Als die Weinheimer Hauptstraße noch Steinweg hieß
Historische Aufnahmen - unter anderem von dem Bereich, der heute Weinheims Fußgängerzone ist - lagern in der Bilderabteilung des Weinheimer Stadtarchivs.
Historische Aufnahmen der heutigen Fußgängerzone aus den 1880er-Jahren sind Schätze im Bilderarchiv des Stadtarchivs Weinheim. Wenn man das Pflaster betrachtet, den damaligen Straßenbelag, dann weiß man, warum Weinheims Hauptstraße jahrhundertelang Steinweg hieß und diesen Namen, der in lateinischen Urkunden um 1300 als „via lapidea“ erscheint, erst 1887 verlor.
Damals wurden offiziell Straßennamen eingeführt und weil Weinheim kein unbedeutendes kurpfälzisches Landstädtchen mehr sein wollte, verputzte es seine Fachwerkfassaden und gab sich eine Hauptstraße. Unter dem Steinweg empfand man damals die Straße, die aus der Neustadt hinausführte, nach Norden. Sie hatte als einzige Weinheimer Straße ein stabiles Pflaster, über das der Fernverkehr zwischen Heidelberg und Frankfurt floss, weil es die heutige Bergstraße noch nicht gab.
Der Steinweg war in alter Zeit unbebaut, nach der verwaltungsmäßigen Vereinigung von Altstadt und Neustadt im Jahre 1454 wuchs die Bebauung aufeinader zu und im 18. Jahrhundert gab es am Steinweg kaum mehr eine Baulücke. Eine der wenigen verrät das historische Bild mit dem Blick von der Neustadt nach Norden zum Rossmarkt, auf dem sinnigerweise heute die Reiterin steht. Das Tor links markiert den heutigen Zugang zur Burgenpassage, die Treppen führten einst hinauf zum Gasthaus „Roter Löwe“ (heute Drogeriemarkt Müller), in dem sich die Zünfte der Bäcker, Küfer und Schuhmacher trafen, und der Röhrenbrunnen dürfte vor dem Nachbargebäude gestanden haben, in dem die Familie Krautinger eine lange Caféhaus-Tradition pflegte.
Wenn die alten Weinheimer beim Niedertor (später Engelapotheke) die Neustadt verließen und den Steinweg hinausgingen, sagten sie: „Mer gehn’s Plaschter naus“. Auch diese Aufnahme von 1880 macht deutlich, woher das Steinwegviertel, eines der acht historischen Stadtviertel, seinen Namen hatte. Es erstreckte sich vom Stadtgraben, der heutigen Grabengasse, bis zum Rossmarkt. Dort wohnten viele Handwerker. Später, als Handwerker und Händler ihre Verkaufsstände zu den Weinheimer Märkten nicht nur innerhalb der Stadtmauern aufbauten, sondern auch außerhalb, und bald die Stände durch feste Häuser ersetzten. wurde das Steinwegviertel zum wichtigsten Geschäftsviertel der Stadt.
Jeden Herbst fand am Rossmarkt ein Pferdemarkt statt. Bei der heutigen Dürreplatz-Kreuzung gab es damals übrigens eine „Wehre“: quer über den Steinweg lag ein Schlagbaum. Er sollte verhindern, dass das Weidevieh „uffm Stoaweg“ spazieren ging. -ell