So sind die Rock Chillies aus Fürth gereift
Die junge Band aus Fürth veröffentlicht ein Album mit eigenen Songs. JMS-Bandcoach Florian Schlechtriemen über den Weg zu diesem Meilenstein.
Sie sind ein klassisches Rockband-Trio, das punkig-rockige Songs mit eingängigen Refrains und deutschsprachigen Texten macht. Das Besondere an den Musikern aus Fürth ist ihr Alter: Die Rock Chillies, das sind Till Schöps (12 Jahre) Gesang und an der E-Gitarre, sein Bruder Theo Schöps (10 Jahre) am E-Bass und Bennet Grimm (12 Jahre) am Schlagzeug.
Jetzt steht die Nachwuchsband kurz vor dem Abschluss ihrer ersten Albumproduktion mit ausschließlich selbstkomponierten Songs. In den Sommerferien haben die Musiker in drei Tagen Gitarre und Bass in Lindenfels im Studio von Lennart Scheuren aufgenommen. Weitere sechs Tage wurden für die Schlagzeug- und Gesangsspuren in der Alten Feuerwache Mannheim aufgewendet. Dort hat Florian Schlechtriemen sein Studio. Er fungiert bei der Jugendmusikschule (JMS) Weschnitztal/Überwald als Bandcoach für die Rock Chillies. Abgemischt und gemastert wird das Material von Lennart Scheuren. Die Designerin Doris Schneider hat unentgeltlich das Artwork für das CD-Cover gemeinsam mit der Band gestaltet.
„Als mir damals mein achtjähriger Schlagzeugschüler Bennet erzählt hat, dass er mit seinen zwei Freunden aus dem Nachbarhaus, den Brüdern Till, damals 9 Jahre, und Theo, damals 7 Jahre, eine Rockband gegründet hat, war ich natürlich sehr interessiert, aber vor allem sehr erfreut“, erinnert sich Florian Schlechtriemen an die Anfänge.
Kleine Hände, große Basssaiten
In einer Band übe man nicht mehr nur für sich alleine, sondern für ein größeres Ganzes, ein Gemeinschaftserlebnis. „Man macht Musik mit anderen Menschen und der Klang des eigenen Instrumentes potenziert sich mit den Klängen der anderen Instrumente zu einem unfassbar großen ,Wahnsinns-Klang‘“, schwärmt Florian Schlechtriemen.
Den Rock Chillies bot er an, ein Bandcoaching zu machen. „Bennet hatte mir nämlich einen Audiomitschnitt vorgespielt, wobei mir auffiel, dass die drei voller Leidenschaft, aber noch nicht wirklich zusammenspielten“, erinnert er sich. Ein Erwachsener, erklärt Florian Schlechtriemen, sei als Begleiter für Bands mit sehr jungen Mitgliedern hilfreich, um die Dinge ein wenig zu lenken und zu ordnen. Die Rock Chillies waren jedenfalls „Feuer und Flamme“ für ihre Band und höchst motiviert, diese ins Laufen zu bringen.
Im wöchentlich einstündigen Bandcoaching wurden die ersten Ideen für eigene Songs konkretisiert, Songstrukturen und Texte ausprobiert und grundlegende Spielweisen geklärt. „Ich erinnere mich noch, dass Theo, der Jüngste der Band, damals noch so kleine Hände hatte, dass das Greifen und Spielen der dicken Basssaiten eine physische Hochleistung darstellte“, sagt Schlechtriemen. Mittlerweile habe er sich am Instrument enorm entwickelt.
Gemeinsam mit ihrem Coach haben die Rock Chillies zunächst überlegt, was ein Textthema für den Song sein könnte. Dann wurden Harmonien, Gitarrenriffs und Grooves aufeinander abgestimmt. Im Laufe wurden die Kompositionen komplexer, teilweise mussten die kleinen Musiker wochenlang üben, um die Songs überhaupt spielen zu können. „Aber so hat sich jeder an seinem Instrument auch rasant weiterentwickelt“, berichtet Schlechtriemen.
Ein Vorbildprojekt
Die Idee, ein eigenes Album zu produzieren, entstand schon vor den Coronajahren. Zwar hatte die Band bereits einige Auftritte hinter sich, aber Studio-Aufnahmen verändern die Selbstwahrnehmung noch einmal: „Ob jemand einen falschen Ton spielt oder rhythmisch daneben ist – man hört plötzlich alles.“ Das könne zunächst ernüchternd sein, bringe aber eine weitere Perspektive und die Möglichkeit zur Verbesserung. Corona hatte dem Projekt vorerst „den Stecker gezogen“. Die Zeit verging und Sänger Till kam mehr und mehr in den Stimmbruch. Im Studio hat jetzt sein Bruder Theo die hohen Passagen eingesungen. „Till singt eine Oktave darunter, woraus eine wunderbare Lösung entstanden ist“, freut sich Schlechtriemen.
Acht eigene Songs haben die Rock Chillies aufgenommen. „Meine Vision eines Kinderrockalbums mit selbstgeschriebenen Songs, guten, witzigen Texten, eingängigen Refrains, gepaart mit dem Schmutz und der Energie eines klassischen Rock-Trios (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang), sehe ich auch weiterhin als gut vermarktbar, da es in der Kinderliederwelt nicht viel in diesem Genre gibt. Vor allem nicht selbstgemacht und als echte Band“, sagt der Bandcoach dazu.
Das Album soll damit auch als Vorbild und Ermutigung für die Umsetzung kreativer, eigener Projektideen stehen. Schlechtriemen: „Die Rock Chillies haben einen unverfälschten eigenen Antrieb, Musik machen zu wollen, eigene Songs zu schreiben und das Dasein einer Rockband spielerisch, leidenschaftlich zu leben – frei von Zwängen oder Leistungsdruck.“ Und nebenbei entstehe dabei auch lokale Odenwälder Rockmusikgeschichte.
Gestärkte Persönlichkeiten
Jeder der jungen Musiker entdecke seine Kompetenzen, lerne in der Gruppe von den anderen, auf die anderen Menschen, die anderen Instrumente zu hören. „Nebenbei wird diese Band sicherlich auch noch in der Zukunft das Selbstbewusstsein ihrer drei jungen Mitglieder stärken, ihre Kreativität fördern und vielleicht auch ein Ventil für möglichen Frust oder Freude sein können“, ist sich der Coach sicher.
„Ich selbst habe als junger Mensch in meiner ersten Band beispielsweise über das Schreiben englischer Texte einiges an Englisch gelernt, was mir persönlich in der Schule immer schwerfiel. Ich habe plötzlich ständig in Wörterbüchern rumgeblättert und mir Wörter übersetzt oder interessant klingende englische Wörter für meine Texte gefunden“, erinnert er sich.
Und so habe er auch hier beobachtet, dass drei Kinder, die sich mit ihren Instrumenten bis zur Bandgründung nur relativ mäßig beschäftigt hatten, mittlerweile sowohl spielerisch enorme Fortschritte gemacht als auch eine starke Persönlichkeit entwickelt haben. „Mittlerweile treffen sich die Rock Chillies unabhängig von unserem regelmäßigen Bandcoaching-Treffen, was einmal die Woche in der Jugendmusikschule stattfindet, immer noch zu einer weiteren Probe im eigenen Familien-Probekeller-Raum“, berichtet Florian Schlechtriemen.
Die sehr spielfreudige Band hat schon eine Menge Live-Auftritte hinter sich. Und wer die Rock Chillies noch nicht live gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen.