Neujahrsansprache

Ehrung auf Rimbacher Neujahrsempfang: „Silberperlen“ ausgezeichnet

Der Ehrenamtspreis 2025 geht an die Initiative „Silberperlen“, eine Seniorinnengruppe. Auch die Geiselnahme in Rimbach war Thema.

Gemeindevertretervorsitzende Andrea Dudszus (links) gratulierte den „Silberperlen“ und ihren Initiatorinnen, Ursula Janitschka und Helga Ullmann (Zweite und Vierte von links), die den diesjährigen Ehrenamtspreis bekamen. Foto: Stephanie Kuntermann
Gemeindevertretervorsitzende Andrea Dudszus (links) gratulierte den „Silberperlen“ und ihren Initiatorinnen, Ursula Janitschka und Helga Ullmann (Zweite und Vierte von links), die den diesjährigen Ehrenamtspreis bekamen.

Der Rimbacher Ehrenamtspreis geht in diesem Jahr an die „Silberperlen“; initiiert von Ursula Janitschka und Helga Ullmann, versammeln sich alle 14 Tage Rimbacherinnen im gesetzten Alter in der Begegnungsstätte – zu Geselligkeit, Vorträgen und manchmal auch für Ausflüge. Seit knapp zwei Jahren gibt es das Angebot nun, und Andrea Dudszus erinnert daran, dass es einst aus einem „sportlichen Frauenstammtisch“ entstand.

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Die Gemeindevertretervorsitzende hat die angenehme Aufgabe, die Frauen auf die Bühne zu bitten, und nach der Laudatio bekommen sie Blumen, Urkunden und ein Preisgeld. Das werde für einen Ausflug mit der Draisine verwendet, verrät Ullmann anschließend: „Wir fahren gemeinsam von Mörlenbach nach Wald-Michelbach.“ Ausflüge und Vorträge gehören zum Programm der Gruppe, wie Dudzszus erklärt: Es gab einen Besuch der Psychosozialen Fachkraft auf dem Land, einen Vortrag der Polizei, einen Besuch beim Infocenter B 38a, Informationen über das Ruftaxi, Boulespielen oder einen Ausflug nach Erlenbach.

Engagement mit „80 plus“

„Es ist ein niederschwelliges Angebot für Frauen, sich zu treffen, neue Freundschaften zu schließen“, lobt sie die Kombination aus Begegnungen und Information und nennt die Macherinnen „ein Beispiel für Engagement auch im Alter von 80 plus.“

Janitschka erklärt, dass längst nicht alle regelmäßigen Teilnehmerinnen zur Ehrung nach oben gekommen sind; zu den Treffen kommen immer zwischen 20 und 30 „Silberperlen“, und sie betont, dass ihr die Termine ebenso Spaß machen wie den anderen: „Ich profitiere auch davon; es ist etwas Wunderschönes, mit Menschen zusammen zu sein.“ Die ehemalige Gemeindevertreterin gehörte selbst dem Gremium an, als 2002 beschlossen wurde, alljährlich einen Ehrenamtspreis zu vergeben.

Nun bekommen sie und ihre Mitstreiterinnen einen lang anhaltenden Applaus; die Mensa der Martin-Luther-Schule ist rappelvoll – so voll, dass hinter den Stuhlreihen auch noch die Stehtische besetzt sind. Die Veranstalter freut es, auch Hausherr Frederik Weis, der als „beauftragter Schulleiter“ nun als offizieller Nachfolger von Beate Wilhelm, die Begrüßung übernimmt. Und sich kurzfasst, sich aber doch noch Zeit nimmt, seine Freude über die gute Zusammenarbeit mit dem Rathaus auszudrücken.

Gedanken zur Geiselnahme

Dessen Chef Holger Schmitt schlägt in seiner Neujahrsansprache derart ernste Töne an, dass es mucksmäuschenstill wird in dem großen Saal. Der Jahresbeginn wurde überschattet von der Geiselnahme in der Volksbank: „Ein schlimmes Ereignis, das uns alle schockiert hat.“ Die junge Frau entkam körperlich unversehrt, und Schmitt sichert zu, dass die Gemeinde sie nach Möglichkeit unterstützen werde bei ihrem Weg zurück in ein normales Leben: „Im täglichen Leben und in der Not halten wir zusammen und unterstützen uns gegenseitig. Das macht unsere Dorfgemeinschaft aus.“ Weshalb er auch sehr stolz ist auf die Arbeit der Rettungs- und Ordnungskräfte, die Notfallseelsorger und Rathausmitarbeiter, die nach Kräften Hilfe leisteten.

Er spricht von einer Weltlage, geprägt von Ukraine- und Nahost-Krieg, Autokraten und einem US-Präsidenten, dessen Land „in den Isolationismus taumelt“, von Antidemokraten, die Zwietracht säen wollen in der Europäischen Union: „Und diese Mächte tun es nicht selbst, sie haben ihre Fürsprecher mitten in unseren Gesellschaften.“ Es brauche starke und wehrhafte Demokratien in dieser Zeit: „Unsere Demokratie garantiert all das, was wir schätzen: individuelle Freiheiten und Rechte, die für alle gelten, Schutz von Minderheiten und Kontrolle der Regierung, Transparenz und Partizipation.“ Sie sei nicht perfekt, habe sich aber bewährt, denn „sie garantiert Freiheit und Rechtssicherheit, sie hält die Menschenrechte hoch“.

Weshalb sie bewahrt werden, vor Rechts- oder Linksextremisten, vor Rassisten und Antisemiten geschützt werden müsse. In Rimbach würden die Bürger dafür auf die Straße gehen, Mahnwachen abhalten: „Jetzt sind wir alle gefragt, für unsere Werte einzustehen.“ Deshalb seien auch die Wahlen am 23. Februar so wichtig, und so appelliert er: „Gehen Sie wählen.“ Und: „Wahlbeteiligung stärkt die Demokratie.“

Zurück nach Rimbach: Schmitt listet Veranstaltungen, Volksfeste, sportliche Erfolge des vergangenen Jahres auf, das auch seine Wiederwahl brachte. Abgeschlossen wurden Bauprojekte wie der Kindergarten-Anbau „Am Ölgärtchen“, Brückensanierungen oder die Waldbachverdolung, nun geht es weiter mit den Beratungen für den 2025er Haushalt: „Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bleiben die Rimbacher Finanzen solide.“

Zweimal bekommt er Zwischenapplaus: Das erste Mal, als er vom lange geplanten zweiten Haltepunkt der Bahn spricht, mit dem die „morgendlichen Schülerwanderungen entlang der B 38“ ein Ende haben dürften. Das zweite Mal wird geklatscht bei einem „Ur-Rimbacher“ Thema, dem Marktplatzbrunnen: Die Detailplanung für die Ortsmitte werde nun in Angriff genommen: „Natürlich wird unser Dorfbrunnen dabei nicht fehlen.“ Allerdings schränkt er ein: „Es wird noch dauern. Der Brunnen wird noch nicht dieses Jahr gebaut.“ Auch die Vorhaben im Ortsteil Zotzenbach gehen in die nächste Runde: Die Bauleitplanungen für die Gewerbegebietserweiterung laufen: Hier sollen das neue Feuerwehrhaus und der Bauhof entstehen, während auf dem Trommhallen-Parkplatz ein neuer Kindergarten gebaut wird.

Die Gemeinde soll eine neue Homepage bekommen, der künftige Hochbehälter Photovoltaik. Viele Aufgaben also, weshalb er noch einmal auffordert: „Halten wir auch in diesem Jahr zusammen.“

Auch Pfarrer Dr. Uwe Buß geht auf die „große Politik“ ein, auf einen härter werdenden Bundestagswahlkampf, inflationäre Versprechungen und Radikalität. Er vermutet, dass sich viele Menschen nicht gehört fühlen, aber auch oft um Nebenkriegsschauplätze gerungen werde: „Je haltloser sich die Menschen fühlen, desto größer wird die Schere zwischen Erwartungen und Wirklichkeit.“ Es sei nicht gut, alle Erwartungen in Menschen zu setzen, sagt er und plädiert für den Glauben als Fundament. Ein Lob geht schließlich an die Adresse der Musiker, die für „ein vielfältiges kulturelles Leben“ vor Ort stehen.