Wie moderne Landwirtschaft im Odenwald funktionieren kann
Referent Enno Bahrs erklärt in der VR Bank Ried-Überwald, warum Betriebe sich im „starken Strukturwandel“ befinden und welche Chancen Smart Farming sowie Digital Farming bieten.
Überwald/Bürstadt. Für den vergangenen Montag hatten sich zahlreiche Akteure aus der Landwirtschaft der Wirtschaftsregion Bergstraße ein dickes Kreuz im Kalender gemacht, denn in Bürstadt fand die Veranstaltung „Zukünftige Erfolgsfaktoren landwirtschaftlicher Betriebe“ statt. Rund 70 Gäste folgten der Einladung der Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH (WFB) und der VR Bank Ried-Überwald eG, um sich in den Räumen des Kreditinstituts über die Herausforderungen und Chancen der modernen Landwirtschaft zu informieren. Das teilen die Veranstalter in einer Pressemitteilung mit.
Große Bedeutung für die Region
Oliver Schossau, Leiter Firmenkunden- und Baufinanzierungsberatung bei der VR Bank Ried-Überwald eG, eröffnete den Abend mit Grußworten, betonte die große Bedeutung der Landwirtschaft für die regionale Wirtschaft und unterstrich die starke partnerschaftliche Verbundenheit der Bank mit den hiesigen Landwirten. „Darauf sind wir sehr stolz“, so Schossau.
Hauptreferent des Abends war Prof. Dr. Enno Bahrs von der Universität Hohenheim, laut Pressemitteilung „ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet“. Er hob hervor, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht nur durch Rentabilität, sondern auch durch Innovationsfreude, gesellschaftliche Akzeptanz sowie eine ausgewogene Balance zwischen Tradition und Modernisierung geprägt sei. Ein nachhaltiges Betriebskonzept müsse Umwelt- und Klimaschutzanforderungen ebenso berücksichtigen wie betriebswirtschaftliche Effizienz.
„Die deutsche Landwirtschaft befindet sich in einem starken Strukturwandel“, betonte er. Während landwirtschaftliche Rohstoffe in einer postfossilen Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen, sehe sich die Branche gleichzeitig mit wachsender Regulierung, steigenden Umweltanforderungen und einer polarisierten gesellschaftlichen Wahrnehmung konfrontiert. Der Experte skizzierte zentrale Zielkonflikte, die landwirtschaftliche Betriebe zunehmend lösen müssten: die Vereinbarkeit von Naturschutz und Wirtschaftlichkeit, den Spagat zwischen regionaler und globaler Produktion sowie die Herausforderungen steigender Umweltstandards bei gleichzeitiger Kostenkontrolle.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Bahrs der Digitalisierung, Automatisierung und Robotik. „Diese bergen viele Chancen und einen echten Mehrwert für die Landwirtschaft“, so der Referent. Technologien wie Precision Farming, Smart Farming und Digital Farming bieten enorme Potenziale für Effizienzsteigerungen, Ressourcenschonung und höhere Erträge. Als rentabelsten und größten Erfolgsfaktor nannte er Investitionen in die Aus- und Weiterbildung. „Erfolgreiche Landwirte sind gut ausgebildet, bestens vernetzt und sehr gut in ihrem Berufsstand unterwegs“, schloss Prof. Dr. Bahrs. Insgesamt gab er seiner Überzeugung Ausdruck, dass die deutsche Landwirtschaft für die Zukunft bestens gerüstet sei: „Ich sehe sie als überdurchschnittlich wettbewerbsfähig an“, betonte er.
Die anschließende Fragerunde zeigte das große Interesse des Publikums an den Themen des Vortrags. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, um sich mit Bahrs auszutauschen.
Dialog fortsetzen
In seinem Schlusswort unterstrich Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der WFB, die Notwendigkeit eines kontinuierlichen Dialogs zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. „Man braucht starke Partner und den Schulterschluss mit vielen Akteuren. Die Wirtschaftsregion Bergstraße besitzt die besten Köpfe, damit die Landwirtschaft eine starke Branche bleibt“, sagte er.
Der Abend endete mit angeregten Gesprächen, die sich noch bis in die späten Stunden fortsetzten.