, erklärt Adax Dörsam. Immerhin füllt das Trio deutlich größere Locations mit mehreren Hundert Plätzen – fast mühelos. Der Spontanauftritt am Donnerstag war deshalb eine gute Gelegenheit für ihn und Franz-Jügen, einmal gemeinsam mit und bei Matthias auf der Bühne zu stehen.
Glückshormone auf zwei Ebenen–
Und so kam das Publikum in den Genuss eines in doppelter Hinsicht äußerst unterhaltsamen Abends. Denn die Dörsam-Brüder stimulieren die Ausschüttung von Glückshormonen bei ihren Zuhörern auf gleich zwei Ebenen: durch hohe musikalische Kunst und durch ihren spitzbübigen Humor. Dabei verstehen sie es geschickt, den hohen Anspruch ihres Spiels mit diesen Albernheiten nicht zu konterkarieren. Im Gegenteil: Verpackt in gegenseitige Frotzeleien erfährt das Publikum noch manch Wissenswertes über die einzelnen Instrumente und Kompositionen.
Ob dies alles einem strengen Faktencheck standhalten würde, bleibt dahingestellt. Franz-Jürgen kann aber glaubhaft herleiten, dass „sein“ Fagott bereits in der Steinzeit gespielt wurde. Er belegt dies mit Auszügen aus prähistorischer Fagott-Literatur, „die auf Steintafeln verewigt in Steinbach gefunden wurde.“ Historische Ungenauigkeiten verzeiht man ihm aufgrund seines herrlichen Spiels gerne.
Während Mattl anhand alter Schriften beweist, dass die Klarinette das beste Instrument überhaupt ist und eigentlich alle Lieder und Werke einzig für sie komponiert worden sind, kann Saitenexperte Adax dem Faible für Blasinstrumente nur ein müdes Lächeln abgewinnen: „Wer möchte schon Instrument mitten im Gesicht haben?“
Aber egal, wem man nun glauben mag: Unbestritten ist das äußerst virtuose und meisterhafte (Zusammen-)Spiel der Dörsam-Brüder, das auch am Donnerstag wieder höchsten Ansprüchen genügte. Vom getragenen „Oktobersturm“ zum Einstieg bis zum schwungvollen „Säbeltanz“ als Zugabe stellte das Trio 3D seine musikalische Qualität und Offenheit gleichermaßen unter Beweis. Neben Klassischem findet da auch Rock von Deep Purple oder Status Quo seinen Platz. Und dass Countrymusik oft zu unrecht belächelt wird, wissen die Gäste in der Studiobühne seit Donnerstag ebenfalls.
Vieles was an diesem Abend zu hören war, stammt aus der Feder von einem der drei Dörsams. Sie können mittlerweile nicht nur auf drei gemeinsame Alben als Trio 3D – das vierte ist „in der Mache“ – zurückgreifen. Auch etliche Solo-, Band- und Orchesterprojekte füllen die Vita der musikalischen „Tausendsassas“ aus Fürth. Im Dreiklang strahlen sie vor allem eines aus: Die große Freude an der Musik. Und die überträgt sich ganz schnell auf ihr Publikum – so geschehen am Donnerstag in Fürth.