Ortskern wird umgestaltet: Spa und Wellness, Wein und Brot
Studenten der SRH Hochschule stellen Entwürfe für die Erneuerung des Ortskerns in Wald-Michelbach vor. Die drei besten Ideen werden prämiert.
Spa und Wellness, Wein und Brot, Werkstatt für Kreative, Eventscheune oder doch eher ein Ärztezentrum in der „Gass“ – das sind nur einige der Ideen, die Studenten der SRH Hochschule in Heidelberg am Donnerstag für den historischen Ortskern von Wald-Michelbach vorstellten. Die drei besten Entwürfe wurden im Rathaus von einer Jury ausgezeichnet.
„Architektonisch auflösen“
Was hat das mit der Prämierung auf sich? – Im Dezember hat die Gemeinde Wald-Michelbach das Haus „In der Gass 18“ gekauft. Es war nicht die erste Kaufentscheidung: Durch kontinuierlichen Ankauf ist inzwischen „ein Gebäuderiegel zusammengekommen, der jetzt architektonisch aufgelöst werden soll“, erklärt Gerold Preinfalk vom Bauamt vor der Preisverleihung im Gespräch mit der WNOZ-Redaktion. Eine externe Begutachtung solle aufzeigen, welches Potenzial in den Objekten steckt. „Wo können wir Raum gewinnen, wo Plätze generieren, die wir vorher nicht gesehen haben? Wir sind betriebsblind, der Blick von außen soll uns helfen herauszufinden, wo wir den Hebel ansetzen können und wo der Mehrwert für die Gemeinde steckt.“
Bei Mehrwert denkt Preinfalk besonders an die jungen Bürger der Gemeinde. Die Frage ist: Wie sieht die Gass der Zukunft auf? Da sind frische Idee gefragt. So kam auch der Kontakt zu den Fachbereichen Architektur und Facility Management der SHR Hochschule zustande.
„Wald-Michelbach braucht ein Spa“
Aufgabe war es, ein Gesamtkonzept für den Häuserkomplex zu entwickeln. Die Studenten wurden in neun Gruppen eingeteilt und hatten zehn Wochen für ihre Entwurfsplanung Zeit. Dafür waren sie mehrmals vor Ort, haben Drohnenaufnahmen gemacht, um sich erst einmal einen Überblick darüber zu verschaffen, wie die Gebäude angeordnet sind, wo man Durchbrüche schaffen kann, um neue Verbindungen herzustellen. Dazu gehörte auch, eine Nutzwertanalyse zu erstellen. „Wald-Michelbach braucht ein Spa“, davon ist Cem Eren Polat überzeugt. Er stellte den Entwurf seiner Projektgruppe vor, die das Tourismusangebot ausbauen möchte. Dafür sollen im Erdgeschoss des Fachwerkhauses ein Spa- und Wellnessangebot, im Obergeschoss fünf Ferienwohnungen entstehen. Die Gebäude sind laut Entwurf durch Brücken verbunden und ein Mehrgenerationenpark dahinter eingezeichnet. Das „ganzheitliche Gesundheitskonzept“ will sowohl die Bürger als auch Touristen anziehen.
Dem Ärztemangel begegnen möchte der Entwurf „Gesundheitszentrum“ in den Gebäuden 14, 16 und 18. Dafür müsse allerdings das Rathaus umgesiedelt werden.
Alina Sterzer ist im Team „Teewerk & Eventscheuer“, und das stellt sich das Fachwerkhaus mit Wintergarten und Außenterrasse vor. Die junge Architekturstudentin steht kurz vor ihrer Bachelorarbeit und findet es „spannend“, ihren Entwurf aushängen zu dürfen: „Es ist schon beeindruckend, wie viele Ideen in der kurzen Zeit zustande gekommen sind.“
Das findet auch Bürgermeister Dr. Sascha Weber. Er lobte die Arbeiten vor der Preisverleihung. Aus seiner Sicht sind realistische, aber auch gewagte Entwürfe dabei. Allen inklusive steckt die Herausforderung, Denkmalschutz, moderne Architektur und nachhaltige Nutzung der Objekte zusammenzuführen.
Die drei besten Entwürfe:
Platz 1 (1000 Euro Preisgeld): Originalgetreue Sanierung des Fachwerkhauses und Umwandlung in eine zweistöckige Gemeinschaftswerkstatt mit Wintergarten und barrierefreiem Zugang, Gemeinschaftsgarten und Hofladen. Der Entwurf „schafft eine lebendige Ortsmitte, stärkt den Zusammenhalt und verbessert die Lebensqualität“, so die Gruppe zu ihrem Entwurf.
Platz 2 (800 Euro Preisgeld): Ein Gesundheitszentrum für ein „umfassendes medizinisches Gesundheitsangebot“. Angedacht sind fünf Arztpraxen, Physio- und Ergotherapie sowie eine Apotheke.
Platz 3 (600 Euro Preisgeld): Wein & Brot: „Die Leitidee lag in der Verzahnung der denkmalgeschützten Objekte durch das Aufgreifen des Mottos“, so die Gruppe. Den Entwurf sieht vor, das Haus 18 als Vinothek umzuwandeln, die angrenzende Scheune soll Eventlocation werden.
Fachwerkhaus ist sanierungsbedürftig
Das Gebäude „In der Gass 18“ liegt genau gegenüber vom Rathaus, also im historischen Ortskern, der Bachlauf plätschert direkt am Haus vorbei, was das Gebäude auch aus touristischer Sicht attraktiv macht. Doch ist die Fachwerkfassade in schlechtem Zustand. Der Putz zwischen den Gefachen bröckelt. An einigen Stellen wurde es notdürftig geflickt. Auch die Farbe an den Balken ist rissig, das Holz darunter der Witterung ausgesetzt. Wie es innen aussieht, ist wegen des Mietverhältnisses noch unklar. Die Bestandsaufnahme steht aus. Aber klar ist: Das Haus muss saniert werden. Für Preinfalk relevant ist, wie viel von der Substanz erhalten bleiben kann. Denn: „Das Worst-Case-Szenario wäre für uns, wenn wir nicht viel davon retten können“, zumal die Entsorgung von Bauschutt und Sonderabfall kostenintensiv ist.
Denkmalschutz sitzt mit im Boot
Am Donnerstag war kein Vertreter der Denkmalschutzbehörde in Wald-Michelbach. Aber bei der Neugestaltung des gekauften Objektes sitzt der Denkmalschutz auf jeden Fall mit im Boot, weiß Preinfalk. Es geht ja nicht nur um das Fachwerkhaus allein, das ganze Ensemble ist denkmalgeschützt. „Darum ist das Vorhaben sehr heikel, an die Sache müssen wir mit viel Bedacht gehen.“ Einerseits sollte der Charakter des Gebäudes und die Substanz so weit wie möglich gewahrt bleiben, andererseits möchte die Gemeinde auch das Potenzial nutzen, das das Haus in dieser zentralen und idealen Lage bietet.
„Es geht uns um ein einheitliches Gesamtkonzept“, machte Preinfalk deutlich, keine punktuelle Lösung. Die SHR-Arbeiten seien deshalb ein Gedankenanstoß, erläuterte der Rathauschef. Eine Basis, an der man sich orientieren könne.