„Big Comedy“ in Weinheim
Intelligente Pointen treffen in der Stadthalle auf flache Gags.
Haben die Deutschen Humor? Zumindest lachen sie gerne. Das zeigen die gut frequentierten Comedyshows und -festivals sowie die quotenreichen Comedyspecials in den TV-Sendern oder Streamingdiensten. Doch wie steht es um die Qualität des Comedynachwuchses, der wie Pilze aus dem Boden sprießt? Einen Querschnitt durch die Newcomerszene zeigte die Show „Big Comedy“ am Samstagabend in der Stadthalle. Über 500 Zuschauer hatten – den Lachsalven nach zu urteilen – zwei Stunden lang einen Riesenspaß, auch wenn die Gags mal flach gerieten oder kleine Schwächen durch Hin- und Herlaufen überspielt wurden.
Aus der Comedy-Trickkiste
Die Rolle des Moderators hatte Falk Schug aus Köln übernommen. Der quirlige Schnellsprecher mit dem Dutt setzte auf das bei Komikern beliebte Crowd-Working. Das heißt, er bezog das Publikum mit den üblichen Fragen à la „Wie heißt Du? Wo wohnst Du? Was machst Du beruflich?“ mit ein, was auch mal ins Peinliche abrutschte, wenn er einen Zuschauer fragte: „Wer hat Dich denn mit kurzen Hosen aus dem Haus gelassen.“
Portion Boshaftigkeit
Den Auftakt der Comedyshow machte Samuel Sibilski. Der Wahlberliner mit westafrikanischem Einschlag ist bekannt für seinen Sarkasmus, den er mit intelligenten Pointen würzt. Dazu kommt noch eine gehörige Portion Boshaftigkeit. Wenn ihn zum Beispiel die Frage beschäftigt: „Wie kann bitte eine 96-jährige KZ-Sekretärin aus dem Knast fliehen?“ Lästig sei ihm, dass er in der Berliner Fußgängerzone immer wieder von Schwarzafrikanern mit „He Bro, was geht?“ angesprochen werde, obwohl er Einzelkind sei und keine Brüder habe.
Preisgekrönte Comedy
Ein völlig anderes Kaliber verkörpert Alex Stoldt aus Hamburg. Ohne jegliche Mimik und Gestik mit schleppender Stimme erinnert er ein wenig an Rüdiger Hoffmanns „Hallo erstmal“. Im vergangenen Jahr wurde ihm der begehrte „Prix Pantheon“ verliehen. Stoldts Kunst liegt darin, seine gut gespielte Verklemmtheit durch absolute Reglosigkeit zu betonen, um sich dann unter dem tobenden Lachen der Zuschauer mit einer plötzlichen Drehung oder einem Luftsprung daran zu erinnern, dass ihm sein Coach mehr Choreografie empfohlen habe. Es folgte Amir Shahbazz aus Bretten. Er verkörpert den Heimatlosen mit muslimischem Hintergrund, der ständig zwischen den Stühlen sitzt. Amir hat Angst vor Spinnen und Kinderlieder wie „Ein Männlein steht im Walde“ oder „La le lu, nur der Mann im Mond schaut zu“ haben für ihn einen pädophilen Touch. Einer seiner Comedian-Kollegen habe ihn wochenlang mit der Frage genervt, was er als Türke in Deutschland von Erdogan halte. Bis ihm schließlich der Kragen geplatzt sei und er geantwortet habe: „Gar nichts, meine Heimat Pakistan liegt 3500 Kilometer entfernt.“
Fröhlich ohne Niveau
Und dann kam Saskia Fröhlich, der einzige weibliche Akteur des Abends. Sie wird als die Frau vorgestellt, die vor nichts zurückschreckt. Und das tut sie dann auch nicht, indem sie sich ausschließlich mit den unteren Körperöffnungen und dem, was sie absondern, beschäftigt. Dass die Zuschauer trotz unterirdischem Niveau über ihre Gags lachen, die keine sind, macht diesen Auftritt doppelt tragisch. Sehr schade, denn die Show hatte durchaus das Potenzial für einen amüsanten,abwechslungsreichen Cocktail aus Comedy gehabt, der darüber hinaus auch noch Niveau besaß.