Kurz vor der Bundestagswahl: So wählen die Schüler bei der Juniorwahl in Rimbach
Die achten und neunten Klassen der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Rimbach durften bereits am Freitag den Gang zur Wahlurne machen. Wie haben die Schüler gewählt?
Rimbach. Wen soll ich bloß wählen? Diese Frage beschäftigt gerade viele Menschen im Land, darunter auch einige Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) in Rimbach. Denn die Acht- und Neuntklässler hatten noch Gelegenheit, vor der Bundestagswahl ihre Stimmen im Rahmen der Juniorwahl abzugeben. Sie zeigten, dass Politik auch bei der heranwachsenden Generation ein wichtiges Thema ist.
Wie bei der anstehenden Wahl konnten sie einen Zettel mit jeweils zwei Stimmen abgeben, den sie in der Wahlkabine ausgefüllt hatten. Sie hatten aber nicht nur die Möglichkeit der Stimmabgabe, sondern konnten auch Wahlhelfer werden. Hierfür meldeten sich acht Schüler der achten Klasse freiwillig.
Mehrere Auszählungen
Sie schrieben die Wahlbenachrichtigungen, führten die Wahl an sich durch und kontrollierten die Stimmabgabe. Anschließend übernahm eine zweite Gruppe der acht Helfer die ersten beiden Auszählungen der Wahlzettel. Unterstützt wurden sie hierbei von ihren Lehrern Leonhard Pöppinghaus und Tom Köllner sowie dem FSJler Lennart Würsching, die sie begleiteten, die Stimmenanzahl kontrollierten und die Wahlzettel weitere zweimal auszählten. Zuvor hatten die Lehrer der DBS einige Unterrichtsstunden dafür verwendet, die Jugendlichen mit den Parteien, ihren Wahlprogrammen und dem Wahlkampf vertraut zu machen. Darüber hinaus wurden aber auch ganz grundsätzliche Bestandteile der Demokratie besprochen, wie beispielsweise die Parteitage. „Wir wollten, dass diese Wahl mit dem nötigen Vorwissen verbunden ist“, erklärte Köllner. Nur dadurch und die begleitende Diskussion sei es möglich, dass die Teenager wirklich etwas aus der Wahl lernen. Das sei auch der Grund dafür gewesen, dass nur die höheren Jahrgänge eingebunden wurden, berichtete Pöppinghaus.
Einblicke in die Organisation
In den anderen Klassen sei es schwieriger, das Thema zu vermitteln, auch weil es nicht im Lehrplan für die Jüngeren enthalten sei. Die Nachwuchs-Wähler empfanden die Aktion als sehr aufregend, wie sie im Gespräch mit OZ verrieten. Besonders die Wahlhelfer bekamen Einblicke in den Ablauf und konnten sich vorstellen, sich später entsprechend zu engagieren.
Anfangs waren sie sehr aufgeregt, da es für sie eine ganz neue Erfahrung war. Obwohl die Durchführung der Wahl auch anstrengend war, würden alle wieder mitmachen. Ihre größte Lehre an diesem Tag ist, dass sie vor neuen Aufgaben keine Angst zu haben brauchen, sondern dass es besser ist, die Dinge einfach zu machen. Mit dem Engagement der Schüler waren aber auch die Pädagogen sehr zufrieden. Sie erlebten über die Vorbereitungszeit eine echte Auseinandersetzung mit Politik und sahen, dass sich viele ihrer Schützlinge stark mit der von ihnen präferierten Partei solidarisierten.
„Von Politikverdrossenheit, die jungen Menschen oft nachgesagt wird, konnten wir nichts spüren“, erzählte Pöppinghaus. Die Idee zur Beteiligung der DBS an der Juniorwahl war bereits bei der vergangenen Wahl entstanden. Im Vorfeld der diesjährigen, vorgezogenen Stimmabgaben wurde die Schule nun wieder angeschrieben und hatte sich dazu entschieden, ihre Beteiligung zu wiederholen. Mit der Wahl wollten die Lehrer den jungen Menschen die Gelegenheit geben, die Demokratie kennenzulernen und sich aktiv zu beteiligen.
Tierschutzpartei wird Zweiter
Für einige der Schüler war es das mitunter einzige Mal, dass sie sich an einem Urnengang beteiligen. Die Wahlbeteiligung stand schnell fest: 105 der insgesamt 135 Wahlberechtigten hatten ihre Stimme abgegeben. Damit machten alle mit, die am Wahltag vor Ort waren – die Beteiligung von etwa 77 Prozent war schon mal gar nicht schlecht. Am Ende des Schultages lag auch das Ergebnis der Stimmabgabe vor.
Die AfD hatte hierbei die meisten Erststimmen und hätte das Direktmandat gewonnen. Auch bei den Zweitstimmen führte die AfD mit 36,2 Prozent. Die zweitmeisten Stimmen bekam die Tierschutzpartei mit 12,38 Prozent, gefolgt von der Linken (15,24 Prozent), der SPD (10,47 Prozent), dem BSW (8,57 Prozent), der CDU und den Grünen (jeweils 6,67 Prozent). Die FDP wurde von 4,76 Prozent der Schüler gewählt, außerdem hatten die Freien Wähler, „Die Partei“, Volt und „Die Humanisten“ die Stimmen einiger Schüler bekommen.
Künftig weitere Juniorwahl
Dieses Ergebnis deckte sich mit den Erwartungen der Beteiligten. Im Anschluss werden die Klassen das Ergebnis und die Beweggründe für ihre jeweiligen Entscheidungen besprechen. Dabei werden dann auch die Wahlergebnisse der eigentlichen Bundestagswahl eine Rolle spielen.
Das Entscheidende sei aber nicht das Ergebnis an sich, sondern dass die Jugendlichen die Demokratie erleben konnten und vermittelt bekamen, dass ihre Stimme gehört wird, erklärte Köllner. Auch bei den kommenden Wahlen denkt man in der DBS daran, wieder Juniorwahlen anzubieten, fuhr er fort. Mitmachen dürfen dann vielleicht auch die jüngeren Schüler, die sich bereits diesmal gewünscht hatten, ebenfalls ihre Stimme abgeben zu dürfen.