Markus Keßler übernimmt Leitung der Polizeistation Wald-Michelbach
Markus Keßler, ein 52-jähriger Kriminalhauptkommissar aus Erbach, hat die Leitung der Polizeistation in Wald-Michelbach übernommen. Im Interview spricht über seine Pläne für die Zukunft der Polizeistation.
Für Markus Keßler war die Entscheidung schnell gefallen, als die Anfrage kam, ob er die Leitung der Polizeistation in Wald-Michelbach übernehmen will. „Ich komme ja aus der Region, hatte auch schon zweimal Berührungspunkte mit der Dienststelle in Wald-Michelbach in meiner 35-jährigen beruflichen Tätigkeit und kenne viele der Kollegen. Und da mir auch das Dienstgebiet gut bekannt ist, musste ich nicht lange überlegen“, erklärt der 52-jährige Kriminalhauptkommissar aus Erbach, der am 1. November die Nachfolge des bisherigen Dienststellenleiters Thomas Schneiderheinze angetreten hat.
Im Jahr 2000 absolvierte er in Wald-Michelbach und im Polizeiposten in Hirschhorn ein Praktikum im Rahmen der Ausbildung für den gehobenen Dienst, außerdem war er im Einbruchskommissariat in Heppenheim in den Jahren 2004 bis 2008 auch für den Überwald zuständig. „Von daher ist mir das Dienstgebiet nicht völlig fremd. Es ist sehr nah an Erbach dran, Land und Leute sind mir bekannt. Das passt schon“, führt er weiter aus. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er von seinen ersten Eindrücken an seinem neuen Arbeitsplatz.
Herr Keßler, wie haben Sie sich in ihrem neuen Dienstgebiet eingelebt?
Markus Keßler: Die ersten Eindrücke von der Dienststelle sind sehr gut, das läuft alles bestens. Von den Kollegen wurde ich sehr herzlich aufgenommen, auch weil ich hier schon bekannt war. Das macht Spaß. Aufgrund der Kürze der Zeit und auch witterungsbedingt gab es dagegen noch nicht so viele Berührungspunkte mit der Bevölkerung. Ich habe mir aber fest vorgenommen, dass ich – auch wenn das Wetter wieder besser wird – unterwegs und für die Menschen ansprechbar sein werde. Es gab jedoch schon einige Telefonate mit Bürgern.
Gab es schon Kontakte mit den kommunalpolitischen Vertretern der Gemeinden?
Keßler: Die sechs Bürgermeister waren bei meiner Amtseinführung dabei. Ich habe inzwischen meine Antrittsbesuche begonnen und war bei den ersten drei Rathauschefs, die drei weiteren werden noch folgen.
Welches Bild haben Sie sich von Ihrem neuen Zuständigkeitsbereich verschafft?
Keßler: Das Dienstgebiet, das wir mit der Polizeistation in Wald-Michelbach und dem Polizeiposten in Hirschhorn zu betreuen haben, ist von der Fläche her gesehen mit 116 Quadratkilometern sehr groß. Dadurch können sich lange Anfahrtswege ergeben. Was ich in der kurzen Zeit schon gemerkt habe, ist die gute und unbürokratische Zusammenarbeit mit den Nachbardienststellen sowohl auf hessischer Seite als auch landesübergreifend mit den baden-württembergischen Kollegen in Eberbach, Neckargemünd und Weinheim. Das funktioniert auf kurzem Weg, da wird sich gegenseitig unterstützt. Eine Besonderheit der Region ist: Wenn man von Wald-Michelbach über Langenthal nach Hirschhorn fährt, kommt man dreimal auf badisches Gebiet. Hier muss man schon wissen, wo die Grenzen verlaufen.
Welches Thema ist Ihnen in der bisherigen Zeit besonders ins Auge gestochen?
Keßler: In den Sommermonaten ist der Motorradverkehr aufgrund der attraktiven Strecken ein spezielles Thema. Da kommen die Motorradfahrer von allen Seiten zu uns. Man muss aber sagen, dass sich die Unfallzahlen auf einem moderaten Niveau bewegen. Dabei geht es jedoch nicht nur um die Verkehrssicherheit, sondern auch um Lärmbelästigung. Das Polizeipräsidium Südhessen hat dazu Präventionsprojekte aufgelegt, die auch greifen.
Stichwort Straßenverkehr: Wie stehen Sie im Hinblick auf Ihr Dienstgebiet zu der Einführung von Tempo 30 in den Ortsdurchgangsstraßen?
Keßler: Wir als Polizei werden bei solchen Verfahren nur angehört. Unsere Aufgabe ist es, dass wir bei entsprechenden Unfallzahlen oder Beschwerden von Bürgern dies aufgreifen und es unserem Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeidirektion in Heppenheim melden, der es an die zuständigen Verkehrsbehörden bei den Kommunen, beim Landkreis oder dem Regierungspräsidium weitergibt.
Ihre Aufgabe ist dann die Kontrolle der Geschwindigkeitsregelungen. Wie läuft hier die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsbehördenbezirk der drei Überwälder Gemeinden?
Keßler: Wir machen unsere eigenen Kontrollen, wie beispielsweise nach den Sommer- und den Herbstferien im Rahmen der Aktion „Blitz for Kids“, stimmen uns aber auch sehr eng mit Frank Horn, dem Leiter des Ordnungsbehördenbezirks, ab, und dessen Mitarbeiter Sven Falter, der der Mann der Straße ist, geht bei uns ein und aus. Die Zusammenarbeit läuft auf dieser Ebene permanent.
Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend. Die hat auch schon die ganze Zeit funktioniert, da muss man das Rad nicht neu erfinden.
Und wie sieht es bei der Kooperation mit den Gemeinden Ihres Zuständigkeitsbereichs aus?
Keßler: Mit Wald-Michelbach ist der Kontakt aufgrund der örtlichen Gegebenheiten sowieso sehr eng, da sind die Wege sehr kurz. Bei meinem Antrittsbesuch bei der Abtsteinacher Bürgermeisterin Angelika Beckenbach war auch Hauptamtsleiter Stefan Pape mit dabei und wir haben schon die ersten Sondierungen für die Fastnachtsvorbereitungen vorgenommen. Da steigen wir jetzt richtig ein, das Gleiche gilt für Hirschhorn. Auf dieser Arbeitsebene lernt man sich auch ruckzuck kennen, die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend. Die hat auch schon die ganze Zeit funktioniert, da muss man das Rad nicht neu erfinden.
Die Kriminalitätsrate im Odenwald liegt auf niedrigem Niveau. Gibt es dennoch Bereiche, in denen Sie Handlungsbedarf sehen?
Keßler: Wir haben hier keine kriminalistischen Brennpunkte, was für das ganze Dienstgebiet gilt. Die Fallzahlen liegen auf einem sehr geringen Niveau. Die Leute leben hier in einer sehr, sehr sicheren Region. Natürlich wollen wir dieses Niveau halten und möglichst auch noch drücken. Bei den Einbruchs- und Diebstahlsdelikten, die sich ganz erheblich auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung auswirken, sind wir mit Präventivmaßnahmen, die vom Polizeipräsidium Südhessen initiiert werden, ebenfalls gut aufgestellt. Dazu finden seit Herbstbeginn und besonders nach der Umstellung auf Winterzeit täglich Kontrollen auf den Ein- und Ausfallstraßen statt. Im ganzen Dienstbereich Bergstraße haben wir hier derzeit aber nur moderate Fallzahlen.
Der Personalmangel ist aktuell das große Thema in der Wirtschaft, auch die Polizei ist davon betroffen. Wie bewerten Sie die personelle Besetzung in der Wald-Michelbacher Dienststelle?
Keßler: Mehr Personal kann man immer gebrauchen, aber wir kommen mit dem zurecht, was wir haben. Wir sind in Wald-Michelbach jeden Tag rund um die Uhr da, haben zudem den Polizeiposten in Hirschhorn. Wir helfen uns gegenseitig, wobei das bis zum Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt geht. Gemeinsam sind wir stark, möchte ich dazu sagen. Wenn sich besondere Lagen ergeben, werden die Kräfte dort zusammengezogen – wobei sich diese Lagen, bei denen wir Fremdkräfte brauchen, in unserem Zuständigkeitsbereich sehr in Grenzen halten. Es ist eher so, dass wir für Heppenheim oder Darmstadt Einsatzkräfte abstellen müssen. Ausnahmen sind die beiden Umzüge am Fastnachtssonntag in Ober-Abtsteinach und Hirschhorn, da brauchen wir dann Unterstützung.
Was haben Sie für sich in der nächsten Zeit als besondere Ziele gesetzt?
Keßler: Für mich ist es wichtig, dass ich, wenn die Zeit gekommen ist, auch rausgehe und ansprechbar und greifbar bin für die Bevölkerung. Das soll aber auch für die ganze Dienststelle gelten, damit die Menschen in der Region wahrnehmen, dass die Polizei in Wald-Michelbach und in Hirschhorn als Ansprechpartner zur Verfügung steht – nach dem Motto: Wenn du was hast, dann geh’ zur Polizei, da kriegst du geholfen. Wenn das so in den Köpfen der Leute drin ist, wäre ich sehr zufrieden. Und daran arbeiten wir auch. Wer zu uns kommt, der bekommt geholfen, im Rahmen unserer Möglichkeiten beziehungsweise unserer Zuständigkeiten, also bei der Prävention, der Strafverfolgung und der Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten. Ansonsten leiten wir die Anliegen weiter an die Stellen, die dafür zuständig sind. Bei uns wird niemand weggeschickt.