Von A wie Ausbau bis Z wie Zuweisung
WN und OZ konfrontieren die Bürgermeisterkandidaten vier Wochen vor der Wahl mit drei Themenkomplexen, zu denen sie Stellung beziehen können (Frage 3)
Am 8. Oktober wird in Gorxheimertal ein neuer Bürgermeister gewählt. Die Kandidaten Frank Kohl und Michael Anthofer werden sich im Vorfeld der Bürgermeisterwahl unter anderem beim Forum von Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung – Donnerstag, 21. September, 19 Uhr im Bürgerhaus in Gorxheimertal – dem Publikum präsentieren. Unsere Redaktion hat zudem den beiden Kandidaten drei Fragen zu drei Themenkomplexen gestellt und sie darum gebeten, diese in einem vereinbarten Umfang zu beantworten (die Stellungnahmen veröffentlichen wir im Wortlaut).
Im ersten Teil ging es um die Haushaltswirtschaft der Gemeinde, im zweiten um Vereine und Ehrenamt (wir haben berichtet). Der dritte und letzte Teil dreht sich nun um Herausforderungen, vor denen die Gemeinde steht. Diese Frage hatten wir gestellt:
Was ist für Sie die größte Herausforderung für Gorxheimertal in der Zukunft? Wie wollen Sie diese angehen?
Demografischer Wandel
Frank Kohl: Die größte Herausforderung wird der demografische Wandel sein, die Auswirkungen werden alle betreffen. Die Bevölkerungszahl wird zurückgehen, die Altersstruktur wird sich ändern: Der Anteil der über 60-Jährigen wird steigen und der unter 60-Jährigen sinken. Das hat negative Auswirkungen auf die Einnahmeseite. Die Aufgabe wird es sein, der älteren Bevölkerung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Aber auch Bedingungen zu schaffen, damit Familie und Beruf gut miteinander vereinbar sind. Da geht es um Kinderbetreuung, aber auch darum, wie pflegebedürftige Angehörige versorgt werden. Das kenne ich aus eigener Erfahrung und auch die daraus entstehenden Herausforderungen.
Zu einer familienfreundlichen Kommune gehört auch eine seniorengerechte Dorfentwicklung. Ich werde mich für eine Tagesbetreuung, Kurzzeitpflege, betreutes Wohnen und die Einführung eines Bürgerbusses einsetzen. Dazu müssen Investoren, Träger und Menschen gewonnen werden, die sich ehrenamtlich engagieren und etwa ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger im kleinen Bürgerbus zu Arztterminen oder zum Einkaufen fahren, damit mobilitätseingeschränkte Menschen mehr Lebensqualität im Ort erhalten. Auch die Gemeinde wird immer mehr mit dem Thema Fachkräftemangel zu kämpfen haben. Hier gilt es, für die aktuellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die zukünftigen ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und weiter junge Menschen auszubilden.
Generationsübergreifend agieren
Michael Anthofer: Zu definieren, was die größte Herausforderung für Gorxheimertal ist, ist schwierig. Es gibt viele anstehende Herausforderungen, welche alle gemeistert werden müssen. Gorxheimertal steht nicht zuletzt durch die sehr gute Zusammenarbeit aller Akteure der letzten Jahre auf einem soliden Grund. Hierauf gilt es nun weiter aufzubauen. Ein Wohnungsangebot für ältere Menschen, die energetische Neuausrichtung der Gemeinde, eine Begegnungsstätte innerhalb der Gemeinde, dies alles sind beispielhaft anstehende Großprojekte. Daneben sind Projekte fertigzustellen, hierunter fallen unter anderem die Sanierungsarbeiten entlang des Bachlaufes, die Verkehrssituation innerhalb der Gemeinde, der Ausbau der Barrierefreiheit, Sanierungsarbeiten an Liegenschaften der Gemeinde.
Nicht zu vergessen ist auch die Flüchtlingssituation. Gorxheimertal wird auch im kommenden Jahr eine Zuweisung von Migranten durch den Kreis Bergstraße erhalten. Neben der Bereitstellung von Wohnraum ist es auch die Integration der Menschen. Die Gemeindeverwaltung hat hierzu einen großen Teil beizutragen. Daneben gilt es, das subjektive Sicherheitsgefühl der Einwohner im Auge zu behalten, Probleme frühzeitig zu erkennen und schnell gemeindeorientierte Lösungen zu finden, sodass sich alle Menschen in Gorxheimertal sicher und wohl fühlen. Ich möchte mich auch für den weiteren Ausbau der Digitalisierung innerhalb der Verwaltung starkmachen. Neben einem „Online-Kummerkasten“ möchte ich auch weitere Online-Angebote prüfen.
Ich denke, die größte Herausforderung für die kommenden Jahre wird die generationsübergreifende Neuausrichtung der Gemeinde sein, die Bürger entscheiden selbst am 8. Oktober, mit wem sie diesen Weg gehen möchten.