Zwischen Kochkäs und Ebbelwoi lauert das Böse
Werner Keller hat einen neuen Band seiner Reihe „Mordsgeschichten aus dem Odenwald“ geschrieben. Dass er ihn in Fürth vorstellt, hat einen lokalen Bezug
An alle Leser der Buchreihe „Mordsgeschichten aus dem Odenwald“: Willy Hamplmaier ist zurück und mit ihm so manch rätselhafte Todesfälle, finstere Drohungen, zwielichtige Figuren und verwaiste Orte, die der Hauch des Todes umgibt. Auch in seiner dritten Thrillerfolge mit dem Titel „Winterreise mit Todesfolge“ überzeugt Werner Kellner, der Heppenheimer Autor mit österreichischen Wurzeln, durch subtile Spannung, clever konstruierte Plots, flüssigem Schreibstil und temporeicher Handlung.
Schon die beiden Berufe seines Protagonisten Willy Hamplmaier bilden eine spannende Symbiose, denn der schrullige Odenwälder, dessen etwas zerstreutes Auftreten täuscht, ist Bestatter und Ermittler zugleich. Also kann man von einem Glücksfall sprechen, wenn der Verblichene, der auf seinem Vorbereitungstisch landet, keines natürlichen Todes gestorben ist. Wie hieß es schon in dem legendären Song der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“: „Das Böse ist immer und überall“.
Zweiter Schauplatz Island
Auch im Odenwald, jenem reizvollen hessischen Mittelgebirge, das zum Wandern und Radeln einlädt, zieht es seine Kreise. Zwischen saftigen Kuhweiden, ausladenden Kochkässchnitzeln und spritzigem Ebbelwoi treiben Mörder und Erpresser ihr Unwesen. Doch der Leser wird auch in die Kleinstadt Höfn am Fuße des größten isländischen Gletschers Vatnajökull entführt. Dort gibt es die meiste Inzucht. Denn seit die Wikinger Island vor 1100 Jahren besiedelten, blieben die Bewohner der Insel meistens unter sich. Kein Wunder also, dass die 334 000 Einwohner ein Inzest-Problem haben. Heute hilft sogar eine App, ungewollte Begegnungen und Verbindungen zu vermeiden.
Auch in Werner Kellners Buch geht es um inzestiöse Geschwisterliebe, während zuhause in Michelstadt Maria, die Schwester des Amtsrichters, Fritz Uhrig, tot in der Badewanne aufgefunden wird und der Richter die Drohung erhält: „Du bis der nächste!“ Ein weiterer Bösewicht übt den Beruf des Restauranttesters aus. Um sein chronisch überzogenes Konto aufzubessern, erpresst er Spitzenköche für eine gute Bewertung im Restaurantguide. Schließlich gibt es noch den gutaussehenden Investigativjournalisten Georg Jährling, für Stammleser kein Unbekannter.
Aktuelle Bezüge
Bei seinen Ermittlungen stößt Willy Hamplmair dann auf eine neue Spur, die im Zusammenhang mit der Winterreise des Stammtisches „Lebensfreude“ steht. Damals waren sämtliche Stammtischbrüder mit einem positiven Coronatest zurückgekommen. Der 75-jährige Krimiautor Werner Kellner, studierter Physiker und welterfahren, versteht es auch in Band drei der Hamplmaier-Reihe den Kriterien des Regionalkrimis gerecht zu werden. Er holt seine Leser in den Gegenden ab, die ihnen vertraut sind und beschreibt mit viel Gespür zwielichtige Typen. Geschickt verbindet er Aktuelles wie den Ukraine-Krieg mit der fast schon in Vergessenheit geratenen Pandemie.
Kellner wollte, wie er betont, mit dem sagenumwobenen Inselstaat Island als zweitem Handlungsort vom herkömmlichen Regionalkrimi abweichen. Am Sonntag stellte Werner Kellner seinen aktuellen Odenwaldthriller in der gut besuchten Bücherscheune in Fürth vor.
Die Techniken, die er bei der Lesung verwendete, nahmen der Buchpräsentation das trockene „Vorlesen“. Das war zum einen das akustikverbessernde Headset-Micro, zum anderen der Beamer, mit dem er die Figuren des jeweiligen Kapitels auf der Leinwand erläuterte und sie mit einem Phantasie-Bild vorstellte. Als er das Foto des überaus gut aussehenden Fürther Journalisten Georg Jährling auf die Leinwand projizierte, fragte eine Zuschauerin, wo man denn den hübschen Junggesellen in Fürth treffen könne.
Keine Angst vor „Blockade“
Kellner las flüssig mit modellierter Stimme, wohltuend wirkte dabei die Sprachmelodie seiner Heimat St. Pölten. Um die Konzentration seines Publikums nicht zu sehr zu strapazieren, beschränkte er die Lesung auf eine knappe Stunde. So blieb noch genug Zeit, dem Autor Fragen zu stellen. Zum Beispiel, wie er einer Schreibblockade begegnen würde. „Die wird er erst bekommen, wenn er tot ist“ rief eine Dame aus dem Publikum.
Eine zuverlässige Quelle, wie sich herausstellte und obendrein mit schwarzem Humor gesegnet, denn es handelte sich um Kellners Ehefrau Lucia. „Meine Muse und erste Leserin meiner Manuskripte“, ergänzte der Autor.
Wer Lust bekommen hat, die „Winterreise mit Todesfolge“ oder andere Kellner-Krimis zu lesen, der kann sie, auch als E-Book, unter
www.buecherwerkstatt-werner-kellner.de erwerben.