Betroffener erzählt: Welche Spuren Einbrecher hinterlassen
Als Sebastian Bender beim Einkaufen die vermummten Gestalten auf seinem Handy sieht, erschrickt er "zu Tode". Seine Überwachungskamera zeichnet gerade einen Einbruchsversuch auf. Aber wie kann Sicherheitstechnik Einbrüche verhindern?
„Ich bin zu Tode erschrocken!“, berichtet Sebastian Bender Ende 2024 von seiner Reaktion, als er auf seinem Handy die Aufnahmen der fremden Männer vor seiner Haustüre sieht. Der 42-Jährige ist gerade einkaufen, als er die Live-Übertragung von einer App, die mit seiner heimischen Überwachungskamera verknüpft ist, auf sein Smartphone ausgespielt bekommt. Zu sehen sind zwei vermummte Gestalten, die um sein Haus herumschleichen. Er ruft die Polizei und macht sich auch selbst auf den Weg nach Hause. Die dreiminütige Fahrt ist eine Achterbahn der Gefühle. Der Lützelsachsener trifft quasi zeitgleich mit den Ordnungshütern ein. Die mutmaßlichen Kriminellen – verschwunden.
Glücklicherweise konnten sich die zwei keinen Zutritt ins Innere des Hauses verschaffen. Der mutmaßliche Einbruchsversuch war gescheitert. „Ich hätte mir die Jungs gerne selbst geschnappt“, erinnert sich Bender an seine ursprüngliche Reaktion in der Hitze des Gefechts. Doch die Polizei habe ihm gut zugeredet und ihn beruhigen können. Anschließend wurde das Gelände gesichert, der Garten und das Haus von den Beamten durchsucht.
Der Familienvater ist für die gute Arbeit der Polizei sehr dankbar. „Es war auch für die Kinder sehr beruhigend.“ Sie sind seine größte Sorge: „Ich möchte nicht, dass die Kinder etwas mittragen oder davon geschädigt sind.“
Auch wenn es beim Versuch geblieben ist: Spuren hat der Vorfall bei der Familie mit zwei kleinen Kindern allemal hinterlassen. „Man nimmt es jeden Tag mit ins Bett“, sagt er. Bender achte viel mehr auf Geräusche, sei deutlich angespannter und schneller in Alarmbereitschaft. In den vier Jahren, in denen der Unternehmer nun im Weinheimer Stadtteil Lützelsachsen wohnt, hat er über die Nachbarn und die Medien schon von einigen Einbrüchen im nahen Umfeld gehört. „Dann erwischt es einen selbst.“
Schutz durch Einbruchmeldeanlage
Experte Ralf Scheckenbach beobachtet dieser Tage, dass das Schutzbedürfnis bei vielen Menschen in den Vordergrund rückt. Gerade Ende vergangenen Jahres sei die Nachfrage beim Weinheimer Unternehmen „Alarm- und Sicherheitstechnik Lohrer“ gestiegen, so der Vertriebsleiter. Das habe mit der Welle von Einbrüchen und Einbruchsversuchen in der Region (wir haben berichtet) zu tun gehabt. Diese habe dazu geführt, dass sich so mancher Bürger über mögliche Wege, sein Haus zu sichern, informiert hat.
Gute Erfahrungen mache Lohrer mit den sogenannten Einbruchmeldeanlagen – schon wegen ihres abschreckenden Charakters. Die allgemeine Annahme, dass Überwachungskameras oder Sirenen signalisierten, dass es in dem Objekt, in dem sie installiert sind, etwas zu holen gibt, ist Scheckenbachs Einschätzung nach nicht richtig. Außensignalgeber mit einer Blitzlampe oder einer Sirene schreckten potenzielle Täter vielmehr ab. Doch worum handelt es sich bei Einbruchmeldeanlagen genau?
Die Grundausstattung solcher Anlagen besteht zunächst aus einem Öffnungsmelder. Dieser überwacht das Öffnen und Schließen von Türen und Fenstern, die auch von außen erreichbar sind. Für die Innenraumüberwachung werden Bewegungsmelder genutzt. Sie werden im Flur oder in bestimmten Räumen platziert, um die Einbrecher zu erfassen. Der Hauptbestandteil einer Anlage ist die Zentrale. Damit werden alle Elemente der Einbruchmeldeanlage gesteuert. Hier sorgen zwei voneinander unabhängige Energiequellen, Netz- und Batteriestrom, für eine Notstromversorgung, die bis zu 60 Stunden anhält. Mit einer Schalteinrichtung wird die Anlage scharf geschaltet. Zudem soll ein Alarmierungssystem mit Außen- oder Innensirenen potenzielle Täter abschrecken und Nachbarn sowie Mitarbeiter der Sicherheitsfirma informieren. So eine Einbruchmeldeanlage kann zwischen 10 000 und 15 000 Euro kosten – je nach Modell.
Um sein Zuhause zu schützen, sind auch gesicherte Fenster eine weitere Option. Durch diese bleibt es häufig nur bei dem Einbruchsversuch. „Bei einem normalen Fenster dauert es circa 45 Sekunden, bis es ein Einbrecher geöffnet hat. Bei gesicherten Fenstern dauert es zwei bis drei Minuten“, erläutert Ralf Scheckenbach. Nach so einer langen Zeit werden die Täter ungeduldig und lassen oftmals von dem Fenster ab. Überwachungskameras können nicht nur während, sondern auch nach einem Einbruch oder dessen Versuch helfen. Die Aufnahmen können von den Betroffenen an die Polizei weitergegeben werden.
Beratungsstellen
- Die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Heidelberg erreichen Interessierte unter 06221/1857-125 oder unter beratungsstelle.hd@polizei.bwl.de
- Die Beratungsstelle in Mannheim kann unter der Nummer 0621/174-1212 oder unter beratungsstelle.ma@polizei.bwl.de kontaktiert werden.
Hilfe bei den Ermittlungen
Das Polizeipräsidium Mannheim bestätigt auf Anfrage der Redaktion, dass die Videoüberwachung bei Ermittlungen durchaus hilfreich sein kann. Doch die Beamten werfen ihren Blick mehr auf die Prävention, damit es gar nicht erst zu einem Einbruch kommt. So appellieren sie an ein abgestimmtes Sicherheitskonzept und empfehlen die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle, die kostenfreie sicherungstechnische Beratungen anbietet.