Mörlenbach

Ein Trinkwasserbrunnen ohne Trinkwasser in Mörlenbach?

Die Grünen regen eine weitere öffentliche Wasserstelle an. Doch gibt es aktuell nicht einmal eine in der Gemeinde, wie die WN/OZ herausfindet.

In der Alla-Hopp-Anlage gibt es tatsächlich eine Stelle, an der man Wasser zapfen kann. Allerdings ist der Hahn abgesperrt. Foto: Stephanie Kuntermann
In der Alla-Hopp-Anlage gibt es tatsächlich eine Stelle, an der man Wasser zapfen kann. Allerdings ist der Hahn abgesperrt.

„Trinkwasser ist ein Menschenrecht“, sagt Florian Gottstein. Der Grünen-Fraktionssprecher begründet einen Antrag, über den jetzt die Gemeindevertretung zu entscheiden hat. Es geht darum, in Mörlenbach eine Wasserstelle einzurichten, und er prognostiziert, dass in den kommenden Jahren mehr und auch wärmere Hitzeperioden zu erwarten seien, weshalb der Bedarf an Wasser steige.

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Der Brunnen soll entweder am Bürgerhaus, auf dem Rathausplatz oder im Bereich des Bahnhofs stehen, erklärt er: „Der Bedarf an Trinkwasser wird – insbesondere von älteren Menschen – oftmals unterschätzt. Wenn man zum Beispiel lange am Bahnhof warten muss, kann man rasch in die prekäre Lage geraten, seinen Wasserbedarf nicht mehr decken zu können.“ So lautet der ursprüngliche Antrag, verbunden mit der Bemerkung, dass Mörlenbach ja „immer mehr Touristen“ anziehe, die etwa im Bereich des Bahnhofsvorplatzes parken.

In der Sitzung lässt Gottstein noch eine Ergänzung folgen: Die Verwaltung solle eine Entscheidung vorbereiten, erklärt er: So solle der beste Standort ermittelt werden, ebenso wie die Kosten, worauf Beratungen in den Gremien folgen könnten. Bisher gebe es ja nur den einen Brunnen in der Alla-Hopp-Anlage, schließt er seine Begründung: „Und der neue Standort sollte möglichst bis zum kommenden Jahr fertig sein.“

Der Plan weist den Weg zum Trinkwasserbrunnen, der unter der Nummer zehn zu finden ist. Foto: Stephanie Kuntermann
Der Plan weist den Weg zum Trinkwasserbrunnen, der unter der Nummer zehn zu finden ist.

Der Hahn ist zu

Anderntags macht sich die OZ auf den Weg zur Alla-Hopp-Anlage, um die Wasserstelle in Augenschein zu nehmen, von der in der Sitzung mehrfach die Rede ist – es ist ein erkenntnisreicher Ausflug.

Der Plan im Eingangsbereich weist einen Platz unweit der Toilettenanlage als „Trinkwasserbrunnen“ aus (er findet sich unter der Nummer zehn). Dort steht eine Art Metallrohr mit Wasserauslass. Dreht man an dem hinten angebrachten Hebel, passiert – nichts. Ein junger Gärtner, der mit einer Schubkarre voller Herbstlaub unterwegs ist, versichert: „Das geht, Sie müssen den Hebel nur lange genug drücken.“ Das Metallteil hat allerdings kein Spiel, sodass davon auszugehen ist, dass man ihn abgesperrt hat. Doch selbst wenn er funktionieren würde, bringt das den Durstigen nicht weiter. Denn am Brunnen ist ein Schild angebracht mit einer unmissverständlichen Aussage: „Kein Trinkwasser“.

Am mutmaßlichen "Trinkwasser"brunnen ist dieses Schild angebracht. Vertrauenswürdig ist das nicht. Foto: Stephanie Kuntermann
Am mutmaßlichen "Trinkwasser"brunnen ist dieses Schild angebracht. Vertrauenswürdig ist das nicht.

„Du kannst ja aus dem Klo trinken“

Ein Trinkwasserbrunnen ohne Trinkwasser also, der obendrein trocken ist. Nächster Versuch: Daneben befindet sich ein als „Sand-Matsch-Spielbereich“ gekennzeichneter Platz, an dem es ebenfalls Auslassrohre gibt. Hier seinen Durst zu stillen, dürfte aber nicht empfehlenswert sein – aus diesen Hähnen kommt auch kein trinkbares Nass. Die Frage bei einer Gruppe Kinder, wo man denn hier Wasser trinken könne, sorgt für ratlose Gesichter. Ein Mädchen deutet auf die Toilettenanlage hinter sich und erklärt treuherzig: „Du kannst ja aus dem Klo trinken.“ Sie meint es bestimmt nicht wörtlich. Mangels Alternativen lässt sich jedenfalls feststellen: Mörlenbach hat aktuell keinen öffentlichen Trinkbrunnen.

Damit ist der Verweis auf die Alla-Hopp-Anlage falsch – und der Bau eines öffentlichen Brunnens wohl umso dringlicher.