Brandserie vor Behindertenwohnheim reißt nicht ab: Polizei sucht nach mutmaßlichem Feuerteufel
Die Müllcontainer-Brände vor dem Lützelsachsener Pilgerhaus gehören mittlerweile zur traurigen Tagesordnung. Samstag, Sonntag, Montag: Drei Tage hintereinander zündelte jemand vor der Einrichtung, in der zahlreiche Behinderte leben. Feuerwehrkommandant Bernd Meyer hat klare Worte. Jetzt macht die Polizei Jagd auf den oder die Feuerteufel.
Die Brandserie am Lützelsachsener Pilgerhaus reißt nicht ab. Schon wieder zündete am Montagabend ein mutmaßlicher Feuerteufel Müllcontainer vor der Einrichtung an, die viele behinderte Menschen beheimatet – darunter auch Kinder. Mittlerweile sind diese Vorkommnisse an der Tagesordnung. Feuerwehrkommandant Bernd Meyer findet im WNOZ-Gespräch deutliche Worte: „Wir haben es im Pilgerhaus mit einem sehr erhöhten Gefährdungspotenzial der Bewohner zu tun.“ Wenn es zum Ernstfall kommt, müssen teils schwerstbehinderte Menschen evakuiert werden, die mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen werden.
Behinderteneinrichtung in Sorge
Pilgerhaussprecherin Vanessa Schmidt zeigt sich im Gespräch mit der WNOZ besorgt. Nach Angaben der Sprecherin werden im Pilgerhaus 180 Menschen mit Behinderung betreut, davon leben 130 auf dem Gelände. Bei einem der Brände musste bereits eine Wohngruppe evakuiert werden, weil die Qualmentwicklung so stark gewesen war, dass ein Gebäude ausgeräuchert wurde.
„Toi, toi, toi – bisher haben wir viel Glück gehabt, die Brände sind glimpflich ausgegangen“, sagt Feuerwehrkommandant Bernd Meyer. Bei den starken Winden, wie sie zurzeit herrschen, wolle der Kommandant der Weinheimer Feuerwehr „sich nicht ausmalen“, was alles hätte passieren können. Im schlimmsten Fall hätten die Luftströme dazu führen können, dass die Brände auf angrenzende Gebäude übergreifen.
Polizei geht von Tatzusammenhang aus
Bei zwei Vorfällen ist es wohl auch dem Eingreifen von beherzten Anwohnern zu verdanken, die die Flammen bis zum Eintreffen der Feuerwehr in Schach hielten, dass es zu keinem größeren Unglück gekommen ist. Dass es sich bei den Müllcontainerbränden, zu denen es seit einigen Wochen immer wieder vor dem Pilgerhaus Lützelsachsen kommt, um eine Reihe von Zufällen handelt, glaubt Kommandant Meyer nicht. Nun geht auch die Polizei von einem Tatzusammenhang aus, erklärt Sprecherin Sarah Winterkorn vom Polizeipräsidium Mannheim. Eine Verbindung zum Heckenbrand in der nahe gelegenen Horrackerstraße könne jedoch ausgeschlossen werden: „In diesem Fall konnten drei strafunmündige Kinder als Verursacher ermittelt werden.“
„Die Person muss sich bewusst machen: Sie spielt buchstäblich mit dem Feuer“, so Meyers Warnung mit Blick auf die Feuer vorm Pilgerhaus. Vorsätzliche Brandstiftung sei kein Kavaliersdelikt. Zumal bei den Bränden eine Gefährdung von Menschen billigend in Kauf genommen wird. Bisher handelt es sich „nur“ um Sachschäden, die verursacht wurden. Nach Polizeiangaben bewegen sie sich im hohen dreistelligen Bereich.
Wieder heulen die Sirenen
Beim Anruf der WNOZ am Montagmorgen liefen im Pilgerhaus mal wieder die Aufräumarbeiten. In der Nacht zuvor wurden dort, wie bereits Samstagnacht, mehrere Müllcontainer angezündet. Bereits am Montagvormittag heulten dann wieder die Feuerwehrsirenen: Fünf Autominuten vom Pilgerhaus entfernt waren auf einem Privatgrundstück im benachbarten Hohensachsen zwei Mülltonnen angezündet worden.
Seit Anfang Oktober halten die Vorkommnisse die Feuerwehren aus Weinheim und Lützelsachsen-Hohensachsen auf Trab. Am 9. Oktober stand ein Mülleimer an der Straßenbahn-Haltestelle „Lützelsachsen, Pilgerhaus“ in Flammen. Noch in derselben Woche brannten dann Müllcontainer vor dem Pilgerhaus selbst. Ein Nachbar, selbst Feuerwehrmann, hatte zuvor einen Knall vernommen. Er rief seine Kameraden und hielt das Feuer mit einem Gartenschlauch in Schach, bis die Feuerwehr anrückte. Es war die Nacht, in der auch eines der Wohnhäuser evakuiert werden musste.
Ruhe vor dem Sturm
Nachdem für einige Zeit Ruhe eingekehrt war, scheint die Brandserie vor dem Pilgerhaus wieder zu entfachen. Die Verantwortlichen der Einrichtung wollen nun in engen Austausch zur Polizei treten. Die Feuerwehren aus Weinheim befinden sich bereits in einem solchen, um ihre Erkenntnisse mit den Ordnungshütern zu teilen. Nach Angaben von Kommandant Meyer gab es bislang jedoch weder Augenzeugenberichte noch Beweise, die gefunden wurden. Er appelliert an die Anwohner, wachsam zu bleiben.
Das Polizeipräsidium Mannheim erklärt indes, dass die Ermittlungen des zuständigen Polizeireviers derzeit noch andauern. „Über das weitere Vorgehen sowie über die laufenden Ermittlungen können wir derzeit keine weiteren Auskünfte erteilen“, erläutert Sprecherin Winterkorn.