Grasellenbach

Grasellenbacher Gastronom will Sessellift zur Siegfriedquelle bauen

Daniel-Hagen Wolf vom Landgasthof Hagen hat viele Ideen, um den Tourismus in Grasellenbach anzukurbeln.

Daniel Hagen-Wolf im Gespräch mit Landrat Christian Engelhardt, der auf seiner Sommertour in Grasellenbach Station machte. Foto: Thomas Rittelmann
Daniel Hagen-Wolf im Gespräch mit Landrat Christian Engelhardt, der auf seiner Sommertour in Grasellenbach Station machte.

Daniel-Hagen Wolf ist Küchenchef. Und ein viel beschäftigter dazu. Zusammen mit seiner Frau führt er den Landgasthof „Hagen“ in Gras-Ellenbach. Er ist Vorsitzender des örtlichen Sportvereins und engagiert sich im DEHOGA-Branchenverband. Außerdem ist er nach eigenen Angaben „30 Mal im Jahr im Fernsehen“. Und schließlich gehört sein Familienunternehmen in diesem Jahr erneut zu den 50 besten Dorfgasthäusern in Hessen.

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Sorgen und Nöte der Gastronomie im Odenwald

Da bleibt dem Gastronomen auch wenig Zeit zum Jammern – über die Sorgen und Nöte der Branche nach Corona, über den Fachkräftemangel, die gestiegenen Strom- und Energiekosten und ja, auch über die Einkaufspreise, die sich über kurz oder lang auf seiner Speisekarte niederschlagen. Inzwischen müsse er etwas auf den Preis aufschlagen, damit es sich rechnet. Aber Wolf weiß: „Irgendwann kippt die Kaufkraft beim Kunden.“

Bei Neuanschaffungen muss er abwägen

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung ist sein Betrieb also genauso konfrontiert wie andere auch. Und bei Neuanschaffungen muss er heute genau abwägen. Aber im Landgasthof „Hagen“ läuft es gut, sagt er. Ein leichter Rückgang sei zu spüren. Waren früher alle Plätze ausgebucht, kann es heute schon mal vorkommen, dass an einem Tag zwei Tische frei bleiben. Mit halbherzigen Lösungen möchte er diesem Trend aber nicht begegnen: „Wenn ich investiere, dann nachhaltig.“ Dass er Investitionen nicht scheut, machte Wolf am Dienstag bei einem Gespräch mit dem Bergsträßer Landrat Christian Engelhardt, der Landtagsabgeordneten Birgit Heitland und Grasellenbachs Bürgermeister Markus Röth deutlich.

Bestellung per QR-Code

Jetzt startet er erst einmal ein Pilotprojekt, bei dem die Gäste per QR-Code die Speisekarte einsehen, bestellen oder nachbestellen können. Damit meinte er aber nicht, dass die Bestellungen ausschließlich digital ablaufen sollen. „Natürlich wollen wir unsere Gäste auch weiterhin persönlich bedienen. Ein Neunzigjähriger kennt keinen QR-Code.“ Er hat eher die jungen Leute im Blick und ist sich sicher: „Die scannen.“ Eine weitere Errungenschaft präsentierte Wolf seinen Gästen – eine, die in asiatischen Ländern wie Japan, Korea oder China üblich ist, in Gras-Ellenbach aber noch futuristisch anmutet: seinen Servierroboter.

Ein Roboter soll künftig beim Servieren im Landgasthof Hagen in Grasellenbach helfen. Foto: Bettina Arndt
Ein Roboter soll künftig beim Servieren im Landgasthof Hagen in Grasellenbach helfen.

Geschickt rollt er durch die Tischreihen, nimmt Bestellungen auf und lächelt sogar, soweit das Display es zulässt. Der Hausherr ist stolz auf seinen ungewöhnlichen Servicegehilfen. Jetzt wird der Boden im Außenbereich neu verlegt, damit der Roboter auch dort eingesetzt werden kann. Das ist seine Antwort auf den Fachkräftemangel und er ist überzeugt: „Das ist eine gute Entwicklung.“

Potenzial durch Geo-Naturpark Tromm

Dann ging es noch einmal um die Entwicklung des Tourismus im Odenwald zwei Jahre nach Corona. Wolf dazu: „Der Tourismus ist hier gut entwickelt. Gefragt seien Kurzurlaube, die seien „sehr interessant“. Diese würden auch eher gebucht als einwöchige Übernachtungen. In Grasellenbach sieht er darüber hinaus Potenzial, nicht nur wegen des Siegfriedbrunnens, sondern auch, weil der Geo-Naturpark Tromm – obwohl Rimbacher Gemarkung – ganz in der Nähe ist.

Bergauf Lift, bergab Bob

Dann erzählte Wolf dem wenig überraschten Bürgermeister Röth von seinen Visionen, wie die Gemeinde touristisch aufgewertet werden könnte, zum Beispiel von einem Sessellift, der von der Nibelungenhalle hinauf zum Siegfriedbrunnen führen soll, am besten solarbetrieben. Bergab soll es dann mit einer Bobbahn gehen. Klar, alles sei eine Frage der Investition. Wolf schätzt den finanziellen Aufwand für das Vorhabens auf etwa zwei Millionen Euro, die in die Hand genommen werden müssten.

Bürgermeister Röth griff den finanziellen Aspekt auf und machte deutlich, dass die Kommune das auf keinen Fall stemmen könne, er führte den bürokratischen Aufwand rund um Förderprogramme und Zuschussanträge als Argument an. Gut, dass Birgit Heitland auf die Entbürokratisierungsoffensive aufmerksam machte, die gerade gestartet sei als ein Schwerpunkt der neuen Landesregierung. Gibt es also vielleicht doch noch Hoffnung für die Visionen des Gastronomen?