Wald-Michelbach

Ein „Weiter so“ wäre der teuerste Weg

Endbericht zu den Quartierskonzepten für Aschbach und Unter-Wald-Michelbach empfiehlt Abkehr von Öl- und Gasheizungen.

Nach zweijähriger Arbeit, zu denen auch die Informationsveranstaltungen für die Bürger von Aschbach und Unter-Wald-Michelbach gehörten, hat die mit der Erstellung der Quartierskonzepte beauftrage Firma EnergyEffizienz GmbH die Endberichte vorgelegt. Foto: Marco Schilling
Nach zweijähriger Arbeit, zu denen auch die Informationsveranstaltungen für die Bürger von Aschbach und Unter-Wald-Michelbach gehörten, hat die mit der Erstellung der Quartierskonzepte beauftrage Firma EnergyEffizienz GmbH die Endberichte vorgelegt.

Ein „Weiter so“ wäre mit Abstand der teuerste und emissionsintensivste Weg. Deshalb empfehlen die Experten der Lampertheimer EnergyEfizienz GmbH den Bürgern und der Gemeinde Wald-Michelbach die Abkehr von Öl- und Flüssiggasheizungen und einen Wechsel hin zu Wärmepumpen und dem Zubau von Photovoltaik. Das ist das Ergebnis der Erstellung der Integrierten energetischen Quartierkonzepte für Aschbach und Unter-Wald-Michelbach.

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In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am Donnerstagabend stellte Geschäftsführer Dr. Philipp Schönberger den Endbericht vor. Dabei ließ er noch einmal den kompletten Prozess von der Auftragserteilung durch die Gemeinde Wald-Michelbach im Jahr 2021 bis zum Abschluss des Projekts Revue passieren. Und er ging auch auf die aktuellen Diskussionen rund um das Gebäude-Energie-Gesetz der Bundesregierung ein, das nach dem Kompromiss der Ampel nun im Bundestag beraten wird.

Gute Beteiligung

Bei der Erfassung des Ist-Zustands stellte das Projektteam fest, dass in Aschbach und Unter-Wald-Michelbach vorwiegend mit fossilen Energieträgern geheizt wird. Mittels eines Fragebogens sowie Begehungen wurden dann Gebäudesteckbriefe und eine Wärmebilanz erstellt. Hier hob Schönberger die gute Beteiligung der Hauseigentümer hervor, 188 Teilnehmer an der Fragebogenaktion seien ein sehr guter Wert.

Die Untersuchungen ergaben, dass bei allen Gebäuden die Umstellung auf eine Wärmepumpe die beste Lösung sei. Sie sei auch günstiger als die Nutzung von Holz beispielsweise über Hackschnitzel- und Pelletsanlagen, die ihrerseits aber ebenfalls günstiger als Öl- und Gasheizungen seien. Schönberger bezifferte das Einsparpotenzial durch eine Umstellung auf 45 Prozent für private Hauseigentümer und die Gemeinde. Dementsprechend wird dann auch der Strombedarf ansteigen. Hier sieht er aber im konsequenten Ausbau von Photovoltaikanlagen so viel Potenzial, dass der zusätzliche Bedarf abgedeckt werden könnte.

Die Nutzung eines Nahwärmenetzes mit einer Biomasse-Heizzentrale, wie es schon über das Blockheizkraftwerk der IGENA erfolgt, sei auch eine Option, auch damit sei die Entkarbonisierung auf einen Schlag möglich. Die Rückmeldungen der Hauseigentümer in Aschbach und Unter-Wald-Michelbach hätten ein erhebliches Interesse daran gezeigt.

Der Endbericht führt noch weitere Einsparpotenziale durch sogenannte Hüllsanierungen der Gebäude auf, durch die der Wärmebedarf um 12 bis 38 Prozent im ökologischsten Szenario gesenkt werden könnte. Weitere Punkte sind ökologische Aufwertungen beispielsweise durch die Anlegung von Grünflächen oder Blühwiesen sowie den Verzicht auf Schottergärten.

Michelbus wird positiv gesehen

Zudem werden Aussagen zu einer klima- und umweltgerechten Mobilität genannt. Hier sollte der Fuß- und Radverkehr ausgebaut und attraktiver gestaltet werden und die verstärkte Nutzung von Elektromobilität auch im öffentlichen Personennahverkehr empfohlen. „Der Michelbus wird sehr positiv gesehen“, berichtete Schönberger, gewünscht würden mehr Direktverbindungen; auch die Reaktivierung der Überwaldbahn sei dabei ein Thema.

Als wichtig erachtete er die Installierung eines Sanierungsmanagement, eines Kümmerers, der die Hauseigentümer und auch die Gemeinde, die eine Vorreiterrolle übernehmen sollte, bei der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen unterstützen könne. Dank der Förderung von Bund und Land käme auf die Gemeinde ein Anteil von gerade einmal zehn Prozent der Kosten, die er auf 280 000 Euro für einen Berater bezifferte – sei es als Personalstelle in der Verwaltung oder durch die Vergabe an einen externen Dienstleister. Gerade hinsichtlich Fördermittel für die investiven Maßnahmen sei für Gebäudeeigentümer und auch die Gemeinde eine Beratung hilfreich.

Die Mandatsträger hatten noch viele Fragen zu den Quartierskonzepten. Bürgermeister Dr. Sascha Weber informierte auch hinsichtlich einer Wärmeplanung für die gesamte Gemeinde, dass inzwischen ein Quartierskonzept für Affolterbach und Kocherbach beantragt worden sei. „Die nächsten zwei, drei Jahre wollen wir dann alle Ortsteile abdecken“, kündigte er an. Der Ausbau des Nahwärmenetzes der IGENA sei indes nur für Teile von Aschbach und Unter-Wald-Michelbach möglich, die anderen Ortsteile „liegen zu weit weg“.

Erst mal abwarten

Weber war sich zwar sicher, dass auch Gemeinden unter 20 000 Einwohnern in der Folge eine Wärmeplanung erstellen müssten, aber „wir sollten erst einmal die größeren Kommunen machen lassen“. Die Mandatsträger bat er, sich die Konzepte in der Sommerpause anzuschauen, damit „wir danach entscheiden können, wie es weitergehen soll“.