Was ist der Michelbus - und warum ist er so erfolgreich?
Öffentliche Verkehrsmittel im Odenwald - kann das gutgehen? Die Fahrgastzahlen beim Michelbus in Wald-Michelbach zeichnen ein eindeutiges Bild.
Der Michelbus ist eine Erfolgsgeschichte für die Gemeinde Wald-Michelbach. Diese Feststellung wurde in der Gemeindevertretung aus berufenem Munde bestätigt, denn der Vertreter des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN), Dennis Ulas, machte auf Grundlage einer Auswertung der Fahrgastzahlen deutlich, dass dieses ÖPNV-Angebot „unsere Erwartungen übertroffen hat“.
Ausschussvorsitzender Sven Wingerter erklärte, wie es zum Michelbus kam: Das Ruftaxi war vor zehn Jahren zum Thema in den gemeindlichen Gremien geworden, weil damals die Taxiunternehmen ihre Verträge aufgekündigt hatten. Vor zwei Jahren wurde dann nach ausgiebigen Verhandlungen mit dem Kreis und dem VRN der Michelbus als Pilotprojekt für den Kreis in Wald-Michelbach eingeführt.
Entscheidung bis Sommer
Ulas stellte anschließend die Auswertung vor, die der VRN nach den ersten beiden Betriebsjahren vorgenommen hat. Der Vertrag läuft drei Jahre lang und damit Ende 2024 aus, sodass sich die Gemeinde rechtzeitig Gedanken darüber machen muss, wie das Angebot fortgeführt werden soll. Die Entscheidung sollte bis zum kommenden Sommer gefällt werden, erklärte Ulas, damit die erforderlichen Voraussetzungen für eine nahtlose Fortsetzung geschaffen werden können.
Die Fahrgastzeiten zeigen, dass der Michelbus über den ganzen Angebotszeitraum – montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr sowie freitags und samstags von 8 bis 2 Uhr nachts – sehr gut genutzt wird. Gerade zu den Spitzenzeiten vor- und nachmittags müssen Anfragen abgesagt werden, weil nur ein Fahrzeug zur Verfügung steht und Fahrten nicht zusammengelegt werden können – was auch zu einigen Beschwerden führte. Das hängt aber auch mit der Software des VRN zusammen, die für die Zusammenlegung von Fahrten noch nicht optimal funktioniert, wie Ulas anmerkte: „Das System stößt hier an seine Grenzen.“ Hier hofft er, dass der Hersteller bis Jahresende eine verbesserte Version zur Verfügung stellen kann. Mit Blick auf die Wochenenden fügte er an, dass auch die Spät- und Nachtfahrten gut genutzt würden.
Nach der Einführung zu Beginn des Jahres 2022 verzeichneten die Nutzerzahlen einen steilen Anstieg von 250 Fahrten im Januar bis weit über 800 im August. Dies führte er auch auf die Einführung des 9-Euro-Tickets zurück. Für das erste Jahr wurden gut 7400 Fahrten verzeichnet. 2023 gab es eine weitere Steigerung auf fast 9200 Fahrten, wobei der Juli mit über 850 Fahrten der stärkste Monat war. „Das sind Zahlen, die sich sehen lassen können“, sagte Ulas und stellte hier auch die Verbindung zum Deutschlandticket her.
Im Schnitt werden 1,4 bis 1,7 Personen befördert, auch diese Zahlenliegen über den Werten der herkömmlichen Ruftaxis (1,2 bis 1,3). Mit der verbesserten Software hofft der VRN, das dann noch mehr Fahrten zusammengelegt werden können („Pooling“).
Bei den am meisten angefahrenen Haltestellen liegt die zentrale Bushaltestelle in Wald-Michelbach (ZOB) mit über 1700 Nutzungen an der Spitze. Auf Platz zwei folgt der Dorfplatz in Gadern (fast 1400), was nur auf den ersten Blick überraschend ist, denn der kleine Ortsteil hat keine feste Busverbindung und deshalb wird der Michelbus hier rege genutzt, wie Ulas erklärte. Auf der anderen Seite gibt es rund 30 Haltestellen, die gar nicht angefahren wurden. Ulas führte das zum einen auf das dichte Netz von Haltestellen zurück, zum anderen waren nicht alle mit der richtigen Bezeichnung versehen worden, wobei der VRN dabei ist, dies zu korrigieren.
VRNApp nutzen
Nachdem die Buchungen des Michelbusses zunächst mit über 80 Prozent meist telefonisch erfolgten, nutzen immer mehr Bürger die VRNApp, was Ulas als eine positive Entwicklung bezeichnete: „Das geht schneller.“ Deutlich abgenommen hat seinen Worten nach die Anzahl der Beschwerden im Call-Center des VRN, in den vergangenen Monaten gab es gar keine mehr, was er auf die Verbesserungen bei der Zuweisung und Bündelung von Fahrten, aber auch auf die Sensibilisierung der Mitarbeiter des VRN zurückführte.
Ende des Jahres läuft das Politprojekt dann aber aus. Um den Michelbus erhalten zu können, muss die Gemeinde einige Fragen klären, beispielsweise ob das Angebot weiterhin als Ruftaxi oder als voll flexibler On-Demand-Verkehr laufen soll und ob die Bedienzeiträume ausgeweitet werden. Im Vordergrund steht hier auch die Finanzierung. Im Moment beteiligen sich der Kreis mit einem Drittel der Gesamtkosten von 150 000 Euro, also mit 50 000 Euro, der VRN steuert 45 000 Euro bei und den Rest trägt die Gemeinde.
Diese Kosten werden aber steigen, beispielsweise durch eine verbesserte Software, wobei laut Ulas der künftige Zuschuss des Kreises ebenso unklar ist wie der des VRN. Eine wesentliche Rolle wird auch spielen, ob angesichts der Nachfrage ein zweites Fahrzeug eingesetzt werden soll. Hier merkte Bürgermeister Dr. Sascha Weber an, dass dessen Einsatz auf die Stoßzeiten begrenzt werden könne, was Ulas bestätigte.
Kooperation mit Nachbarn
Angesprochen wurde noch eine Kooperation mit den Nachbargemeinden, da Wünsche geäußert wurden, auch Orte in Grasellenbach und Abtsteinach anzufahren. Die Gemeinde will nun in den nächsten zwei Monaten die offenen Punkte mit dem Kreis und dem VRN klären, kündigte Weber an.
Wingerter bat die Fraktionen, ihrerseits die Angelegenheit zu besprechen, und warb noch einmal für das Angebot: Mit dem Deutschlandticket könne man in ganz Wald-Michelbach und deutschlandweit den ÖPNV nutzen. „Das ist eine super Sache.“