Weinheim

Aus Wut über Sohn: Mutter soll Bettdecke in Brand gesteckt und Großeinsatz ausgelöst haben

Eine 51-jährige Frau aus Weinheim steht vor Gericht, angeklagt wegen schwerer Brandstiftung. Der Vorfall, der sich in einer Juninacht 2022 ereignete, führte zu einem Großeinsatz der Feuerwehr und verursachte erheblichen Schaden.

Ein zweiter Trupp begab sich zur Rückseite des Gebäudes, um einen weiteren Löschangriff zu starten. Foto: Feuerwehr Weinheim
Ein zweiter Trupp begab sich zur Rückseite des Gebäudes, um einen weiteren Löschangriff zu starten.

Einer 51-Jährigen aus Weinheim wird am Donnerstag der Prozess vor dem Amtsgericht wegen schwerer Brandstiftung gemacht. Der mehrfach vorbestraften Mutter wird vorgeworfen, in einer Juninacht 2022 in einem Wutanfall in das Zimmer ihres Sohnes gegangen zu sein und dort seine Bettdecke angezündet zu haben. "Weil sie sich über das Verhalten des Sohnes geärgert habe", liest Amtsrichterin Eva Lösche aus der Anklageschrift vor.

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Feuer frisst sich durch das Gebäude

Die Folge: Von der Bettdecke breiteten sich die Flammen erst im Zimmer, dann in der Küche und im Anschluss in der ganzen Wohnung des Mehrfamilienhauses in der Weststadt aus. Schließlich arbeitete sich das Feuer auch zu anderen Gebäudeteilen vor und stellte eine Gefahr für die Bewohner sowie die benachbarte Immobilie dar.

Die Feuerwehr musste damals mit allen Abteilungen ausrücken. Es bestand Unklarheit, ob sich noch Menschen im Gebäude befanden. Die Brandbekämpfer begaben sich also mit Atemschutzmasken ins Innere, um nach Personen zu suchen - und wurden fündig. Mehrere Menschen mussten aus dem Objekt evakuiert werden.

Schwerer Kampf

Währenddessen wurde draußen alles in Stellung gebracht. Die Einsatzkräfte zapften das Hydrantennetz an und rollten die Wasserschläuche aus. Geräte, auch zum Ausleuchten des Brandobjekts, wurden positioniert. Die Drehleiter wurde in Stellung gebracht.

Mittlerweile hatte sich ein Angriffstrupp aus Feuerwehrmännern und -frauen bereits in die Wohnung und zum Brandherd begeben, wo sie gegen die Flammen ankämpften. "Die Temperaturen waren so heiß und der Brand schon so weit ausgedehnt, dass es die Einsatzkräfte sehr schwer hatten", erklärte Feuerwehrsprecher Ralf Mittelbach damals gegenüber der WNOZ.

Plötzlich regnete es Glas

Die Einsatzkräfte sahen die Hand vor Augen nicht. Dicker schwarzer Rauch quoll ihnen entgegen. Lüfter wurden in Stellung gebracht, um ihn aus dem Gebäude zu blasen.

Plötzlich regnete es Glas: Die Hitze hatte die Fenster in der darüberliegenden Wohnung zum Platzen gebracht. Das Feuer hatte sich bis dahin bereits in die Gebäudefassade hineingefressen, drohte auch, das Apartment im ersten Stock und womöglich das Dach in Brand zu stecken.

Angriff von zwei Seiten

Ein zweiter Trupp begab sich zur Rückseite des Gebäudes, um einen weiteren Löschangriff zu starten und auch das Nachbargebäude zu schützen, das nun ebenfalls in akuter Gefahr war.

Durch die gebündelten Strähle von zwei Seiten konnte das Feuer schließlich endlich unter Kontrolle gebracht werden. Gegen Mitternacht machten sich die Einsatzkräfte an die sogenannten Nachlöscharbeiten, bei denen sie mühevoll die Glutnester im Haus beseitigten.

Feuerwehrmann attackiert

Die Bilanz: Eine Person kam mit dem Verdacht auf eine Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Ansonsten wurde glücklicherweise niemand verletzt. Der Schaden wurde zunächst auf 100 000 Euro geschätzt, in der Anklage sind von 150 000 Euro die Rede. Ein Leben forderte das Feuer dennoch: Für eine Katze kam jede Hilfe zu spät, sie verbrannte in der Wohnung, die die 51-Jährige in Brand gesteckt haben soll.

Erst später wurde auch ein Feuerwehrmann schwer verletzt. Weil die Wohnung, in der der Brand ausgebrochen war, und vier weitere Appartements nicht mehr bewohnbar waren, sollten die Betroffenen in einem Hotel untergebracht werden. Während noch Details geklärt werden mussten, soll dies einem Betroffenen zu lange gedauert haben. Nach Angaben der Feuerwehr redete er sich so in Rage, dass er zum Angriff überging. Der Mann verletzte einen der Brandbekämpfer so schwer im Gesicht, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste.

Nicht unter einem Jahr

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Angreifer steht ihm noch bevor. Die Weinheimer Bürgerin, die die Ereignisse der Juninacht 2022 ausgelöst haben soll, sitzt hingegen am Donnerstag auf der Anklagebank. Laut Richterin Eva Lösche wolle die 51-Jährige sich geständig zeigen. Klar ist aber: "Der einschlägige Paragraf ist der § 306a Abs.1 Nr. 1 StGB. Dieser sieht eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr vor", erklärt die Richterin.