Fastnacht

Fastnacht in Grasellenbach: Samba, Seitenhiebe und schräge Sketche bei der 47. Elferratssitzung

Ein buntes Spektakel einmal rund um den Globus: So farbenprächtig war die Premiere der 47. Elferratssitzung. Dabei schunkelte die „Monopoly“-Party zwischen Rio, Spanien und Après-Ski.

Das Lebensgefühl vom Zuckerhut nach Gras-Ellenbach gebracht. Der Showtanz der „Peanuts“ widmete sich dem Monopoly-Land Brasilien. Foto: Bettina Arndt
Das Lebensgefühl vom Zuckerhut nach Gras-Ellenbach gebracht. Der Showtanz der „Peanuts“ widmete sich dem Monopoly-Land Brasilien.

Grasellenbach. Wenn es Falschgeld regnet, Sangriatöpfe auf dem Kopf jongliert werden, singende Mülltonnen die Lachmuskeln strapazieren und Showtänzerinnen um die Wette glänzen: Dann feiert Gras-Ellenbach Karneval. Bei der Premiere der 47. Elferratssitzung hat sich die WNOZ unters Publikum gemischt und durfte sogar erleben, dass die politische Bütt rechten Hetzern kräftig Kontra gibt.

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Draußen bibberte es um den Gefrierpunkt, doch drinnen war der Regler schon auf Wohlfühltemperatur eingestellt. Noch bevor man die Nibelungenhalle in Gras-Ellenbach am Samstagabend betrat, war klar: Heute muss niemand frieren. Stattdessen ging es einmal quer über den Globus – zumindest in der Fantasie. Unter dem Motto „Monopoly-Weltreise“ feierte das Publikum vor ausverkauftem Haus eine Nacht voller Tanz, Büttenreden und schräger Sketche. Kein Pass nötig, nur gute Laune – viereinhalb Stunden lang ging die Reise von der Südsee über Rio bis in die USA, während eine Showeinlage die nächste jagte.

Zuerst ein Geldregen

Wie im namensgebenden Brettspiel wurde erst einmal abkassiert. Der Elferrat eröffnete die Sitzung mit dem Song „Ich wär so gerne Millionär“ und ließ die Monopolyscheine nur so regnen; leider waren die Dollars nicht echt. Doch Elferratspräsident Daniel Stein kam gleich mit einer klaren Ansage hinterher: „Hier macht heute keiner schlapp!“ Und das tat auch niemand. Mit 17 närrischen Reisezielen und davon allein vier Showtänzen nahm die Karnevalsparty rasant Fahrt auf.

Ob beim Après-Ski oder beim Shoppingwahnsinn mit Männern: Situationskomik gab’s überall. Die „Youngsters“ bewiesen, dass man selbst aus einer gelben Mülltonne heraus für Stimmung sorgen kann. Ein Sketch zeigte, wie man Kontaktanzeigen mehr oder weniger geschickt „frisiert“. Irrungen und Wirrungen gab es, als das Callcenter kurzerhand ins Homeoffice verlegt wurde. Da war das Chaos an der Hotline zum „heißen Draht“ vorprogrammiert. Und dass es keine gute Idee ist, ausgerechnet an einem Junggesellenabschied die Treue des Verlobten zu prüfen, bewiesen „Manni und Lutz“ in einem Sketch, bei dem die trockenen Bemerkungen des Obers im Hintergrund so manchen Lacher einkassierten. Die „Bieryogalehrerin“ machte humorvoll deutlich, dass man einen Thaimassage-Termin schneller vereinbart, wenn man erst einmal die Sprachbarrieren überwunden hat. Ein Gag folgte auf den nächsten.

In der Bütt ging’s bissig zu

„Unsern Schorsch“, eine feste Größe des Gras-Ellenbacher Karnevals, nimmt kein Blatt vor den Mund. Diesmal lamentierte er – natürlich mit reichlich Doppeldeutigkeiten – über 50 Jahre Ehe, in denen weder Komplimente noch Illusionen überlebt haben. Viagra und Erotikspielzeug? Vergebliche Liebesmüh, stellte er fest, und zog sein eigenes Fazit: „Männer haben Charakter. Die sterben lieber, als dass sie hässlich werden.“ Ein böser Seitenhieb aufs andere Geschlecht. Apropos Seitenhieb: „Der Protokollant“ stieg vom „Olymp der Narretei“ herab und ließ in der Bütt kein gutes Haar an der Politik und den vier Kanzlerkandidaten.

In seiner Büttenrede verband „Protokollant“ Jens Ihrig kritische Töne mit anerkennenden Worten. Foto: Bettina Arndt
In seiner Büttenrede verband „Protokollant“ Jens Ihrig kritische Töne mit anerkennenden Worten.

Das Ampel-Aus? „Was für ein elendes Gezänk!“ Und das Schlimmste: „Um die Sache geht’s sowieso nicht.“ Merz? „Der schwafelt den ganzen Tag so viel heiße Luft, dass man den Reichstag damit heizen kann.“ Scholz? „Kann sich nächste Woche eh an nichts mehr erinnern.“ Zu Habecks Küchengesprächen: „Lieber Ratten im Keller als Robert Habeck im Haus!“ FDP? „Am D-Day gescheitert!“ Die populistischen Parolen der AfD nahm er regelrecht auseinander. Doch zum Glück sei Cannabis freigegeben, denn das „Theater in Berlin kann man nicht nur unbekifft ertragen“. Die politische Prominenz bekam genauso ihr Fett weg wie der Hype um Dubai-Schokolade und das Endlosgebabbel der Influencer. Zwischendurch gab es aber auch Lob, nämlich für die Feuerwehr, die einfach mal ein Dankeschön verdient hatte.

Kurios wurde es mit Gastronom Daniel Hagen-Wolf, der als „Reisephobiker“ in seiner Büttenrede eine detailverliebte Abhandlung über moderne Toilettenarchitektur lieferte und schilderte, wie ihn ausgerechnet auf den Malediven ein Nervenzusammenbruch ereilte – und das hatte viel mit Mangosaft und toten Raben zu tun.

Exotisch glitzernd

Selbstredend immer ein Höhepunkt fürs Auge war auch diesmal der Showtanz, schließlich ist Gras-Ellenbach für seine spektakulären Tanzformationen bekannt. Die jungen „Happy Feet“ nahmen das Publikum mit nach Hawaii, Fidschi und Bora Bora – ein Meer aus Blüten schwebte über die Bühne, Südseefeeling inklusive. Und dann hieß es: „Samba, Samba, Samba!“ Die „Peanuts“ rissen das Publikum mit glitzernden Outfits und heißen Rhythmen vom Zuckerhut mit und machten daraus eine Hommage an den Karneval in Rio. Mindestens genauso knapp bekleidet wagten sich die „Back Strieth Boys“, das Männerballett des Abends, an den Sirtaki und verteilten Hochprozentiges, was ihnen prompt Zugabe-Rufe einbrachte. Die heimischen „Dancing Spirits“ brachten im schwarzen Cowgirl-Outfit echtes Footloose-Feeling in die Halle. Einen Gastauftritt gab es auch: Die Tanzmariechen aus Michelstadt beeindruckten mit akrobatischen Höchstleistungen; sie zeigten freie Räder, Bogengänge und Flickflacks.

Das feurige Finale hielt allen Erwartungen stand. Die Kneipp-Girls tanzten in beeindruckenden Kostümen Flamenco und Bolero. Foto: Bettina Arndt
Das feurige Finale hielt allen Erwartungen stand. Die Kneipp-Girls tanzten in beeindruckenden Kostümen Flamenco und Bolero.

Fächerwirbel beeindruckt

Den krönenden Abschluss gestalteten traditionell die „Kneipp-Girls“, die diesmal mit einer temperamentvollen Darbietung das Monopoly-Feld Spanien zum Leben erweckten. Mit ausdrucksstarkem Flamenco, Bolero und kunstvollen Fächerwirbeln entführten sie das Publikum in eine Welt voller Leidenschaft und feuriger Rhythmen – ein spektakuläres Finale, das viele in seinen Bann zog und in jeder Hinsicht ein besonderer Augenschmaus war.

Mit Witz, Anmut und spritzigem Humor feierte Gras-Ellenbach die Premiere seiner 47. Elferratssitzung. Das Monopoly-Spielfeld wurde am vergangenen Samstag aber ein weiteres Mal „ausgerollt“. Beide Veranstaltungen der Karnevalsgesellschaft Gras-Ellenbach waren bereits früh ausverkauft.