Einziger Bürgermeisterkandidat bekommt fast 82 Prozent der Stimmen
Bei der Bürgermeisterwahl in Rimbach trat nur Amtsinhaber Holger Schmitt an. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 40 Prozent.
Bei der Bürgermeisterwahl in Rimbach lautete die zentrale Frage nicht, „ob“, sondern „wie viel“. Denn dass Kandidat und Amtsinhaber Holger Schmitt wiedergewählt würde, stand schon so gut wie fest, nicht zuletzt, weil es keine Konkurrenz gab. „Ich bin jetzt schon bissel aufgeregt“, gibt er trotzdem zu Protokoll, kaum dass die Wahllokale geschlossen sind.
Er muss indes nicht allein auf die Ergebnisse der Auszählung warten: Zu den Ersten, die sich im Rathausfoyer zu ihm gesellen, gehören seine Kollegen Erik Kadesch aus Mörlenbach und Milan Mapplassary aus Birkenau – sie kommen als Vertreter der Weschnitztal-Bürgermeister und können die Anspannung verstehen, auch wenn sie beide zu Protokoll geben: „Bei uns dauert es noch eine Weile bis zur Wahl.“ In den Kommunen wird nämlich erst 2027 der Bürgermeister gewählt.
Albersbacher sind die Ersten
Wenig später kommt auch die Familie: Gattin Gabi Kückmann, Tochter Amrei und Sohn Tobias drücken die Daumen; der andere Sohn ist verhindert, dafür ist der 84-jährige Vater Erich Schmitt gekommen. Landrat Christian Engelhardt hat ein Weinpräsent dabei, und Schmitts Familie baut ein eindrucksvolles Häppchenbüffet auf. Allmählich wird es eng im Foyer, und eine gute Viertelstunde nach Schließung der Wahllokale ist die erste Auszählung da: In Albersbach hat Schmitt 83,75 Prozent Ja-Stimmen bekommen – es ist eine erste Tendenz, die sich im Lauf der nächsten Stunde mal mehr, mal weniger deutlich fortsetzt; mit den Briefwählern gibt es 13 Ergebnisse auszuzählen, und nun kommen nach und nach die Ergebnisse aus den Ortsteilen. Immer wieder hat das Übertragungssystem einen „Hänger“, doch auf der Homepage sind die Zahlen schon einsehbar. Nun kommen die Helfer aus den Wahllokalen und schleppen die Urnen ins Amtszimmer. Irgendwann ist die Zählung beendet, und der Bürgermeister bittet alle in den Adam-Schmitt-Saal.
Wahlleiterin Sandra Reibold verkündet das vorläufige amtliche Endergebnis: „81,96 Prozent Ja-Stimmen, die Wahlbeteiligung lag bei 39,64 Prozent.“ Applaus antwortet ihr, und Engelhardt verschafft sich Gehör: „Der neue Bürgermeister ist auch der alte, und er hat in den letzten Jahren bewiesen, was er kann.“ Er gratuliert und bemerkt: „Du hast deine Aufgabe offenbar so gut gemacht, dass die Rimbacher dich mit diesem außerordentlichen Ergebnis belohnt haben.“ Im Namen der Weschnitztal-Bürgermeister klopft ihm Kadesch auf die Schulter: „Dieses Ergebnis zeigt, dass dir die Menschen in Rimbach vertrauen.“
„Ich freue mich, dass Holger weiter im Amt bleibt“, hat Mapplassary zuvor gegenüber der OZ gesagt: Nicht zuletzt deshalb, weil gemeinsam schon viel erreicht worden sei: „Unsere Arbeit wird schwieriger, viele Aufgaben sind einfach nur gemeinsam zu bewältigen.“ Und da freut ihn die Kontinuität.
Bisher sein bestes Ergebnis
Er sei „ergriffen“, gibt Schmitt zurück und sagt zu allererst seiner Familie ein Dankeschön; Tochter Amrei hat ihm im Wahlkampf mit den sozialen Medien geholfen, auch der Rest der Familie sei hinter ihm gestanden, ebenso wie die Unterstützer von CDU, FDP und SPD: „Nur als One-Man-Show kann man so etwas nicht machen.“
Neben der dritten Amtszeit war es vor allem eine hohe Wahlbeteiligung, die sich der Rathauschef gewünscht hat: Mit knapp 40 Prozent hat er auch hier ein respektables Ergebnis eingefahren. Er blickt auf einen „runden, offenen Wahlkampf“ zurück – mit einigen Terminen und Bürgergesprächen in der Kerngemeinde und den Ortsteilen.
Stressig sei das schon gewesen, hat Kückmann vorher gesagt, aber eingeschränkt: „Es war ja nicht das erste Mal.“ Und was es jetzt deutlich entspannter gemacht habe, sei die Tatsache, dass es diesmal zum ersten Mal keinen Gegenkandidaten gab: „Deshalb bin ich relativ gelassen in diese Zeit gegangen.“
Doch von ihrem Mann fällt der Stress nun erst einmal ab, auch wenn er an die zwei „Baustellen“ erinnert, die er neben anderem in den kommenden sechs Jahren abarbeiten will, nämlich den zweiten Haltepunkt für Rimbach und den Fuß- und Radweg nach Albersbach. Bevor jetzt alle auf den Wahlsieg anstoßen, wird der Bürgermeister noch einmal sehr ernst: „Ich denke heute an meine Tochter Kathrin. Denn auch die Menschen, die nicht mehr da sind, sind doch irgendwo mit dabei.“
Der Todestag seiner Tochter ist der Tag nach der Wahl, und so bemerkt er, dass Freude und Unglück auch in diesem Fall nahe bei einanderliegen. Auch das darf Platz haben, betont er: „Denn bei uns geht es nicht so zu wie in Amerika.“
Und fügt noch einen Satz zu den Gegenstimmen hinzu: „Wer Nein angekreuzt hat, war vielleicht in der einen oder anderen Situation enttäuscht. Aber man kann es niemals allen recht machen.“ Die hohe Beteiligung macht ihn gleichwohl dankbar, und er sieht in ihr einen Vorschuss für die kommende Zeit. Dankbar macht ihn nicht zuletzt das Resultat, das er spontan gar nicht zusammenbekommt. Aber: „Das ist mein bisher bestes Ergebnis.“ Auch darauf wird nun angestoßen. Mit Freunden, Weggefährten, Mitgliedern aus Gemeindevertretung und -vorstand. Und schließlich auch mit der Familie.