Sven Bassauer ist jetzt offiziell Bürgermeister von Abtsteinach
Warum Markus Röth (Bürgermeister Grasellenbach) dem neuen Abtsteinacher Rathauschef doch keine Boxhandschuhe zu Amtseinführung schenkte.
Abtsteinach. „Heute ist ein Tag, der mich tief bewegt. Ich bin voller Stolz, Demut und Dankbarkeit“, sagte Sven Bassauer am vergangenen Freitagabend, kurz nachdem er offiziell in sein Amt als Bürgermeister von Abtsteinach eingeführt wurde.
Mit dem Wunsch, bei einer Sitzung der Gemeindevertretung „im kleinen Rahmen“ ernannt, vereidigt und verpflichtet zu werden, sei er bereits in die Fußstapfen seiner Vorgängerin Angelika Beckenbach getreten, sagte die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Karin Oberle, schmunzelnd im Angesicht des vollgepackten Sitzungssaals. Denn zahlreiche Bürger, Verwaltungsmitarbeiter sowie Vertreter der Vereine und der Politik waren gekommen, um ihren neuen Rathauschef zu begrüßen.
„Ich bin mir sicher, dass du mit deinem Engagement und Einsatz die richtigen Weichen stellen wirst“, sagte Oberle in ihrer Ansprache. Zwar werde es herausfordernde Zeiten geben, jedoch könne er sich ebenso wie seine Vorgängerin auf die Verwaltungsmitarbeiter und die Gremien verlassen. „Wir glauben an deine Fähigkeiten und freuen uns auf die positive Entwicklung unserer Gemeinde unter deiner Führung“, fügte sie hinzu, bevor sie gemeinsam mit Bassauer die traditionelle Eidformel sprach und ihn per Handschlag verpflichtete. Die offizielle Ernennungsurkunde überreichte ihm der Erste Beigeordnete Alois Berbner.
Werte beibehalten
„Als ich vor zehn Jahren der Liebe wegen nach Abtsteinach gekommen bin, wusste ich: Das wird ein Neuanfang“, sagte Bassauer. „Von Anfang an habe ich mich hier zu Hause gefühlt.“ Es seien die Menschen, die die Gemeinde so besonders machen würden: „Hier kennt man sich und hier hilft man sich.“
Er dankte dem Ersten Beigeordneten Alois Berbner für das „große Engagement“ in den vergangenen Monaten sowie seinen Freunden und seiner Familie und vor allem seinem Mann Sascha Bassauer, auf dessen Rückhalt und Unterstützung er sich immer verlassen könne.
Bassauers Amtsvorgängerin Angelika Beckenbach habe die Gemeinde „mit Leidenschaft, Ausdauer und Herzblut“ über ihre Amtszeit hinaus geprägt und es sei ein „großes Geschenk“, darauf aufbauen zu können. Offenheit, Zusammenhalt, Vielfalt, Toleranz und Miteinander würden Abtsteinach ausmachen: „Jeder findet seinen Platz und bringt sich ein. Es macht uns stark, wenn wir nicht allein stehen.“ Er wolle nicht nur die Herausforderungen, sondern auch die Chancen sehen, denn „die besten Zeiten liegen noch vor uns“. Gemeinsam wolle er eine Zukunft formen, auf die man stolz sein kann. „Die Aufgabe ist groß, aber zusammen können wir alles erreichen“, sagte der frischgebackene Rathauschef.
Nicht ohne Seitenhiebe
Bassauers Amtskollege aus Grasellenbach, Markus Röth, hieß ihn mit gewohnt bissigem, satirischem Humor und nicht ohne Seitenhiebe auf die Kreis- und Landespolitik stellvertretend für den Überwald in der „verschworenen Gemeinschaft“ willkommen, die sich im Rahmen der formellen und informellen kommunalen Zusammenarbeit unterstützt – „oder die Messer wetzt, wenn es um Belastungen seitens des Kreises, des Landes oder des Bundes geht“, scherzte Röth mit einem Augenzwinkern. Denn: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, auch wenn dieses nicht immer auf Gehör stoße.
Mit dabei hatte er einige Verhaltensregeln für Bürger im Umgang mit dem neuen Bürgermeister, die die Gäste mehr als einmal zum Lachen brachten: So wüssten Bürgermeister beispielsweise alles, seien rund um die Uhr im Einsatz – auch wenn sie gerade den Wocheneinkauf auf dem Parkplatz des einschlägigen Supermarktes verladen – und am wichtigsten: Sie seien allmächtig. Neben diesen wertvollen Ratschlägen hatte Röth auch ein Beißholz als Antrittspräsent dabei: „Erst wollte ich ja Boxhandschuhe schenken, um die Durchsetzungsfähigkeit zu unterstützen. Aber dann dachte ich aus eigener Erfahrung, dass das Beißholz sinnvoller ist.“ Was folgte, war eine kleine Kostprobe des Bürokratie-Dschungels, den das kleine Holzstück durchlaufen hatte: vom klimaangepassten Waldmanagement über das Heizungsgesetz bis hin zum geldwerten Vorteil. Diese zahlreichen Einschränkungen seien „gar nicht arg übertrieben, sondern treffen bedauerlicherweise eigentlich auf den normalen Zustand unseres Daseins“.
Den Hut aufgesetzt
Im Namen der katholischen Kirchengemeinde gratulierte Alexander Rothermel. Die Kirche und das Rathaus würden nicht nur räumlich gegenüber liegen, sondern auch einen gemeinsamen Weg gehen, wobei beide gegenseitige Unterstützung bräuchten.
Landrat Christian Engelhardt hieß Bassauer in der „kommunalen Familie“ willkommen. Ein Bürgermeister sei ein „Mittelsmann, der viel bewegen“ könne, auch wenn die Aufgaben nicht einfach und die „Rahmenbedingungen eng gesteckt“ seien. Die kommunale Zusammenarbeit sei keine „Politik der lauten Töne, sondern eine Politik des Anpackens“.
Freudestrahlend gratulierte auch die Erste Kreisbeigeordnete und Amtsvorgängerin Angelika Beckenbach. „Es ist ein ganz besonderes Amt“, berichtete sie aus eigener Erfahrung. Aber er habe viele Mitstreiter: in der Verwaltung, in den Gremien, im Ehrenamt. Aus einem Korb zog sie augenzwinkernd die verschiedensten Willkommensgeschenke, die ihm den Einstieg erleichtern sollten, und setzte Bassauer – wenn es schon keine Amtskette gebe, die man weitergeben könnte – wortwörtlich „den Hut auf“.