Wegen wichtiger Änderung

Tafel in Rimbach sorgt für Unmut bei „Armutsrentnern“

Am 1. Februar hat die Ausgabestelle der Tafel in Rimbach eine grundlegende Änderung vorgenommen, die für ihre Kunden mehr Ausgaben bedeuten. Eine bedürftige Tafelnutzerin spricht anonym über eine „Ungerechtigkeit“ gegenüber Armutsrentnern.

In den letzten Jahren ging die Zahl der gespendeten Ware an die Tafel zurück. Foto: Fritz Kopetzky
In den letzten Jahren ging die Zahl der gespendeten Ware an die Tafel zurück.

Rimbach. Überschüssige Lebensmittel werden seit dem 15. Mai 2009 von der Tafel in Rimbach bei den regionalen Geschäften eingesammelt und an Bedürftige weitergegeben. Vor drei Wochen gab es eine Änderung in Sachen Ausgabeintervalle. Eine Tafelnutzerin äußert ihre Gedanken zur neuen Regelung, möchte aber anonym bleiben.

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Bisher war es möglich, als Tafelkunde jede zweite Woche an der Ausgabestelle einzukaufen – seit dem 1. Februar 2025 ist das nur noch alle drei Wochen möglich. „Weil sich in den letzten Jahren immer mehr Menschen, besonders Familien, angemeldet haben, ist unsere Warteliste gewachsen“, schreibt Dennis Kramer, Leitung der Diakonie Bergstraße, in einer Mitteilung. „Gleichzeitig bekommen wir leider immer weniger Lebensmittelspenden. Somit reicht es nicht, um alle an den Ausgabetagen zu versorgen.“ Durch die Änderung soll die Warteliste aufgelöst und der Aufnahmestopp beendet werden.

Alle drei Wochen ist zu wenig

Die anonyme Tafelnutzerin äußert gegenüber der WNOZ-Redaktion ihr Unverständnis. „Es soll immer mehr Produkte geben, aber bei uns im Wagen ist das nicht ersichtlich.“ Der Einkauf reiche gerade einmal für ein paar Tage und natürlich müsse sie auch darüber hinaus in herkömmlichen Geschäften einkaufen. Nun noch mehr als zuvor. Einerseits wegen der neuen Regelung zum Einkaufsrhythmus, andererseits ließen auch die Produkte immer mehr zu wünschen übrig. „Vieles kann man gar nicht mehr verwerten. Von übelriechendem Spinat in der Plastiktüte über verfaulte Kürbisse habe ich alles schon erleben müssen. Der Reis wird mit seinen löchrigen Beuteln in den dreckigen Einkaufswagen gelegt – das ist doch unhygienisch“, sagt die anonyme Rentnerin.

Die Annahme, dass es mehr Produkte gebe, stimmt nicht, sagt Kim Orzol, neuer Tafelkoordinator für Rimbach, Lampertheim und Bürstadt. Weiter relativiert Orzol die Aussage:„Kunden vergleichen manchmal unsere Läden mit gewerblichen Supermärkten. Dieser Vergleich kann natürlich nicht eingehalten werden“, sagt er. „Der Grundsatz der Tafel widmet sich der Lebensmittelrettung. Offensichtlich Verfaultes und Verdorbenes wird selbstverständlich aussortiert.“

Zurückzuführen sei das auf die „Rette-mich“- oder „Ich-bin-noch-gut“-Etiketten, die in den letzten Jahren immer mehr Einzug in die Supermärkte gefunden haben. Das ist natürlich nicht im Sinne der Tafelkunden, denn für sie bleibt am Ende weniger übrig. „Es wird zu lange gewartet, bis die Geschäfte die Lebensmittel rausgeben“, sagt die Frau.

„Die jungen Leute wollen nicht arbeiten“

Wo aber ist die Quelle des Übels? Die Dame ist sich sicher: Es sind vor allem die jungen Leute, vor allem Männer. „Während wir Senioren auf Wartelisten geschoben werden, lassen sich die Jüngeren ihre Einkaufswägen füllen“, sagt sie. „Die einen können nicht mehr arbeiten, die anderen wollen es nicht. Viele sind eigentlich gar nicht auf die Tafel angewiesen. Und genau die machen sich zwei Wägen voll, während es für mich nur für den Boden des einen reicht.“

Bei der ungerechten Aufteilung handle es sich laut Orzol um ein Missverständnis. „Prinzipiell bekommt bei uns jeder Bedürftige eine ähnliche Menge an Lebensmitteln. Die einzigen Unterschiede, die gemacht werden, ergeben sich aus der Größe der Haushalte. So bekommt beispielsweise eine sechsköpfige Familie mehr Lebensmittel als eine Einzelperson“, so der Koordinator. „Da ist es nur allzu verständlich, dass für manche der Eindruck entstehen kann, dass manche mehr bekommen, da sie nur den Einkaufenden sehen. Auch, dass Senioren wegen jüngerer Menschen angeblich auf Wartelisten verschoben werden, ist eine Falschannahme – diese haben wir nämlich aufgelöst.“

Aber nicht nur, dass viele es nicht nötig hätten, meint die Seniorin. „Die Menschen drängeln sich vor, wenn sie zu spät sind und reißen dir die Sachen aus der Hand. Das ganze System kollabiert momentan.“ Dabei nimmt sie gezielt die ehrenamtlichen Helfer in Schutz, die Woche für Woche das Essen ausgeben. Ihr fehlt manchmal der Respekt vor ihnen, gerade von den jungen Leuten. „Kein ‚Danke‘, nichts. Sie betrachten das Ganze als Selbstverständlichkeit.“ Dass Leuten die Ware weggenommen werde, stimme laut Orzol auch nicht, da jede Bedarfsgemeinschaft seinen eigenen Einkaufswagen bekomme.

Jeder wird gleichbehandelt

Um das Problem zu lösen oder zumindest zu verringern, müssten laut der anonymen Tafelnutzerin die Zuständigen bei der Tafel nur genau hinschauen, wer auf Hilfe angewiesen ist und wer nicht. „Ich wünsche mir, dass in Zukunft mehr differenziert wird, wer die Menschen sind, die wirklich in Not sind – und damit meine ich uns Armutsrentner“, sagt die Seniorin. „Auch, wenn ich wollte, aus gesundheitlichen Gründen könnte ich gar nicht mehr arbeiten gehen.“

Gegen diese wahrgenommene Ungerechtigkeit sind die Ehrenamtlichen der Tafel machtlos. „Eine Unterscheidung zwischen Armen und Noch-Ärmeren ist nicht möglich. Das Recht auf Transferleistungen ergibt sich aus dem gesetzlich definierten Existenzminimum“, sagt Orzol. „Da können wir keine Unterschiede machen. Wir sind immer darum bemüht, eine möglichst hohe Verteilungsgerechtigkeit zu erlangen.“

Die Zeitfenster für die Kunden bleiben trotz allem die gleichen: dienstags von 14 bis 17 Uhr und freitags von 11 bis 14 Uhr. Auch die Anmeldezeiten sind weiterhin dienstags von 10 bis 12 Uhr. Grundsätzlich freut sich die Tafel über Spenden aller Art – seien es Lebensmittel, Geld oder die Zeit von ehrenamtlich Engagierten. Mehr von allem würde die Möglichkeiten vergrößern und etwaige Missstände könnten noch weiter reduziert werden.

Weitere Informationen zur regionalen Diakonie Bergstraße gibt es hier – spenden könnt ihr hier.