Kultur und Freizeit

„Das bricht mir das Genick“ - Steht die Live Music Hall in Weiher vor dem Aus?

Kleine Veranstaltungslocations geraten zunehmend unter Druck. Das spürt auch Carsten Piwko, Inhaber der "Live Music Hall". Er sieht nur eine letzte Rettung, sonst muss er schließen.

Die Live Music Hall in Weiher kämpft ums Überleben. Inhaber Carsten Piwko sieht nur noch eine Vereinsgründung als Ausweg und hofft auf Unterstützer. Foto: Fritz Kopetzky
Die Live Music Hall in Weiher kämpft ums Überleben. Inhaber Carsten Piwko sieht nur noch eine Vereinsgründung als Ausweg und hofft auf Unterstützer.

Mörlenbach. Die Idee hatte Carsten Piwko vor einiger Zeit schon einmal. Dann kam aber die Corona-Pandemie. Jetzt ist der Betreiber der Live Music Hall im Mörlenbacher Ortsteil Weiher wieder am gleichen Punkt angelangt: Die Veranstaltungslocation muss breiter aufgestellt werden, sonst wird es sie im kommenden Jahr nicht mehr geben. Das macht er klar und deutlich, denn schon für den Sommer sieht er ziemlich schwarz.

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Bestimmte Dinge haben sich nach Corona bis jetzt immer noch gehalten, bedauert Piwko: Gerade bei kleineren Events läuft der Vorverkauf meistens schlecht. Weder die Bands noch er können kalkulieren, wie viele Gäste letztendlich an einem Abend kommen werden. Auf dem Land müssen außerdem die Preise stimmen.

Sind bei den Superstars Preise von 100 Euro aufwärts für ein Ticket inzwischen gang und gäbe, zucken die Fans zurück, wenn in kleineren Veranstaltungssälen die Karten 20 Euro und mehr kosten. Piwko weiß das und hat bereits mehrfach das Thema angestoßen, unter anderem mit einem großen Konzert im Bürgerhaus Mörlenbach.

Viele äußere Einflüsse

Andererseits sind ihm durch äußere Einflüsse die Hände gebunden. Das Problem: Um kostendeckend zu arbeiten, muss mehr verlangt werden. Denn vieles rund um die Konzerte ist teurer geworden. Das fängt beim Personal an, denn die Fachleute sind nicht mehr einfach zu bekommen. Bei der Technik geht es weiter, denn die Preise fürs Veranstaltungsequipment sind ebenfalls in die Höhe geschnellt.

Wenn das Nordlicht im Odenwald – Piwko kommt passenderweise aus der Metalhochburg Wacken – den Konzertbetrieb ganzjährig aufrechterhalten könnte, würde es vielleicht noch irgendwie funktionieren. Doch er muss im Sommer eine dreimonatige Pause einlegen, weil durch die vielen Open-Air-Festivals keine Gäste in seinen Indoor-Club kommen. „Das bricht mir das Genick“, sagt er.

Als „letzte Instanz“ bezeichnet er deshalb eine Vereinsgründung so schnell wie möglich, um über den Sommer zu kommen. Denn die Entscheidung, im kommenden Jahr aufzuhören, ist eigentlich schon getroffen. Mit einem gemeinnützigen Verein könnten öffentliche Gelder und Beiträge generiert werden.

Akquise von Sponsoren

Mit der Akquise von Sponsoren sieht er eine zusätzliche Möglichkeit, die tote Zeit zu überleben. Damit ließe sich alles auf mehr Schultern verteilen. „Sonst werde ich das nicht schaffen“, sagt er. Entweder es wird eine neue Basis gefunden „oder wir lassen es“, betont Piwko.

Drei Monate ohne Business im Sommer „sind Selbstmord“. Generell sieht er die Kultur gerade in kleineren Locations vor dem Kollaps. Denn diese können nicht wie größere, vielleicht zusätzlich in den Städten, Preise anheben – und diese werden dann auch gezahlt. Daneben haben Säle wie in Bensheim oder Mannheim einfach einen größeren Einzugsradius.

Bis auf eine Ausnahme, den Bandsupporter-Contest am Samstag, 8. Februar, mit „Pizza Hawai“, „Best before Now“, „Pilots not Flying“ und „Dammy Phantom“, veranstaltet Piwko in den kommenden Wochen lediglich „schweren Metalkram“, wie er es selbst nennt. Das Gute für ihn dabei: Die Szene für diese Konzerte ist relativ groß, die Fans kommen auch von weiter her nach Weiher und füllen den Saal.

Carsten Piwko ist wegen einer Vereinsgründung unter Telefon 0170/7379283 erreichbar.

Infos zur Live Music Hall in Weiher im Internet auf der Website.