Auch in Weinheim sterben immer mehr Menschen einsam
Bei „Sozialbestattungen“ ist die Kommune in der Pflicht. Aber wer gibt den Menschen das letzte Geleit? In Weinheim wollen sich Stadt und Kirchengemeinden des Themas annehmen.
Immer mehr Menschen sterben einsam und ohne dass sich Angehörige um ihre Bestattung kümmern können. Oft fehlt auch das Geld, um selbst für die Beerdigung aufkommen zu können. Bei sogenannten „Sozialbestattungen“ ist die Kommune in der Pflicht. Für die Friedhofsverwaltung in Weinheim sind diese Beisetzungen aber viel mehr als reine Verpflichtung, sondern ein Zeichen würdevoller Pietät nach dem Tod.
Bereits 2021 wurde deshalb ein eigenes Grabfeld geschaffen, in dem Menschen ohne Angehörige oder ohne Familie, die die Beisetzung finanzieren kann, eine letzte Ruhestätte finden können. Ein Eichenstamm auf dem rund 110 Quadratmeter großen Grabfeld bietet Platz für die Plaketten, auf denen die Namen und das Geburts- und Sterbejahr der Verstorbenen verewigt sind.
Das Leben anderer berührt
Jetzt wollen Stadtverwaltung und Kirchengemeinden erstmals eine gemeinsame Trauerfeier für diese Menschen veranstalten. „Denn niemand stirbt völlig allein“, glaubt Pfarrer Joachim Dauer, Leiter der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg. Er weiß aus Erfahrung, selbst wer zuletzt alleinstehend war, hat das Leben von anderen Menschen berührt. „Für diese Menschen ist es von Bedeutung, im Rahmen einer Trauerfeier Abschied zu nehmen.“
Gemeinsame Aktion
Gemeinsam mit seiner evangelischen Kollegin Pfarrerin Ute Haizmann regte Dauer deshalb die ökumenische Gedenkfeier an, die Freunden, Bekannten und Nachbarn die Möglichkeit bietet, sich von einem Menschen zu verabschieden, der ihnen nahestand oder den sie auch nur aus der Ferne kannten. Im Weinheimer Rathaus traf die Idee auf offene Ohren, auch wenn zur Einäscherung jetzt noch die Kosten für die Trauerhalle, die musikalische Umrahmung und das Geleit zum Grab kommen.
Die Kirchengemeinden stellen ohnehin keine Rechnung. „Ein Dienst der Nächstenliebe“, so nennt es Pfarrerin Haizmann, die das Projekt bereits in ihrer Kirchengemeinde an der Peterskirche vorgestellt hat und von großer positiver Resonanz berichten kann. „Das Thema haben viele Menschen gar nicht auf dem Schirm“, sagt sie. Dabei sei das Bedürfnis nach dem Abschiednehmen groß, selbst wenn es sich nur um einen entfernten Bekannten handelt.
Natürlich gibt es auch Menschen, die anonym bestattet werden möchten, bei den Beisetzungen von alleinstehenden Menschen sei das jedoch nicht der Fall, weiß Pfarrer Dauer. Dort fehle einfach derjenige, der sich kümmert. Und hier sehen sich Kirchengemeinden und Stadtverwaltung auf den Plan gerufen.
Seit Juli des zurückliegenden Jahres waren in Weinheim sechs Menschen auf eine Sozialbestattung angewiesen. „Und es werden in Zukunft immer mehr werden“, befürchtet Michael Müller, Leiter der Weinheimer Friedhofsverwaltung. Denn der Kreis der Menschen, die keine Angehörigen mehr haben oder vom Sozialamt abhängig sind, wird immer größer.
Das letzte Geleit
Geplant sind nach der Premiere am Dienstag weitere Gedenkfeiern in gebührendem Abstand, in jedem Fall aber, wenn sechs Urnen zusammengekommen sind. Der Trauergottesdienst wird von Pfarrer Dauer und Pfarrerin Haizmann gemeinsam gestaltet. Im Anschluss wird den Verstorbenen das letzte Geleit gegeben.
Am Dienstag, 19. März, um 14 Uhr wird auf dem Hauptfriedhof in Weinheim Abschied genommen von Stefan Teskac († 31.7.2023), Stefan Wieja († 15.9.2023), Kevin Vogel († 16.9.2023), Hans Korfant († 21.10.2023), Irene Krüger († 15.11.2023) und Hugo Freidel († 1.2.2024).