"Dschungel-Feeling" in den Rimbacher Wäldern
Wie geht es der Natur nach dem regenreichen Winter und Frühjahr? Ein Streifzug durch die grüne Idylle mit Revierleiterin Stephanie Dober.
Es ist laut – das ist der erste Eindruck, wenn man am Waldparkplatz „Tränke“ aus dem Auto aussteigt; das Geräusch kommt vom Waldbach, der viel Wasser führt und an dieser Stelle mit einem neuen, kleinen Rinnsal zusammenläuft, das aus Richtung der Fuhrshöfe kommt.
„Es war im vergangenen Sommer noch nicht da“, bestätigt Revierleiterin Stephanie Dober, bevor sie zusammen mit der OZ aufbricht zu einer Tour durch den Wald bei Rimbach. „Die Sickerquellen führen gerade richtig viel Wasser“, fährt sie fort und geht damit auf die erste Frage ein, nämlich die nach dem Wasserhaushalt in der Natur. Es gibt dazu allerhand zu sagen, immer mit diesem Tenor: Der viele Regen der vergangenen Monate hat sich positiv ausgewirkt.
Neue alte Quellen
Überall sprudelt und fließt es, und auch die Waldarbeiter bestätigen diesen Eindruck. Dober zitiert Bernhard Fuhr, der seit 47 Jahren im Wald arbeitet: „Er hat einige Quellen wiederentdeckt, die er noch aus seiner Kindheit kannte.“
Und weil alles zusammenhängt, sieht man den Überfluss auch in der Vegetation: Die Baumkronen sind dichter als sonst, ihr Grün ist satter, und die Försterin hat beim Befahren der Waldwege regelmäßig ein „Dschungel-Feeling“. Gräser wachsen weit in die Fahrspur hinein und stehen hoch; immer wieder streifen Zweige das Dach des Fahrzeugs.
„Man spürt, dass es gerade richtig guttut“, bemerkt sie; allerdings gebe es Flächen, die von den Regengüssen nicht profitierten: „Das sieht man oft am Trommhang. Es ist so steil, dass hier das Wasser schnell abfließt, ohne versickern zu können.“ Außerdem stehen die Bäume in dieser Lage praktisch auf dem Granit, haben mitunter nur 20 bis 30 Zentimeter Erdreich und praktisch kaum „Wasserhaltekraft“.
Trotzdem: „Auch wenn es jetzt nicht mehr regnen sollte, sind wir bis August auf der sicheren Seite.“ Die Fachfrau denkt an 2017/18, eine Phase, in der sieben Monate ohne Regen auf einen nassen Winter folgten: „Bis August war das Wasser aufgebraucht.“ Seither habe es einige Hitzesommer gegeben mit Temperaturen bis 38 Grad.
Neue Tümpel im Wald
Nach einem steilen Anstieg geht es zum Boschwiesental; ein Stück abseits des Wegs öffnet sich eine Lichtung. Hier standen früher Fichten, die gefällt werden mussten, weil hier der Borkenkäfer sein Unwesen trieb. Bis 2023 gehörte die Fläche einem Privateigentümer. Dann kaufte die Gemeinde das dreiviertel Hektar große Land. Zwischen dem saftigen Grün zeigen sich gerade viele Fingerhüte in leuchtendem Violett, doch schon im kommenden Frühjahr dürfte es hier ganz anders aussehen.
Denn im Herbst soll an dieser Stelle ein großer Tümpel ausgebaggert werden. „Genauer gesagt sind es drei oder vier, die ineinander übergehen“, erklärt Dober. Gedacht sind die Teiche als Wasserrückhaltebecken und Reservoire für die trockenen Sommer, aber auch als Lebensraum für Amphibien. Seit dem vergangenen Jahr werden an verschiedenen Stellen im Wald kleinere und größere Wasserlöcher ausgehoben – finanziert mit Fördermitteln.
Manche liegen entlang der Wege, wo bestehende Gräben auf einer Länge um die zehn Meter verbreitert worden sind. Gespeist werden sie vom Wasser, das von den Abhängen herunterkommt. Es ist kristallklar und erlaubt den Blick bis auf den Grund.
Auf der Oberfläche huschen Wasserläufer, darunter zieht auch mal ein kleiner Molch vorbei, und dicke Kaulquappen suchen Deckung. Aus ihnen werden Frösche und Kröten – binnen kürzester Zeit haben die Amphibien die neuen Lebensräume in Besitz genommen.
Kein „Kahlschlag“
Am Schlangenweg hat man einen weiten Blick ins Tal; auf der Hangseite gibt es einige Baumstümpfe, wo alte Buchen gefällt wurden. Immer wieder ist der Forst wegen solcher Maßnahmen in der Kritik, sprechen die Menschen angesichts der großen Holzstapel von „Kahlschlag“. Doch Dober schüttelt den Kopf: „So etwas ist gar nicht erlaubt.“
Es gehe vielmehr um Verkehrssicherung und darum, nicht mehr standsichere oder kranke Exemplare zu fällen: „Wir ,zupfen’ jedes Jahr einzelne Bäume heraus.“ Sie deutet nach unten, wo unzählige junge Bäume dabei sind, ein dichtes Blätterdach zu bilden.
Der Anblick ist für Dober ein Symbol der Hoffnung: „Ob mit oder ohne Klimawandel, es kommt immer etwas nach, es tut sich ständig etwas.“ Sie sei nach den Hitzesommern recht deprimiert gewesen, doch dieses Bild macht sie zuversichtlich. Auch, was die Bewirtschaftung des Waldes betrifft: „Wir können hier nachhaltig wirtschaften.“ Leider komme bei vielen Menschen das Verständnis für Kreislaufwirtschaft abhanden – doch an dieser Stelle sorgt der Wald für seine eigene Naturverjüngung.
Das kann man auch anderswo sehen, doch zuvor gibt es noch ein besonders lebendiges Stück Wald zu bewundern: Hinter einem Haufen aus Ästen und vorjährigem Laub erhebt sich ein Ameisenhaufen von eindrucksvollen Dimensionen. „Sie sind rückläufig im Weschnitztal“, bedauert die Försterin, während sie dem Betrieb zuschaut, der an einen Großflughafen zur Ferienzeit erinnert. Auch die Ameisen haben unter der heißen Witterung zu leiden. Wo nämlich Fichtenschonungen verschwinden, gehen auch die Ameisen fort, erklärt Dober: „Denn die Tiere sind auf Fichten angewiesen.“ Weil sie bestimmte Blattläuse melken, die dort leben. In Weiher gebe es keine Ameisenhaufen mehr, dafür entdeckte sie unlängst einen in Mitlechtern.
Bald ist hier ein Mischwald
Die letzte Station ist auf Zotzenbacher Gemarkung und wirkt erst einmal nicht spektakulär: Eine weite Fläche, viele Brombeeren, am Rand ein Hochsitz. Hier helfen die Jäger beim Aufbau einer Naturverjüngung, erklärt Dober. Denn sie regulieren die Wildbestände, sodass die jungen Pflanzen nicht alle abgefressen werden. Wenn man ein paar Meter bergauf geht, kann man sich auch hier von der ständigen Entwicklung im Wald überzeugen.
Zwischen den dornigen Ranken kommen nämlich immer wieder kleine Bäumchen. Da gibt es Douglasien, Fichten, Buchen und Lärchen – und in einigen Jahren einen Mischwald. Weshalb die Försterin auch hier in ihrer Ansicht bestärkt wird: „Es geht alles weiter.“