Wald-Michelbach

Sommerspiele kehren mit Erfolgsstück zurück

Theatergruppe überrascht im Jubiläumsjahr mit Neuinszenierung eines Erfolgsstücks. Dabei kehren sie auf den Platz „Zwischen den Kirchen“.

Der Raubacher Jockel, wie er in der Vorstellung der Menschen gelebt hat; hier gespielt von Helmut Kadel im Jahr 2015 auf der Tromm. Foto: Fritz Kopetzky
Der Raubacher Jockel, wie er in der Vorstellung der Menschen gelebt hat; hier gespielt von Helmut Kadel im Jahr 2015 auf der Tromm.

Die Sommerspiele Überwald mit dem Regie-Duo Jürgen Flügge und Danilo Fioriti und bis zu 30 Mitwirkenden aller Generationen überraschen 2024 mit einer Neuinszenierung des „Raubacher Jockel“. Es war im Jahr 2015 eines ihrer Erfolgsstücke.

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Die Rückkehr des Stücks hat viele Gründe: Es ist das 15. Jubiläumsjahr der Sommerspiele und den „Raubacher Jockel“ haben sie noch nie in Wald-Michelbach auf ihrer Stammbühne, dem Platz „Zwischen den Kirchen“, gespielt. Damals wurde das kleine Amphitheater umgebaut.

Der Legende auf der Spur

Noch heute ranken sich Geschichten und Legenden um seine Person. In Wald-Michelbach wurde ihm in der Ludwigstraße vor der Sparkasse ein Bronzedenkmal gesetzt. Es zeigt ihn in typischer Pose, die Ziehharmonika in der Hand, den Odenwälder Dreispitz auf dem Kopf, verschmitzt lächelnd. Das Motiv stammt aus einer Amateuraufnahme von Franz Großmann aus dem Jahr 1925, die den Jockel auf dem Gassebrunnen in Wald-Michelbach sitzend zeigt.

Er war Waldarbeiter, Köhler, Uhrmacher, Totengräber, Gemeindediener, Knecht und Musiker bei allen dörflichen Festen. Er spielte mehrere Instrumente und war für seine Schlagfertigkeit bekannt. Der Raubacher Jockel wurde 1866 als Jakob Ihrig in ebendiesem Raubach (heute westlichster Stadtteil der neu gegründeten Stadt Oberzent) geboren. 1941 starb er und liegt auf dem Raubacher Friedhof begraben.

Dorthin pilgerte die Theatergruppe vor der Premiere 2015 mit Kind und Kegel bei einer Waldwanderung von Olfen aus. Das gehört zur ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Stoff, den sie spielen, zur Recherche vor Ort.

Regionale Geschichte aufgreifen

Schließlich geht es bei den Sommerspielen immer auch um regionale Geschichte, um regionale Persönlichkeiten, um Sagen und Mythen aus dem Odenwald, vom Räuberhauptmann Hölzerlips bis zum Rodensteiner, um neue und alte Liebesgeschichten, um das Tourismusproblem vom „Land, wo der Kochkäs fließt“ bis zur unbewältigten Geschichte wie im „Partisanenhaus“. Von Jahr zu Jahr wird das Ensemble unter der Leitung des Theatermachers Jürgen Flügge und des Theaterwissenschaftlers Danilo Fioriti professioneller.

Autor aller Stücke des Ensembles nach historischen Vorlagen, mündlichen Überlieferungen, viel eigener Recherche und mit viel Kreativität ist Danilo Fioriti. Fioriti ist derzeit an anderen Bühnen in Deutschland beschäftigt, „und das ist auch gut so“, freut sich Anja Hahn vom Vorstand der Sommerspiele und Mitwirkende im Schauspiel. Sie spielte 2015 die Zarin aus dem Darmstädter Fürstenhaus, dem Raubach die Schule und Affolterbach die Jugendstilkirche verdanken.

Fioriti kann weitgehend auf das Buch zurückgreifen, das er einst entworfen hat. Doch schon damals war seine Kreativität gefragt: „Auch wenn die Lieder und Geschichten des Raubacher Jockels heute noch erzählt werden, liegt vieles über sein Leben im Dunkeln. Wie könnte es ausgesehen haben? Welche Erlebnisse haben es geprägt? Wen hat er geliebt, wen gehasst? Und vor allem: Wie wurde er zu der Legende, die er bis heute ist? Unsere größtenteils fiktive Geschichte erzählt keine Wahrheiten, sondern wie es gewesen sein könnte“, sagt Fioriti.

Neues und Gleiches

Einiges muss sich für die Neuinszenierung ändern. Einige Mitglieder sind gestorben, andere sind hinzugekommen. Und die neue Spielstätte auf dem Platz „Zwischen den Kirchen“ erfordert ein größeres Bühnenbild als das Hoftheater auf der Tromm.

Andere Dinge sind sicher: Die Aufführungstermine, exklusiv auf dem Platz „Zwischen den Kirchen“ in Wald-Michelbach, stehen fest. Die Rolle des Raubacher Jockels wird wieder Helmut Kadel übernehmen: Keiner kann das wie er, allein schon wegen seiner instrumentalen Begabung, wie der Jockel eben.

Hier gibt es Karten

Die Aufführungen finden ausschließlich auf dem Platz „Zwischen den Kirchen“ statt.

  • 1. Spielwochenende: Freitag, 9. August, und Samstag, 10. August, jeweils um 20 Uhr.
  • 2. Spielwochenende: Freitag, 23. August, 20 Uhr, Samstag, 24. August, 20 Uhr und Sonntag, 25. August, 19 Uhr.
  • 3. Spielwochenende: Freitag, 30. August, und Samstag,31. August, jeweils um 20 Uhr.
  • Gutscheine bei: Zukunftsoffensive Überwald auf dem Platz vor dem Einhaus, In der Gass 14b, in Wald-Michelbach
  • Ansprechpartner: Eva Sattler und Sebastian Schröder 06207/94240; Brigitte Fioriti 06207/5903.