Rimbach: Gemeindeentwicklungsplan vorgestellt - Wie sieht die Zukunft der Gemeinde aus?
Wie soll die Gemeinde Rimbach der Zukunft aussehen? Um das herauszufinden, wurde ein Gemeindeentwicklungsplan erstellt. Im Rahmen einer Bürgerversammlung wurde dieser nun vorgestellt. Der Vortrag blieb jedoch nicht ohne Kritik.
Rimbach. Quo vadis, Rimbach? Wie soll die Gemeinde Rimbach der Zukunft aussehen? Was tut not? Was wünschen sich die Bürger? Ist man derzeit auf dem richtigen Weg, oder bedarf es eines Umdenkens?
Um das herauszufinden, hat die Gemeinde die „imakomm-Akademie“ mit der Aufstellung eines Gemeindeentwicklungsplans (GEP) beauftragt, ein Institut für Marketing und Kommunalentwicklung aus dem schwäbischen Aalen. Federführend hatte Dr. Saskia Goldberg die Fäden in der Hand. Im Dezember wurde der innerhalb von rund zwei Jahren entstandene Gemeindeentwicklungsplan vom Gemeinderat beschlossen. Am Mittwochabend stellte Goldberg den Plan im Rahmen einer Bürgerversammlung im Alten Schulhaus vor. Etwa 60 Besucher waren gekommen.
Hoher Altersdurchschnitt
Bei der Entwicklung des Projekts war auch die Bevölkerung eingebunden – eine Bevölkerung, deren Altersdurchschnitt im Vergleich zu anderen Gemeinden ausgesprochen hoch sei, wie sie berichtete: „Sie sind superalt.“ Eine Tatsache, die man bei Zukunftsplanungen unbedingt im Auge behalten müsse. Außergewöhnlich sei aber auch das Engagement in der Gemeinde gewesen. „Wir bringen heute Abend was zu Ende. Aber richtig. Wir hören gar nicht auf“, so die Referentin motiviert.
Der GEP sei eine schriftliche Erklärung über das Selbstverständnis, die Entwicklungsschwerpunkte und Zielvorstellungen einer Gemeinde. Er solle Orientierung geben, nach innen handlungsleitend und nach außen identitätsstiftend sein. Wichtig: Der GEP ist langfristig aufgestellt, denkt zehn bis 15 Jahre in die Zukunft. Über 200 Seiten sind es am Ende geworden, die man auf der Homepage der Gemeinde unter dem Reiter „Leben & Wohnen“ und dort unter der Überschrift „Bauen und Wohnen“ findet und nachlesen kann.
Goldberg erklärte im Großen und Ganzen die Entstehung des GEP, berichtete darüber, wie man zentrale Schwerpunkte und Ziele definiert habe und anhand weniger Beispiele, welche Maßnahmen bereits angegangen werden.
Ein bisschen zu wenig konkrete Inhalte seien genannt worden, wie der eine oder andere Zuhörer während der Bürgerversammlung enttäuscht feststellte. Das begründete die Referentin damit, dass das 200-Seiten-Werk zu umfassend sei und Details den Rahmen sprengen würden.
Zukunftsvisionen vermisst
„Sehr trocken und langweilig“, fand im Nachgang eine Besucherin den Vortrag. „Wenig informativ“, urteilte ein anderer Zuhörer. „Ich wollte hier Zukunftsvisionen hören und nicht die unnötige Zusammenfassung, wie man auf die Ergebnisse gekommen ist. Das war verschwendete Zeit.“ Andere fanden den Abend „sehr aufschlussreich“.
Unter die Lupe genommen wurden für die Entwicklung des GEP die unterschiedlichsten Themenfelder: Lage und Erreichbarkeit, Bevölkerungsstruktur und demografischer Wandel, die städtebauliche Entwicklung und das Wohnen, Wirtschaft und Beschäftigung, Versorgungsstrukturen, Bildung und Wissenschaft, Mobilität, verkehrliche und technische Infrastruktur, Klima, Energie und Umwelt, Kultur, Freizeit und Tourismus, Netzwerke, Kooperation und Engagement sowie die kommunalen Finanzen.
Am Ende stand die Herausarbeitung von Schwerpunkten und Zielen. Der Fokus des GEP liegt auf einem „modernen Dorfleben“, das Rimbach stärker in den Vordergrund stellen soll. Moderne und Dörflichkeit sollen einander ergänzen. Die Themen Wohnen, Versorgung, Arbeiten, Wirtschaft und Wohlfühlen sind Schwerpunkte der Entwicklung. Gestärkt werden soll aber auch die gemeinsame Identität unter Berücksichtigung der „Eigenheiten“ der Ortsteile.
Die Gemeindeentwicklung profitiere von Synergien zwischen den Ortsteilen und der Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden und Bürgern. Die Gemeinde Rimbach soll Vorzeigeobjekte umsetzen, die die Gemeinde überregional bekannt machen. Goldberg nannte fünf zentrale Entwicklungsbereiche: Zum einen eine an Bedarfen orientierte und vor allem proaktive Siedlungs- und Wohnraumentwicklung. Hier ist die Gemeinde vor allem in Sachen Innenentwicklung gefragt. Hier gebe es Potenziale, man müsse bei Wohnbebauung nicht immer in die Fläche gehen.
Die Gemeinde ist indes schon tätig geworden, wie Bürgermeister Holger Schmitt mitteilte. Man erstelle derzeit eine Auflistung unbebauter Grundstücke. Diese sind in der Regel in privater Hand. Man ist also darauf angewiesen, dass die Eigentümer verhandlungsbereit sind.
Die Frage, ob es keine rechtliche Handhabe gebe, die Eigentümer zum Verkauf zu zwingen, verneinte die Verwaltung. Man müsse das Gespräch suchen. Nächster Schwerpunkt sind „resiliente Wirtschaftsstrukturen“, strategisch ausbauend und den Bestand stärkend. Man müsse dafür sorgen, dass die Unternehmen vor Ort bleiben und den Standort Rimbach attraktiv für Gewerbeansiedlungen machen, insbesondere für kleine und mittelgroße Unternehmen.
Auch hier sei Rimbach bereits sehr erfolgreich, erklärte Schmitt im Laufe des Abends: In den vergangenen vier Jahren seien hier 200 neue Arbeitsplätze entstanden. Die technische und soziale Infrastruktur muss auch mit der Zeit gehen – angefangen von der Gesundheitsversorgung über Pflegeangebote, Angebote zur Verbesserung der Erreichbarkeit (ÖPNV, Fußgänger, Radfahrer) bis hin zu Überlegungen, was man gegen den starken Durchgangsverkehr machen könne. Darüber hinaus soll die Gemeinde ein Wohlfühlort für alle sein – für Rimbacher ebenso wie für Touristen. Erreichen kann man das beispielsweise durch den Ausbau von Grünanlagen, die attraktivere Gestaltung öffentlicher Räume und durch mehr Barrierefreiheit.
Gerüchten widersprochen
Rimbach habe eine attraktive Lage, auch für Naherholung. Wie erhält man das, wie baut man das aus? Wichtig sei ein attraktives gastronomisches Angebot sowie die Ortskernentwicklung. Schließlich soll ein gemeinsames Wir-Gefühl in Rimbach entstehen. Rimbach sei ein Bildungsstandort, in der Erwachsenenbildung gebe es jedoch noch Nachholbedarf. Positiv sei das funktionierende Vereinsleben in der Gemeinde und ihren Ortsteilen, hier gelte es, Anreize für das Ehrenamt zu schaffen. Durch alle fünf Schwerpunkte sollen sich Themen wie Nachhaltigkeit, Transparenz und interkommunale Zusammenarbeit ziehen. In der anschließenden Diskussion wurden unter anderem Probleme des ÖPNV angesprochen – konkret die Busverbindungen nach Zotzenbach und Mengelbach – sowie das Vorhaben von GeoLaB auf der Tromm.
Hier ließ sich Schmitt auf keine lange Diskussion ein, weil das nicht Thema des Abends sei. Er trat aber dem Gerücht entgegen, dass eine Straße von Rimbach direkt auf die Tromm geplant sei. Hier handele es sich lediglich um einen sogenannten Rückeweg kurz unterhalb des Trommturms als Zufahrt für Förster oder Gemeindearbeiter.
Auch Gerüchten, dass auf der Tromm ein atomares Endlager geplant sei, trat er entgegen. Ein Zuhörer warnte davor, Rimbach verkehrstechnisch zu sehr zu beruhigen: „Nach Beruhigung kommt Tod“, befürchtete er negative Folgen für Unternehmen. Dr. Goldberg versicherte, man habe die gute Erreichbarkeit im Blick.