Diakonie Bergstraße

Diakonie Bergstraße: Tafeln können keine Vollversorgung für die Region bieten 

Die Armut wächst, die Tafeln in der Region verzeichnen immer mehr Kunden - auch wegen der hohen Inflation, sagt Diakonie-Leiter Dennis Kramer und stellte Kim Orzol als neuen Tafel-Koordinator für 220 Mitarbeiter vor.

Die Tafeln in der Region verzeichnen immer mehr Kunden (Archivbild). Foto: Fritz Kopetzky
Die Tafeln in der Region verzeichnen immer mehr Kunden (Archivbild).

Kreis Bergstraße/Rimbach. Die Bedürftigkeit steigt in Deutschland. Das bekommen besonders auch die Tafeln im Kreis Bergstraße zu spüren. Aufgrund der immer größer werdenden Nachfrage musste jetzt der Standort in Rimbach die Ausgaben zum 1. Februar von zwei- auf dreiwöchentlichen Rhythmus reduzieren, um alle Kunden weiter bedienen zu können. Das war eine Entscheidung, die Kim Orzol gleich zu Beginn seiner Tätigkeit als Tafel-Koordinator für die drei Bergsträßer Standorte Lampertheim, Bürstadt und Rimbach mittragen musste.

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Der 51-Jährige hat diese Stelle bei der Diakonie Bergstraße am 15. Januar übernommen und fungiert hier als Ansprechpartner für die 220 ehrenamtlichen Mitarbeiter der drei Tafeln, für die Supermärkte und Lebensmittelproduzenten, die Waren für die Einrichtungen zur Verfügung stellen, sowie für Vereine, Kirchen und weitere Institutionen, die die Tafeln unterstützen. Der 51-jährige Medienwissenschaftler war nach seinem Studium zunächst in der Pressekommunikation tätig, ehe er vor 16 Jahren zu einer großen Stiftung wechselte. Hier war er in den vergangenen zwölf Jahren als Projektleiter aktiv.

Schon als Fahrer tätig

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte er sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Tafel in Heidelberg, wo er als Fahrer eingesetzt war. „Als ich das Stellenangebot der Bergsträßer Diakonie gesehen habe, dachte ich mir, dass das Richtige für mich ist, weil ich mich mit dem sozialen Aspekt identifizieren kann“, erklärt er im Pressegespräch in der Diakonie-Station in Bensheim den Grund, warum er sich nun auch hauptberuflich in die Tafelarbeit einbringen will.

Neben seiner Funktion als Ansprechpartner sieht er seine Aufgabe vor allem auch darin, die bürokratische Arbeit zu erledigen, um damit den ehrenamtlichen Mitarbeitern in dieser Hinsicht den Rücken freizuhalten. „Da geht es auch um die Wertschätzung ihres Einsatzes“, hebt er hervor. Und als Medienwissenschaftler will er zudem dafür sorgen, dass das Thema Tafel in der Öffentlichkeit präsent bleibt, und das vor allem auch bei den Lebensmittelspendern, ohne die das Angebot der Tafeln nicht möglich wäre. Aber auch auf Geldspenden ist die Diakonie angewiesen, denn es sind ja Kosten für Zukäufe oder für Betriebsausgaben wie die Miete für die Tafelläden oder für die vier Fahrzeuge der drei Standorte zu decken. Zwei davon werden übrigens aufgrund der langen Fahrtstrecken im Odenwald in Rimbach eingesetzt.

Seit dem 15. Januar ist Kim Orzol (links) als neuer Tafel-Koordinator für die Standorte Rimbach, Bürstadt und Lampertheim tätig. Dennis Kramer, Leiter der Regionalen Diakonie Bergstraße, stellte den neuen Mitarbeiter vor. Foto: Stefan Jünger
Seit dem 15. Januar ist Kim Orzol (links) als neuer Tafel-Koordinator für die Standorte Rimbach, Bürstadt und Lampertheim tätig. Dennis Kramer, Leiter der Regionalen Diakonie Bergstraße, stellte den neuen Mitarbeiter vor.

„Altersarmut wächst“

Auch Dennis Kramer, Leiter der Regionalen Bergsträßer Diakonie, macht die hohe Inflation in den vergangenen Jahren mit dafür verantwortlich, dass die Zahl der Tafelkunden immer größer wird. „Die Altersarmut wächst, es sind immer mehr Rentner unter unseren Kunden. Das ist ebenso ein Thema wie die Zuwanderung“, macht er deutlich. Dadurch werden die Wartelisten der Tafeln immer länger und es wird schwieriger, die Bedürftigen zu bedienen. „Früher gab es in Rimbach sogar mal eine wöchentliche Ausgabe“, macht er deutlich.

Dabei stellt er klar, dass „wir keine Vollversorgung bieten können“. Die Mitarbeiter könnten nur das an die Bedürftigen weitergeben, was zuvor eingesammelt beziehungsweise was von Supermärkten und Lebensmittelproduzenten in der jeweiligen Region zur Verfügung gestellt wurde, auch wenn die Tafeln gewissen Waren zukaufen würden. Dabei gebe es gerade auch größere Hersteller, die gezielt auf eine Überproduktion setzen, um eben die Einrichtungen der Diakonie und so dann auch deren Kunden versorgen zu können. Als ein Beispiel führte Kramer die Firma Alnatura an, die relativ viele Waren der Tafel in Rimbach zukommen lasse. Wer das Angebot einer Tafel in Anspruch nehmen will, muss sich vorher dort anmelden und dabei seine Bedürftigkeit in Form eines Transferleistungsbescheides nachweisen. Diesen gibt es für Bürgergeldempfänger beim Jobcenter des Eigenbetriebs Neue Wege des Kreises Bergstraße, für Wohngeldbezieher bei der Wohngeldstelle oder für Zuwanderer beim Ausländeramt, wie Kramer ausführt.

Tafelausweise

Diese werden von den ehrenamtlichen Mitarbeitern vor Ort geprüft und dann bekommen die Bedürftigen einen Tafelausweis ausgestellt, auf dem auch die Anzahl der Familienmitglieder eingetragen wird. Die Kunden haben feste Ansprechpartner und können diesen mitteilen, welche Waren sie in welcher Menge beziehen möchten. Die Tafelmitarbeiter stellen daraufhin entsprechende Pakete zusammen, wobei sich der Inhalt natürlich nur aus Waren zusammensetzen kann, die den jeweiligen Einrichtungen vorliegen. „Wir haben nur das, was die Leute in den Supermärkten nicht kaufen“, beschreibt es Kramer. Bei einem vorab vereinbarten Termin werden die Waren dann verteilt.

Drei Formen von Spenden seien letztlich die Voraussetzung für den Betrieb der Tafeln, machte er schließlich noch einmal deutlich: Das sind zum einen die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die ihre Zeit spenden, zum anderen die Supermärkte und Lebensmittelproduzenten, die bereit sind, ihre Überproduktion abzugeben, und schließlich kommen Geldspenden dazu, die Zukäufe sowie Personal- und Betriebskosten finanzieren. „Wir sind darauf angewiesen, dass alle drei Formen da sind“, fasst Kramer zusammen.