Waldbegehung mit der Revierleiterin

So wird der Rimbacher Wald auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereitet

Revierleiterin und Pächter erläutern die forstwirtschaftlichen Maßnahmen im Rimbacher Gemeindewald. Ein Blick von den Wurzeln bis in die Kronen.

Den Wald im Blick: Bürgermeister Holger Schmitt, Revierleiterin Stefanie Dober und Jagdpächter Peter Wecht (von links). Foto: Ernst Lotz
Den Wald im Blick: Bürgermeister Holger Schmitt, Revierleiterin Stefanie Dober und Jagdpächter Peter Wecht (von links).

Rimbach. Die forstwirtschaftlichen Maßnahmen im Rimbacher Gemeindewald unterhalb der Tromm waren Thema einer öffentlichen Forstbegehung mit Revierleiterin Stefanie Dober und Jagdpächter Peter Wecht. Bürgermeister Holger Schmitt erklärte, dass der Weg direkt am Bachlauf von der Tränke in Richtung Litzel-Rimbach aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste, da die Uferböschung abrutscht.

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Ebenso mussten Bäume direkt am Rand eines beliebten, unter anderem von Schulen genutzten Wanderwegs gefällt werden – um die Sicherheit der Spaziergänger zu gewährleisten, wie Dober erklärte. Auch wenn es im letzten Jahr viel geregnet hat, war es dennoch zu warm, und die Bäume kämpften noch immer mit den Folgen der Dürreperioden der vergangenen Jahre.

„Sehen Sie, wie licht die Baumkronen geworden sind?“, lenkte die Leiterin des staatlichen Forstamtes die Blicke nach oben. „An ihnen kann man den Gesundheitszustand eines Baums ablesen; der Zustand des Waldes ist an vielen Orten sichtbar schlecht.“ Selbst jetzt fielen noch trockene Äste aus den Kronen herunter.

Buchen gehört die Zukunft

Zwar sähen die Buchen „fit, jung und gesund“ aus, „aber damit die Bäume wachsen können, brauchen sie Platz. Wir Förster schauen uns die jungen Bäume an und markieren sie, damit die Waldarbeiter wissen, welchen sie fällen sollen, damit ein anderer Platz zum Wachsen hat.“ Die Auswahl sei nicht mehr so einfach wie in früheren Jahren, aufgrund des Klimawandels mit langen Trockenperioden und intensiver Sonneneinwirkung wisse man oft nicht, wie sich die Bäume entwickeln. „Buchen sind Zukunftsbäume, aufgrund ihrer genetischen Vielfalt. Ihre Nachkommen sind in der Lage, sich an das warme, trockene Klima anzupassen“, so Dober.

Die hessischen Wälder bestehen zu 31 Prozent aus Buchen und zu jeweils 14 Prozent aus Eichen und anderen Laubbaumarten. In dem Stück Wald sahen die Besucher noch Eschen und Birken. Im hinteren Teil standen Fichten, die 22 Prozent des deutschen Waldes ausmachen, sowie Kiefern (10 Prozent) und sonstige Nadelhölzer (9 Prozent).

Es kam die Frage auf, warum unterhalb des Trommturms und auf der anderen Seite des Berges noch so viele Fichten stehen, obwohl der Laubwald gefördert werden sollte. Dober erklärte: „Da Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Geld an die Siegermächte zahlen musste, wurden ganze Hänge im Odenwald gerodet, um die Bäume zu verkaufen. Gleichzeitig brauchte man schnell wachsendes Bauholz, um Häuser zu bauen, und so wurden Fichten gepflanzt. “

Ein sicheres Dach braucht Zeit

Im 18. Jahrhundert wurden auch Buchen, Eichen und Birken gesetzt. Im Odenwald bestanden die Wälder zu 80 Prozent aus Laubbäumen. Viele von ihnen wurden aber bis zum Zweiten Weltkrieg zu Holzkohle verbrannt. Aus der Gruppe kam die Frage, ob man oben auf der Tromm, wo der Borkenkäfer ganze Fichtenwälder vernichtet hat, wieder aufforstet. „Wir haben neue Bäume gepflanzt, kleine Versuchsfelder angelegt – umzäunte Flächen –, um zu sehen, welche gut wachsen“, so die Antwort.

Seit den letzten Jahren setzt die starke Sonneneinstrahlung freistehenden Bäumen zu. Das passiert nicht nur in sonnigen Waldrandlagen, sondern auch an Straßen. Die Stämme werden gekalkt, um sie vor Sonnenbrand zu schützen. Ein Teilnehmer wollte wissen, ob nicht ein Wald, in dem ein Dach aus dichten Baumkronen besteht, der beste Schutz für junge Bäume wäre. Stefanie Dober dazu: „Ein Urwald, mit Baumkrone an Baumkrone, braucht rund 200 Jahre, um so zu wachsen – wenn das Klima mitspielt.“ Damit die jungen Bäume „kommunizieren“ können, fälle man sie nicht mehr direkt an der Wurzel, sondern einige Meter über dem Boden. So könnten unter der Erde die Pilzgeflechte miteinander in Kontakt bleiben.

Tümpel werden angelegt

Im Gemeindewald Rimbach werden manche Bachläufe zu kleinen Tümpeln ausgebaggert. Das hält die Feuchtigkeit im Wald. Die kleinen Wasserstellen sind voller Amphibien: Molche, Kröten, Frösche, Unken und Salamander finden dort Lebensraum. Drei ineinandergreifende Tümpel sollen im Boschwiesental entstehen. Die Gemeinde hat das einen Dreiviertelhektar große Grundstück von einem Privatmann gekauft. Die mit Fördermitteln vom Land Hessen angelegten Tümpel werden als Wasserrückhaltebecken dienen und Reservoir für trockene Sommer sein.

Im Verlauf des Waldrundgangs erfuhren die Teilnehmer, dass Bäume am Trommhang oft nicht vom Regen profitieren. „Er ist so steil, dass hier das Wasser schnell abfließt, ohne versickern zu können.“ Außerdem stehen die Bäume in dieser Lage praktisch auf Granit und haben mitunter nur 20 bis 30 Zentimeter Erdreich unter ihren Wurzeln – kaum genug, um ausreichend Wasser halten zu können. Tümpel helfen, Wasser und Leben im Waldboden zu erhalten.

Zu steil für Pferdegespanne

Auf manchen Waldwegen waren die Reifenspuren großer Holzfahrzeuge zu erkennen. Dort, wo Schotter und Granit aufliegen, ist das kein Problem. Doch auf Seitenwegen ohne festen Untergrund sorgen sie für tiefe Spuren. Im vergangenen Jahr wollte Revierleiterin Dober deshalb einen Holzrücker mit Pferden einsetzen. Deren Hufe verdichten den Boden nicht so stark. Allerdings ist das steile Gelände dafür nicht geeignet. „Wir haben erfahrene Forstarbeiter, die das mit einer Seilwinde und dem Traktor baum- und bodenschonend erledigen.“ Die gefällten Bäume werden nummeriert am Waldweg abgelegt. Bürger, die Festmeterholz aus dem Gemeindewald kaufen, erhalten die Nummer ihrer Stämme und können sie dann abholen.

Jagdpächter Peter Wecht bat noch einmal darum, Hunde an der Leine zu halten – wegen der Afrikanischen Schweinepest und der bevorstehenden Brut- und Setzzeit. Dober plant eine zweite Waldbegehung ab dem Parkplatz Tränke. Sie freute sich, dass schon wieder viele Bäume nachgewachsen sind.