Verein Wir DABEI! appelliert für inklusive Bildung
Verein Wir DABEI! und EUTB Bergstraße-Odenwald machen auf den 3. Dezember, den „Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung“, aufmerksam. Sie finden: Es gibt noch viel zu tun.
Am 3. Dezember, dem „Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung“, soll seit dem Jahr 1993 daran erinnert werden, dass die Würde, die persönlichen Rechte und das persönliche Wohlergehen jeden Menschen betreffen. Der von den Vereinten Nationen (UNO) ausgerufene Aktionstag soll das Bewusstsein für die Belange von Menschen mit Behinderungen stärken.
Für diese Belange engagiert sich seit nunmehr 16 Jahren der Verein Wir DABEI! aus Birkenau – und das in der gesamten Region. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen mit Behinderung und/oder chronischer Krankheit sowie deren Familien, Betreuern und Kontaktpersonen von Anfang an zur Seite zu stehen. Mit seinem Engagement will der Verein Berührungsängsten entgegenwirken und eine Brücke zwischen Menschen mit und ohne Behinderung bauen. „Dies soll ein selbstverständliches Miteinander im Alltag ermöglichen“, schreiben er und die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) Bergstraße-Odenwald anlässlich des Aktionstags.
Schwierige Rahmenbedingungen
Seit dem Jahr 2018 ist der Verein Wir DABEI! der Träger der EUTB im Kreis Bergstraße und seit dem Jahr 2023 auch für den Odenwaldkreis.
Seit dem Jahr 2020 sei deutlich zu spüren, dass die Rahmenbedingungen für Menschen mit Behinderung sehr viel schwieriger geworden sind. „Durch die Coronapandemie sind viele vorherige Erfolge in der Umsetzung der Inklusion verpufft“, schreibt der Verein. Er zählt auf: Schüler mt Behinderung seien oft nicht in der Lage gewesen am Onlineunterricht teilzunehmen und danach sei eine Eingliederung in den Klassenverband oft schwierig gewesen. Aber auch Inklusion in den anderen Lebensbereichen wie Wohnen, Freizeit oder Arbeit habe laut Berichten von Vereinsmitgliedern und Beratungsstellen unter den geänderten Abläufen, beispielsweise Isolation, gelitten.
Wir DABEI! setzt sich dafür ein, wieder Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderungen zu ermöglichen, um wieder auf den Stand vor der Pandemie zu kommen. Dafür dienten zum Beispiel das inklusive Kinderfest zum 15-jährigen Vereinsbestehen. Aber dass es in Deutschland noch viel zu tun gebe, zeige sich in dem ernüchternden UN-Staatenbericht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.
Ernüchternde Zwischenbilanz
Ende August dieses Jahres hatte der UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen eine deutsche Delegation aus Bund und Ländern zur Überprüfung der Fortschritte bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention nach Genf eingeladen. Seitenlang liste der nun vorliegende Abschlussbericht die Defizite bei der Umsetzung von Inklusion auf. Die Rede sei von fehlenden behindertengerechten Maßnahmen in allen Bereichen.
Auch 14 Jahre nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention besuche der Großteil der Schüler mit Behinderungen immer noch das separierende System der Sonder-/Förderschule. Insbesondere bei den Schulen zeige man sich „besorgt über die mangelnde vollständige Umsetzung der inklusiven Bildung im gesamten Bildungssystem“.
Die Liste der Mängel sei lang: unzureichende Schulung von Lehrkräften; unzureichende Entwicklung spezifischer Lehrmethoden; Druck auf Eltern, Kinder mit Behinderungen auf Förderschulen anstatt in die inklusive Beschulung zu schicken.
„Mehr Inklusion an Schulen“
140 Organisationen – darunter auch Wir DABEI! – fordern die Bundesregierung auf, mehr für die Inklusion an Schulen zu tun. „Und die UN interessiert es hierbei nicht, ob Deutschland bei der Bildung föderal organisiert ist. Deshalb ist das Schreiben der Organisationen auch bewusst an den Bund adressiert“, schreibt der Verein.
Deutschland müsse sich endlich seiner vollen Verantwortung für inklusive Bildung stellen und dürfe das nicht allein den Bundesländern überlassen, heißt es in dem Brief. Formuliert sind darin vier konkrete Forderungen: 1. Die Bundesregierung müsse auf umfassende Aktionspläne für inklusive Bildung durch die Länder drängen. 2. Sie soll eine bundesweite Aufklärungskampagne starten, die deutlich mache, dass Inklusion verpflichtend ist. 3. Der Bund soll sicherstellen, dass die Behindertenrechtskonversion einheitlich umgesetzt wird. 4. Außerdem soll er alle Ziele, die in der Konversion enthalten sind, offen vertreten.
„Fast 15 Jahre nach Unterzeichnung der Behindertenrechtskonversion ist offensichtlich noch nicht richtig angekommen, dass die Politik für dieses Gelingen verantwortlich ist“, findet der Verein deutliche Worte, der befürchtet, dass gerade auch Leistungen für Menschen mit Behinderungen von den Sparmaßnahmen betroffen sein könnten.
Mehr Informationen gibt es unter www.wir-dabei.de.