Einführung des E-Rezepts: Was gesetzlich Versicherte erwartet
Ab dem 1. Januar gibt es beim Arzt nur noch elektronische Rezepte. Der Ärzteverein Regiomed sieht die Praxen in und um Weinheim gut aufgestellt. Was sich mit dem E-Rezept für Ärzte, Apotheken und Patienten ändert.
Ab Januar 2024 ersetzt das elektronische Rezept den altbekannten „rosa Zettel“. Vertragsärzte sind dann verpflichtet, für verschreibungspflichtige Arzneimittel E-Rezepte auszustellen. Zwar hatte es im Vorfeld der Testphase im Sommer Kritik vonseiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) an der verpflichtenden „bundesweiten Einführung mit der Brechstange“ gehagelt, doch die „Probe aufs Exempel“ lief gut, wie Regiomed mit Sitz in Weinheim jetzt bestätigte. Der Ärzteverein sieht die Arztpraxen in der Region gut gerüstet für den flächendeckenden Start.
Wie das neue E-Rezept funktioniert, was es für den Arztbesuch bedeutet und warum es anfänglich doch holpern könnte.
Regiomed
Der Ärzteverein Regiomed ist ein Zusammenschluss von über 150 Ärzten aller Fachrichtungen und Tätigkeitsgebiete in Weinheim und in den benachbarten Bergstraßen- und Odenwaldgemeinden.
Regiomed versteht sich als ärztlicher Teil der regionalen Gesundheitsversorgung und pflegt enge Kontakte zu nicht ärztlichen Ebenen, wie zum Beispiel der ambulanten und stationären Pflege, den Physio- und Ergotherapeuten, Apotheken und Sanitätshäusern. So sollen Schnittstellenprobleme gelöst werden.
Weitere Infos gibt es auf der Homepage des Vereins www.regiomed-weinheim.de
Was ist das elektronische Rezept überhaupt?
Das elektronische Rezept ist ein Rezept in digitaler Form. Das E-Rezept löst die ärztliche Verordnung eines apothekenpflichtigen Arzneimittels ab, die bisher auf rosa Papier gedruckt wurde.
Wie funktioniert das elektronische Rezept?
Das E-Rezept wird von einem Arzt digital erstellt, signiert und in der Arztpraxis auf einem zentralen System (E-Rezept-Fachdienst) gespeichert. Anschließend können Patienten es in einer Apotheke einlösen. Es hat den Rechtsstatus einer Urkunde – eine Fälschung würde als Straftatbestand gelten. Darüber hinaus dient das Rezept als Abrechnungsdokument der Apotheke gegenüber den Krankenkassen.
Wo wird das E-Rezept gespeichert?
Die E-Rezepte werden auf einem zentralen Server gespeichert und beim Einstecken der Kassenkarte wird die Apotheke autorisiert, sie von dort abzurufen. „Die Karte ist also der Schlüssel zur Cloud, in der das Rezept gespeichert ist“, erklärt Anne Katrin Frauenkron, Inhaberin der Birken-Apotheke in Weinheim und engagiert im Beirat des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg. Der Gesundheitskarte kommt damit ein noch höherer Stellenwert als bisher zu. „Sie wird zu einem noch wichtigeren Tool“, erklärt Dr. Frank Rommel, Vorsitzender von Regiomed. Er empfiehlt, die Karte immer dabei zu haben – beim Arzt, weil ohne das vierteljährliche Einpflegen der Gesundheitskarte in Zukunft kein Rezept mehr ausgestellt werden kann. Und in den Apotheken, wo der Zugriff auf die Rezepte über die Gesundheitskarte funktioniert.
Brauche ich für das E-Rezept eine neue Gesundheitskarte?
Nein, eine neue Karte ist dafür nicht erforderlich.
Wo und wie kann das E-Rezept eingelöst werden?
Das E-Rezept kann von den Patienten über drei verschiedene Wege genutzt werden. Sie können das E-Rezept einfach mit ihrer elektronischen Gesundheitskarte einlösen. Dazu muss die Gesundheitskarte in der Apotheke nur in das Kartenterminal gesteckt werden. Das E-Rezept kann aber auch per Smartphone über eine E-Rezept-App verwaltet und an die gewünschte Apotheke gesendet werden. Dritte Option: Die für die Einlösung des E-Rezepts erforderlichen Zugangsdaten können als Papierausdruck in der Arztpraxis ausgehändigt werden.
Dann kann ich also auch weiterhin ein ausgedrucktes Rezept bekommen?
In Ausnahmefällen ja. „Wir können im Notfall auch immer noch Rezepte in Papierform ausstellen – zum Beispiel bei IT-Ausfällen“, erklärt Dr. Friedrich-Karl Schmidt, Geschäftsführer von Regiomed. „Wir wollen aber auf keinen Fall zweigleisig fahren“, sagt Dr. Katrin Illmann, Hausärztin in Lützelsachsen und Vorstandsmitglied bei Regiomed. Ziel ist schließlich die Digitalisierung.
Wo bekomme ich die App?
Die E-Rezept-App der Gematik kann in den gängigen App-Stores sowie auf der Gematik-Webseite heruntergeladen werden. Die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH, kurz Gematik, ist seit 2015 verantwortlich für den Betrieb der einrichtungsübergreifenden Telematikinfrastruktur (TI) des Gesundheitswesens und die stufenweise Einführung verschiedener Anwendungen der TI in Deutschland. Die App ist kostenlos. Für die Nutzung der E-Rezept-App benötigen Versicherte ihre elektronische Gesundheitskarte sowie ihre Versicherten-PIN, die sie bei ihrer Krankenkasse erhalten.
Brauche ich die App unbedingt oder genügt die Gesundheitskarte?
Wer sein E-Rezept in einer Versandapotheke einlösen will, braucht die App. Ansonsten genügt die Gesundheitskarte. „In der Testphase seit dem Sommer musste noch das Handy dazwischengeschaltet werden. Jetzt sind wir weiter“, freut sich Frank Rommel. Er sieht damit eine Hürde – besonders für ältere Menschen – abgebaut.
Welche Vorteile hat das E-Rezept für die Versicherten?
„Für Patienten bedeutet die Umstellung mehr Komfort und weniger Wege in die Arztpraxis“, erklärt Dr. Tilman Steinhausen, niedergelassener Internist in Hirschberg und Zweiter Vorsitzender von Regiomed. Wege in die Arztpraxis entfallen für diejenigen, die ein Folgerezept benötigen. Auch nach Videosprechstunden kann man sich ein E-Rezept ausstellen lassen. Außerdem sind Rezeptänderungen schneller möglich. Ein Vorlegen der Gesundheitskarte ist nur dann nötig, wenn die Karte im aktuellen Quartal noch nicht vom Arzt eingelesen wurde.
Und welche Vorteile bietet das E-Rezept für den Praxisalltag?
Händische Unterschriften und Wege entfallen, Folgerezepte können ohne erneuten Patientenbesuch ausgestellt werden. Das Medikamentenmanagement wird verbessert, und auch den Apotheken erleichtert das Einlösen mit der Gesundheitskarte den Arbeitsalltag. Dr. Friedrich-Karl Schmidt: „Wir sind überzeugt, dass das E-Rezept eine Arbeitserleichterung für uns Ärzte bedeutet – auch wenn der organisatorische Aufwand im Vorfeld sehr hoch war.“
Können auch Privatversicherte das E-Rezept nutzen?
Ja, auch Privatversicherte können das E-Rezept per App oder per Papierausdruck nutzen. Da sie keine elektronischen Gesundheitskarten haben, entfällt für Privatversicherte das Einlösen per Karte. Allerdings besteht für Ärzte, die private Leistungen anbieten, keine gesetzliche Verpflichtung auf Ausstellung eines E-Rezeptes.
Gibt es auch Rezepte, die noch nicht elektronisch ausgestellt werden können?
Ja, noch nicht elektronisch ausgestellt werden Rezepte für Heilmittel. Gemeint sind Maßnahmen der Physikalischen Therapie, der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie, der podologischen Therapie, der Ergotherapie sowie der Ernährungstherapie. Außerdem Rezepte für Hilfsmittel, also alles, was man im Sanitätshaus bekommt. Betäubungsmittel sind ebenfalls noch nicht E-Rezept-pflichtig. Auch der Ärztliche Bereitschaftsdienst stellt noch keine E-Rezepte aus, ebenso wenig ein Arzt auf Hausbesuch. Auch in Heimen gilt die Neuregelung noch nicht.
Kann es zu Problemen bei der flächendeckenden Umstellung zum 1. Januar 2024 kommen?
„Alle Kassenarztpraxen in unserem Gebiet sind technisch darauf eingestellt und perfekt ausgestattet“, weiß Dr. Friedrich-Karl Schmidt. Er und seine Kollegen rechnen deshalb nicht mit Problemen. „Etwas holprig kann es aber die ersten Tage schon werden“, vermutet Dr. Tilman Steinhausen. „Dann hoffen wir, dass sich alles eingespielt hat.“
Und wie ist die Situation in den Apotheken?
„Wir sind ready“, sagt Apothekerin Anne Katrin Frauenkron. Nach der Testphase seit Juli 2023 sei kaum mehr Sand im Getriebe des digitalen Systems. Sie lobt die gute Abstimmung und die Zusammenarbeit mit dem Verein Regiomed. „Dadurch konnten wir vieles vereinfachen“, sagt sie. Auch Frauenkron favorisiert die Kartenlösung vor der App. „Da hat man einfach was Haptisches“, so die Apothekerin.