Sonja Mattes wird neue Dekanin
Dekan Arno Kreh wird in den Ruhestand versetzt und seine Nachfolgerin als neue Dekanin des Evangelischen Dekanats Bergstraße eingeführt.
„Sie waren nun ein Lied lang ohne Dekan oder vielmehr Dekanin“, wendete Propst Stephan Arras sich scherzend an die Gottesdienstbesucher in der Lampertheimer Domkirche. Er spielte auf die kurze Zeitspanne an, die zwischen der Entpflichtung von Arno Kreh und der Einführung von Sonja Mattes vergangen war, und in der die Gemeinde beiden Pfarrpersonen mit dem Lied „In deinen Händen steht die Zeit“ musikalisch zugesprochen hatte, dass sie bei Gott geborgen sind. Mehr als 300 Menschen waren am Freitagabend in das Gotteshaus der evangelischen Lukasgemeinde gekommen, um beim Wechsel im Dekane-Amt des Evangelischen Dekanats Bergstraße dabei zu sein.
Der 66-jährige Arno Kreh wurde nach zehn Jahren an der Spitze des Dekanats beziehungsweise nach rund 40 Jahren als Pfarrer in Diensten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) von seinen Amtspflichten entbunden; die 47-jährige Sonja Mattes, zuletzt Referentin für Theologische Ausbildung der EKHN, wurde in ihr Amt als neue Dekanin eingeführt. Vor dem offiziellen Amtswechsel ging Pfarrer Stephan Arras, Propst der Propstei Starkenburg, der Frage nach, was denn einen „guten“ beziehungsweise „klugen Dekan“ ausmache, wie es in der Mitteilung des Evangelischen Dekanats Bergstraße heißt.
„Ein kluger Dekan lässt Vielfalt zu“
Der Seelsorger griff dazu auf ein biblisches Gleichnis zurück, bei dem ein Bauer die Saat ausbringt, doch nur wenig davon trägt Früchte – felsiger Boden, Dornengestrüpp und hungrige Vögel vernichten den größten Teil. Wer nun allerdings meine, der Bauer hätte halt bei der Aussaat besser aufpassen müssen, dem widersprach Arras: Weil nicht vorhersehbar sei, wo die gute Nachricht Wirkung zeige – das schwierige Terrain der Kirche heute sei durchaus vergleichbar mit dem kargen Ackerland im Land Palästina zur Zeit Jesu – müsse man es mit der „Aussaat“ überall versuchen. „Was Früchte trägt, das wissen wir nicht“, so Arras, „wir können es nur durch Ausprobieren herausfinden.“
Eben das mache einen „guten Dekan“ aus, schlussfolgerte Arras und zollte dem scheidenden Amtsinhaber Kreh Lob und Respekt: „Ein kluger Dekan lässt Vielfalt zu, ermutigt zum Experimentieren, ist nicht gesetzlich.“ Genau so habe Kreh gehandelt, nannte der Propst beispielhaft die in dessen Amtszeit eingeführten und erfolgreichen Bergsträßer Tauffeste, bei denen 50 Täuflinge gesegnet werden und mehr als tausend Menschen mitfeiern.
"Genau hinsehen, was der Sache dient"
Vor seiner Entpflichtung wendete sich auch der scheidende Kreh an die Gemeinde und ermutigte die Menschen mit der Jahreslosung aus dem Jahr 1984, seinem „Examensjahr“, in die Gesellschaft und in die Politik, aber eben auch in die Kirche hinein zu wirken: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Timotheus 1,6-7). Vor allem Besonnenheit tue not: „Das bedeutet, genau hinzusehen, was der Sache dient.“ Bei seiner Arbeit als Pfarrer und Dekan habe er immer wieder „besonnene Menschen“ getroffen, sagte Kreh und zeigte sich zuversichtlich: „Der Geist der Liebe wirkt schon – und es ist ein Geist gegen die Verzagtheit.“
An der anschließenden Entpflichtung von Kreh durch Propst Stephan Arras wirkten Pfarrer i.R. Dietmar Volke (Kranichstein), Pfarrerin Ute Riegas-Chaikowski (Leitende Theologin und Vorstand der Diakonie Friedenshorst) sowie Ute Gölz (Präses des Dekanats Bergstraße) mit. Sodann folgte die Einführung von Sonja Mattes als Dekanin durch Propst Arras; daran wirkten Hannah Ferber (Vorsitzende der Evangelischen Jugend im Dekanat), Volker Knöll (Geschäftsführer der Regionalen Diakonie in Hessen und Nassau) sowie Schwester Regina Neidhart (Christusträger-Schwesternschaft) mit.
„Veränderung gestalten“
Mattes stellte das Thema „Veränderung“ in den Mittelpunkt ihrer Ansprache: „Ich freue mich darauf, mit Ihnen gemeinsam Veränderung zu gestalten.“ Kraft dazu gebe ihr das Bibelwort, mit dem auch die Einladungskarte für den Wechsel im Dekane-Amt versehen wurde, „meinem Konfirmationsspruch“: „Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!“ (Josua 1,9). Im Vertrauen auf diese Zusage gelte es, „Menschen miteinander zu verbinden – das erwartet die Gesellschaft von uns“. Dazu wolle sie mit „Kirchennahen und auch denen, die Kirche kritisieren“ zusammenarbeiten. Es gelte, „Verbündete zu finden und Pläne zu schmieden“ und vor allem „miteinander zu reden, damit wir als Gemeinschaft beieinanderbleiben“.
Pfarrerin Silke Bienhaus, Dekanin in Stellvertretung, schloss Kreh und Mattes in ihr Fürbittengebet ein; die neue Dekanin beschloss den Festgottesdienst mit dem Segen. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Heike Ittmann (musikalische Leitung und Orgelspiel), den Trompetern Falk Zimmermann, Tobias Blecher und Alex Petry, Heidi Merz an der Pauke, dem Chor der Bergsträßer Kantoren sowie der Dekanatsjugendband unter Leitung von Jugendreferent Bruno Ehret.
Grußworte bei Empfang
An den Festgottesdienst schloss sich ein Empfang in der Lampertheimer Notkirche an. Bei diesem bescheinigte Landrat Christian Engelhardt Kreh einen „klaren Blick und klare Worte“. Engelhardt dankte Kreh für dessen „Menschlichkeit und den großen Einsatz in herausfordernden Zeiten“. Die gute Zusammenarbeit werde er nun mit Mattes fortsetzen, versicherte Engelhardt, und begrüßte die neue Dekanin „im schönsten Landkreis Hessens“: „Ihre Gemeindemitglieder sind unsere Bürger – wir haben gemeinsam viel zu tun.“ Pfarrer Thomas Meurer, Leiter des Katholischen Pastoralraums Heppenheim, würdigte die Amtszeit von Kreh unter dem Beifall des Publikums als „eine gute Zeit für die Ökumene“.
Die „guten Wege“, die man mit Kreh beschritten habe, will auch der Kirchenkreis Eisleben-Sömerda mit Mattes weiter beschreiten, sagte Andreas Berger. Der Superintendent des ostdeutschen Partner-Dekanats war angereist, um Kreh dafür zu danken, „dass wir viel voneinander gelernt haben“. Tobias Lauer, zweiter Geschäftsführer in der Regionalen Diakonie Hessen-Nassau, schrieb Kreh ins Stammbuch, er habe seinen „Beruf aus Berufung ausgeübt“. Joachim Meyer, Dekan des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald und Sprecher der Dekaninnen und Dekane in der Propstei Starkenburg, würdigte Kreh als „Brückenbauer“ zu Verbänden und Kommunen. Die neue Dekanin hieß er herzlich willkommen: „Wir wollen dir den Rücken stärken“, wie es die „drei Musketiere“ tun: „Einer für alle, alle für einen.“