Kultur

„Die, die reden“ - Murat Efe Süzer lädt zur interaktiven Comedy-Show ins Hemsbacher Max 

Bei seiner neuen Show dreht Murat Efe Süzer den Spieß um: Es geht um die Geschichten der Zuschauer - und darum, gemeinsam zu lachen.

Murat Efe Süzer im Plausch mit drei Teilnehmerinnen bei der ersten Auflage von „Die, die reden“. Foto: Noah Samstag
Murat Efe Süzer im Plausch mit drei Teilnehmerinnen bei der ersten Auflage von „Die, die reden“.

Hemsbach. Die Feuertaufe hat er bereits im Improtheater in Mannheim bestanden, jetzt drängt Murat Efe Süzer an die Bergstraße, genauer auf die Bühne im Hemsbacher Max. Alle zwei Wochen will der 45-Jährige dort seine Show „Die, die reden“ anbieten. Süzer dreht dabei den Spieß um: Er moderiert die Show nur, „die, die reden“ sind die Zuschauer. Der gebürtige Weinheimer kennt viele Menschen aus verschiedenen Ländern. „Jeder hat seine eigene Geschichte“, sagt er und betont: „Die ist erzählenswert.“

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Auf die Idee, gewissermaßen die Geschichten seiner Zuschauer auf die Bühne zu bringen, kam der Deutschtürke bereits vor einem Jahr. Das Improtheater in Mannheim stellte ihm dann spontan seine Räumlichkeiten zur Verfügung, um sich mit dem Format zu beweisen. Vor knapp zwei Wochen hat er – mit Einverständnis der Zuschauer – Ausschnitte der Comedy-Show auf YouTube veröffentlicht und unisono das Lob derer erhalten, die das Video gesehen haben. Weitere Veranstaltungen und Videos sollen folgen.

Behindertengerechter Zugang

Auf der Suche nach einer Location an der Bergstraße stieß er auf das Max in Hemsbach. Das gefiel ihm unter anderem deshalb, weil die Kulturbühne über einen Fahrstuhl auch für Behinderte zu erreichen ist. „Ich will Menschen Mut machen, die eine Behinderung haben. Das ist mir eine Herzenssache“, sagt er dazu. Mit Pächter Davide Follo wurde er schnell einig, und so wird dort im nächsten halben Jahr alle zwei Wochen am Samstagabend die „interaktive Comedy-Show“ stattfinden, wie Süzer sein Angebot selbst nennt. Den ersten Auftritt hatte er am vergangenen Samstag, zur nächsten Show lädt er 22. Februar ein.

Süzer ist kein gelernter Entertainer. Er arbeitet in Mannheim als Produktentwickler bei der Firma Freshtuch, die unter anderem Erfrischungstücher für Werbekunden vertreibt und die ersten Auftritte auch sponsort. Von seinen Kollegen und Freunden wurde der aufgeschlossene und kommunikative Mittvierziger nach Kräften ermuntert, nach Feierabend auf die Bühne zu wechseln, und folgte diesem Rat nach einigen Irrungen und Wirrungen auch.

„In mir sind beide Kulturen“

Süzer wurden in Weinheim geboren, seine Eltern kamen von der Türkei nach Deutschland. Später zog die Familie in eine Bergstraßengemeinde nahe Weinheim, in der Süzer auch heute noch lebt. Die Bergstraße findet er „geil“. Er ist aber auch gerne in der Türkei. „In mir sind beide Kulturen“, sagt er.

Murat Efe Süzer hat manchmal den Schalk im Nacken. Als er in Istanbul einmal im Bus saß, fragte er laut in die Runde, wer denn Deutsch verstehe. Ein Landsmann antwortete auf Deutsch: „Woher kommst du denn?“ Er hat keine Berührungsängste gegenüber anderen Kulturen. „Meine besten Freunde sind Griechen“, sagt er. Kulturelle Vielfalt sucht er auch in seiner Show. „Bei uns ist jeder willkommen.“

Perfekte Mischung

Sein Angebot sieht er als „perfekte Mischung aus Unterhaltung, Interaktion und guter Stimmung“. Es gibt aber auch Tabus: Über Religion, Politik und Sexualität möchte er in der Show nicht reden. Sie soll vor allem Spaß machen, das Publikum soll lachen, betont Süzer und nennt sein Credo: „Je lauter wir lachen, desto mehr werden wir.“

Ein Abend verläuft in der Regel folgendermaßen: Einlass ist ab 18 Uhr, um 18.45 Uhr startet dann die erste Runde, in der die Gäste über ihre Fantasien und Wünsche für die Zukunft oder etwa lustige Geschichten erzählen können, bei denen etwas dumm gelaufen ist. Die zweite Runde ist dann ein wenig tricky: Murat Efe Süzer bedient sich da nämlich aus einem Pool von Fragen, die ihm von außen zur Verfügung gestellt wurden und die er selbst nicht kennt. Bei der ersten Vorstellung in Mannheim lauteten die beispielsweise: „Was würdest du alles für Geld machen?“, oder „Was war Deine schlimmste Datingerfahrung?“ Zweieinhalb Stunden dauert die Veranstaltung in der Regel. Gut gelaufen ist sie, wenn das Lachen die Teilnehmer verbindet.