Exotischer Nachschub für den Bergtierpark - KJG Fürth auf Mission im fernen Dschungel
Skurrile Safari, Live-Performance und viel Witz: Nessie wird gejagt, das Zebra überlistet – und bleibt die "Gemütlichkeit" auch nach der Cannabis-Legalisierung Balus Alleinstellungsmerkmal?
Fürth. Das ist Pech für die Gemeinde Fürth und ihren Bergtierpark: Gerade steht eine Reihe neuer, exotischer Tiere einzugsbereit vor seinen Toren, da hat die Einrichtung wegen der „Kloosaach“ – wie man in „Feerd“ sagt –, nämlich der Maul- und Klauenseuche, geschlossen. Also machen Zwei- und Mehrbeiner aus der Not eine Tugend und eröffnen ihren eigenen Safari-Park im Odenwald – direkt beworben mit einem professionellen Imagefilm, der in ein partylauniges Finale mit Tanz und Gesang mündet.
So endete die „Safari“, zu der sich die KJG Fürth mit ihrem Publikum an drei Abenden im Jugendheim bei der „Feerder Jugendfasnoachd“ aufmachte. Die Reise war rund vier Stunden zuvor im Rathaus gestartet, wohin die Gäste per Video geführt wurden und wo Bürgermeister Volker Oehlenschläger – selbst früher aktiver Jugendfastnachter – höchstpersönlich die Rahmenhandlung einleitete. Die Suche nach einem gewieften Großwildjäger, der in Afrika den Bestand des Erlenbacher Bergtierparks auffrischt, führt – auf köstliche Art etliche James-Bond- und Hollywoodklischees bedienend – zum etwas heruntergekommen wirkenden Ranger „Pace“, dem das Publikum fortan auf seiner Mission folgt.
Abenteuer „bei Wish bestellt“
Der Rahmen war damit gesetzt für Helden, die „nedd emol e Kuh umschdumbe“ können, behäbige Löwen, die eher auf Bier als auf Beute lauern, traumatisierte Dschungelbuch-Charaktere, „bei Wish bestellte“ Pauschal-Abenteuer und allerlei sonstige, skurrile Safari-Bekanntschaften. Und obwohl die Handlung im fernen Afrika angesiedelt war, verloren die KJG-Fastnachter dabei nicht das Lokale aus dem Blick, wenn etwa die „Feerder Gassekinner“ – die Gesangsgruppe der allerjüngsten Mitwirkenden – über den Glasfaserausbau und Leerstände in der Gemeinde berichtete.
Haben die Teilnehmer am Wilderer-Lehrgang nun Nessie erschossen oder ist es einfach nur so, dass nach einem Querschläger das „Loch nässt“? Eine Frage, die ebenso offenbleibt wie die nach der Befindlichkeit von Balu. Der als entspannt bekannte Bär aus dem Dschungelbuch dient nicht nur den angehenden Jägern als Versuchsobjekt bei ihren Schießübungen, sondern muss auch damit klarkommen, dass er nach der Cannabis-Legalisierung seine „Gemütlichkeit“ als Alleinstellungsmerkmal verloren hat. Vor einer Sinnfrage steht auch die Bachelorette, die im Dschungelcamp-Setting nach einem Kerl sucht, der „die Fackel“ wert ist, und dabei entscheiden muss: Sixpack oder Kontostand? Dafür weiß sie sicher, warum ein Fernglas Fernglas heißt: „Alles ist so weit weg, wenn man durchguckt!“
Streifen für die Zebras
Kann der lauteste Marktschreier des Hamburger Fischmarktes, der Forellenfred, tatsächlich einem Zebra Streifen andrehen und wird der längst erwachsene Mogli jemals seine Windeln los? Fragen über Fragen, die nicht nur die illustre Tiergesellschaft ins Grübeln kommen lassen, die sich zum „Feierowendwasser“ am Schlammloch versammelt.
Am Ende hat Fürth nicht nur buchstäblich einen Stall voll neuer – allerdings ziemlich abgedrehter – Tiere, sondern auch eine weitere „Städtepartnerschaft“ mit einem tanzfreudigen Stamm an der Backe. Auch wenn dessen Angehörige es kaum fassen können, dass der Odenwälder sogar „Kees kocht“.
Zwischen alldem streuten die KJG-Fastnachter immer wieder kleinere Einlagen ein und holten ihr größtenteils junges Publikum mit Tanz- und Musikeinlagen ab. Bemerkenswert ist dabei jedesmal der Verzicht auf Gesangs-Playback. Shakiras „Waka Waka“ wurde ebenso live gesungen wie Peter Schillings „Major Tom“ – als Beispiele. Und als Statement zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten darf verstanden werden, dass auch der „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten zum Programm gehörte.
Schade nur, dass – zumindest bei der Premiere – die Wortbeiträge vor allem gegen Ende des Programms kaum gegen die wachsende Unruhe im Publikum ankamen und die aufwendigen Kostüme und Choreografien der Tänze für die Menschen in den hinteren Reihen oft nur zu erahnen waren, da die Menge bei den ersten Tönen bereits auf den Stühlen stand und die Sicht verdeckte.
Gemeinschaftswerk
Das Fazit ist aber, dass die ganz spezielle „Feerder Jugendfasnoachd“ auch fast 70 Jahre nach ihren Anfängen noch lebt. Getragen von Jugendlichen, die die Traute und die Kreativität haben, sich mit eigenen Texten und ohne Manuskript auf die Bühne zu stellen, vor Publikum live zu singen und zu performen und auf diese Art gemeinsam ein mehrstündiges Programm zu stemmen. Dafür durften sie sich am Ende zu Recht ausgiebig feiern (lassen) – und der Bergtierpark hat ja inzwischen auch wieder offen.