Odenwaldklub Mörlenbach: Nach 127 Jahren ist Schluss
Allerletzte Sitzung des OWK Mörlenbach fand mit Ehrungen und einem bebilderten Rückblick statt. Die Leonhard-Schenk-Hütte soll weiterhin instand gehalten werden.
Kreidach. Ein allerletztes Mal trafen sich jetzt die Mitglieder des Odenwaldklubs Mörlenbach (OWK), um auf das vergangene Wanderjahr, aber auch auf die 127-jährige Vereinsgeschichte zurückzublicken. Hierfür hatte der Vorstand einen Bildervortrag vorbereitet, den er im großen Saal des Gasthauses „Zum Odenwald“ vortrug. Bevor es allerdings mit der Vereinsgeschichte losging, standen noch einige Ehrungen der engagiertesten Wanderer an.
Außerdem sangen die Mitglieder. Auf dem Programm standen Odenwälder Lieder, darunter „Wenn alle Brünnlein fließen“ und „Mer sin all vum Ourewald“. Die Vorsitzende Hedi Schmidt zeichnete dann die Mitglieder aus, die die meisten Kilometer zu Fuß oder auf dem Rad zurückgelegt hatten.
Zurückgelegte Kilometer
Die meisten gelaufenen Kilometer konnten sie selbst und ihr Ehemann Siegfried Schmidt verzeichnen, wobei er mit 169 Kilometern im Vergleich zu ihren 158 Kilometern ganz leicht führte. Die beiden waren zusätzlich zu den Strecken in der Gruppe auch die „Vortouren“ gelaufen, weshalb sie einen weiten Vorsprung vor dem Drittplatzierten Hanspeter Wetzel mit 53 Kilometern hatten. Die Radfahrer führte Regine Steinmaus mit 789 Kilometern an, darauf folgten Hanspeter Wetzel (597 Kilometer) und Herbert Schenker (595 Kilometer).
Schmidt betonte, dass man in diesem Jahr die Auflösung des Vereins stark gemerkt habe, weshalb deutlich weniger Kilometer zurückgelegt wurden als in den vergangenen Jahren. Der Verein hatte sich bereits im zurückliegenden Sommer dafür entschieden, den OWK aufzulösen (die OZ berichtete).
Der Grund hierfür lag im Fehlen von aktiven Mitgliedern, da viele der tragenden Säulen des Vereins durch Krankheit oder altersbedingt ausgefallen seien, wie Schmidt berichtete. Durch die Auflösung konnten die Ausgezeichneten in diesem Jahr auch nicht mit einem Geschenk geehrt werden, da sich der Verein im sogenannten Sperrjahr befindet und keinen Zugriff mehr auf das angesparte Vermögen hat.
Vereinsvermögen für die Hütte
Dieses Vermögen wird in Zukunft einigen ausgewählten Mörlenbacher Vereinen zugutekommen und für den weiteren Erhalt der Leonhard-Schenk-Hütte an die Gemeinde gespendet werden. Im zweiten Teil der Veranstaltung zeigte Siegfried Schmidt einige Bilder aus der Vereinsgeschichte. Der Verein wurde im Jahr 1897 von fünf Mörlenbachern gegründet.
Das Ziel war bereits zu dieser Zeit klar, denn die Initiatoren wollten die Schönheit der Landschaft erlebbar machen. Schon in den ersten Jahren wurden hierfür einige Kilometer zurückgelegt. Aber auch die Hütte des Vereins war ein großes Projekt; sie wurde aus Fichten des Waldes in der Umgebung gebaut. In Handarbeit hatten die 14 Vereinsmitglieder die Stämme geschichtet, an die später noch einige Bänke angeschlossen wurden, auf denen sich vorbeiziehende Wanderer ausruhen können. Über 20 Jahre hinweg veranstaltete der Verein Pfingstfeste an der Hütte, bei denen die Mitglieder Kaffee und Kuchen verkauften. Die Mitglieder engagierten sich zudem für die Jugend; es gab eine eigene Jugendgruppe, außerdem machte der OWK bei den jährlich stattfindenden Ferienspielen mit. Doch auch die Natur spielte für den Verein eine wichtige Rolle, denn er pflegte eine Streuobstwiese und die Wanderwege der Umgebung oder befreite die Weschnitz von Müll.
Für ein Engagement wie dieses wurde der OWK mehrfach ausgezeichnet, so erhielt er die Umweltplakette, einen Ehrenamtspreis und die Eichendorff-Plakette.
Viele Mitglieder verbinden mit dem OWK aber vor allem eins: jede Menge Erinnerungen. Der Verein unternahm nämlich auch viele gemeinsame Reisen, mal zu Fuß, mal mit dem Rad. Die Ziele waren die Toskana, die Donau oder das Ruhrgebiet. Siegfried Schmidt stellte die damaligen Ziele vor und ergänzte seine Reiseberichte mit Anekdoten anderer Mitglieder. „Es waren schöne, erlebnisreiche und arbeitsreiche Jahre“, bilanzierte Schmidt. Gerade bei der Betrachtung der vielen Bilder sei ihm aufgefallen, wie viele Freunde sie über die Jahre verloren hatten, die im Verein fehlen würden.
Spannend war hierbei auch zu sehen, wie eine Freundesgruppe gemeinsam älter geworden war. Neben den Wanderungen berichtete Schmidt auch über die kulturellen und kulinarischen Besonderheiten der verschiedenen Gebiete.
Helferfest gefeiert
Im vergangenen Jahr fand ein allerletztes Helferfest in Alzenau und die Übergabe der Leonhard-Schenk-Hütte statt. In der Zukunft wird sich die Gemeinde beziehungsweise der Bauhof um das Häuschen kümmern. Weil die administrativen Aufgaben und die Planung der Routen zu viel wurden, war das Ende für das Paar und seine Mitstreiter zwar eine schwere Entscheidung, aber auch mit Erleichterung verbunden. Hedi Schmidt bedankte sich abschließend für die Hilfe bei der Auflösung des Vereins, und auch die Mitglieder dankten ihrer Vorsitzenden, die den Verein rund zehn Jahre geleitet hatte.