Kreis Bergstraße

Starker Gründergeist im Kreis Bergstraße

Zahl der Gewerbeanmeldungen steigt, Arbeitslosenquote liegt im Landkreis im Juni bei 4,3 Prozent.

Auch dank einer starken Gründerszene, die von der Gründungsoffensive der Bergsträßer Wirtschaftsförderung unterstützt wird, bleiben die Arbeitslosenzahlen im Kreis Bergstraße auf einem niedrigen Niveau. Foto: Thomas Neu
Auch dank einer starken Gründerszene, die von der Gründungsoffensive der Bergsträßer Wirtschaftsförderung unterstützt wird, bleiben die Arbeitslosenzahlen im Kreis Bergstraße auf einem niedrigen Niveau.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben viele Selbstständige besonders getroffen. Das hatte auch Auswirkungen auf die Gründungstätigkeit: 2020, im ersten Jahr der Pandemie, gab es bundesweit laut dem Statistischen Bundesamt 4,5 Prozent weniger Neugründungen von größeren Betrieben als noch im Vorjahr. Bei neu gegründeten Kleinunternehmen war der Rückgang 2020 noch stärker (minus 17,3 Prozent), erklärt das Landratsamt in einer Pressemitteilung zur Lage des Arbeitsmarkts im Kreis Bergtraße.

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Doch seitdem steigen demnach die Zahlen wieder: Die guten Prognosen für die Gründungstätigkeit für das Jahr 2021 und 2022 haben sich für Hessen – auch bedingt durch die Erwartungen von einigen coronabedingt verschobenen Gründungen – laut der Zahlen des Gründerreports des hessischen Industrie- und Handelskammertages bewahrheitet. Im Bezirk der IHK Darmstadt, zu der auch der Kreis Bergstraße zählt, gab es im vergangenen Jahr 10 500 Neuanmeldungen von Gewerben, hessenweit waren es 61 300, so viele wie seit 2016 nicht mehr. Durch die Erfahrungen der Corona-Pandemie waren 2021 und 2022 auch deutlich mehr Gründungen digital und internetbasiert.

Platz drei im Ranking

In Deutschland ist Hessen bei der Gründungsneigung insgesamt betrachtet laut NUI-Indikator (Institut für Mittelstandsforschung Bonn, Stand 2021) das stärkste Flächenland bei der Gründungsneigung hinter den Stadtstaaten Berlin und Hamburg und rangiert auf Platz drei des Rankings. Der NUI-Indikator beziffert, wie viele Gewerbebetriebe pro 10 000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter in einer Region im entsprechenden Jahr neu angemeldet wurden. Nicht nur das Rhein-Main-Gebiet weist im Vergleich eine sehr hohe Gründungsneigung auf, sondern auch die umliegenden Flächenlandkreise, zu denen auch der Landkreis Bergstraße gehört. Der Kreis findet sich in diesem Ranking auf einem hervorragenden Rang 60 (von insgesamt 401 Landkreisen, Kreisen und kreisfreien Städten) wieder, was „die sehr guten Bedingungen für Neugründungen hier vor Ort untermauert“, hebt das Landratsamt hervor.

„Der hohe Innovationsgeist und der Gründermut sind wichtige Stärken unseres Kreises. Das ist umso bemerkenswerter angesichts der vielen Herausforderungen, denen sich gerade Selbstständige in der Pandemie gegenübersahen. Die Neugründungen von heute sorgen für unseren wirtschaftlichen Wohlstand von morgen. Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Bergstraße ist es als Kreis unsere Aufgabe, möglichst gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Hierzu zählen neben entsprechenden Beratungsangeboten, auch Standortfaktoren wie eine starke digitale Infrastruktur“, erklärt Landrat Christian Engelhardt.

Nicht nur der NUI-Indikator, sondern auch die Beratungsnachfrage ist hier ein wichtiger Indikator: Nach der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Existenzgründungsberatung bei der Wirtschaftsförderung – trotz aller weiterer Einflüsse auf die wirtschaftliche Lage - wieder auf das sehr gute Niveau vor 2019 mit mehr als 200 Beratungen pro Jahr zurückgekehrt.

Immer noch großen Bedarf gibt es laut Landratsamt beim Thema Unternehmensnachfolge. Bis Ende des Jahres 2026 stehen laut dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) bundesweit rund 190 000 Unternehmen mit drei Millionen Beschäftigten vor einer Übergabe im Rahmen einer Unternehmensnachfolge. Auch deshalb sind Unternehmensnachfolgen beim Gründungswettbewerb der Gründungsoffensive Bergstraße-Odenwald mit in der Zielgruppe der Existenzgründungen miteingeschlossen.

Außerdem bietet die Bergsträßer Wirtschaftsförderung immer wieder auch spezifische Angebote wie zum Beispiel die Veranstaltung „walk&talk“ für Gründerinnen und Unternehmerinnen, deren Start der Selbstständigkeit maximal fünf Jahre zurückliegt oder auch die „Roadshow Unternehmensnachfolge“.

Die zahlreichen Unternehmensgründungen sind demnach eine von vielen Ursachen dafür, dass sich die Arbeitslosenzahlen im Kreis auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau befinden: Im Juni waren im Landkreis Bergstraße 6409 Personen (Vormonat: 6334) arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen um 75 Personen (+ 1,2 Prozent) gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (Bestand: 5222) stieg die Arbeitslosenzahl um 1187 Personen (+ 22,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen lag bei 4,3 Prozent. Im Vorjahr waren es 3,5 Prozent. Zum Vergleich: Für Hessen insgesamt liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 5,1 Prozent, deutschlandweit bei 5,5 Prozent, so das Landratsamt.

Blick auf Südhessen

„Im Agenturbezirk Darmstadt ist die Arbeitslosigkeit im Juni saisonuntypisch leicht angestiegen. Grund dafür ist der weiterhin erhöhte Zugang von Flüchtlingen aus der Ukraine in den Jobcentern und die schwächelnde Wirtschaftslage“, erklärt Birgit Förster, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Darmstadt.

Der Bestand an Arbeitsstellen bewegt sich zwar ihren Angaben zufolge nach wie vor auf hohem Niveau, aber die Nachfrage geht weiterhin zurück. „Trotz Konjunkturschwäche fehlen Fachkräfte und deren Akquise wird zu einem immer größer werdenden Problem. Allein um frei werdende Stellen neu zu besetzen, fehlt vielerorts der nötige Nachwuchs“, führt sie aus.

Die südhessischen Betriebe und Verwaltungen meldeten im Juni 1005 neu zu besetzende sozialversicherungspflichtige Stellen; 108 (- 9,7 Prozent) weniger im Vergleich zum Vormonat und 326

(- 24,5 Prozent) weniger als im Vorjahresmonat. Insgesamt waren im Juni 6521 offene Stellen im Bestand, also 76 (- 1,2 Prozent) weniger als noch vor einem Monat und 969 (- 12,9 Prozent) weniger als vor einem Jahr.

Die Zahl der Bewerber, die für den Herbst 2023 eine duale Ausbildung anstreben und sich von Oktober 2022 bis Juni 2023 bei der Ausbildungsvermittlung gemeldet haben, ist mit 3724 Personen um 285 im Vorjahresvergleich gestiegen (+ 8,3 Prozent). Die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen ist im Vorjahresvergleich gesunken und zwar um 44 auf 3798 (- 1,1 Prozent).