Hirschberg

Empörung über Hirschberger Drogen-Automaten

In Hirschberg schlägt ein Cannabis-Automat hohe Wellen. Einige der erwerbbaren Substanzen bewegen sich in einem legalen Graubereich.

Seit wenigen Tagen stehen an der Ecke Heddesheimer Straße/Galgenstraße zwei Automaten - in unmittelbarer Nähe zum Sportzentrum. Im linken Automat können Cannabisprodukte gekauft werden. Foto: Hans-Peter Riethmüller
Seit wenigen Tagen stehen an der Ecke Heddesheimer Straße/Galgenstraße zwei Automaten - in unmittelbarer Nähe zum Sportzentrum. Im linken Automat können Cannabisprodukte gekauft werden.

Rechts ein Automat mit kleinen süßen Snacks, Energiegetränken und E-Zigaretten, links einer mit Cannabisprodukten, die solch illustre Namen wie „Zombie Kush“ tragen. Seit etwa einer Woche stehen diese beiden Automaten auf einem Privatgelände an der Kreuzung Heddesheimer Straße/Galgenstraße im Hirschberger Stadtteil Leutershausen. Die Sorge am Ort vor der „Verführung von Jugendlichen“ ist spürbar. Schließlich befindet sich der Standort in unmittelbarer Nähe zum Sportzentrum.

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SPD-Fraktionssprecher Dr. Thomas Scholz sprach in der jüngsten Gemeinderatssitzung dieses heikle Thema an, welches mittlerweile den ganzen Ort beschäftigt. Die Empörung über diesen Automaten zeigt sich auch in einem Beitrag auf Instagram, den Scholz gemeinsam mit der SPD-Gemeinderatskandidatin Sandra Gritsch verfasst hatte: „Süßkram, Getränke, Kuchenriegel – so weit, so harmlos“ heißt es da. „Dann aber auch: CBD (Cannabidiol) und HHC-Produkte (Cannabis) in lustigen, quietschbunten Verpackungen. Das macht uns nicht happy, aber wir respektieren die Gesetzeslage und nehmen diesen Umstand zähneknirschend hin“, ist im Beitrag nachzulesen. Was aber auch in dem Automaten verkauft wird: LSD. Legal – behauptet der Hersteller.

Einige Substanzen in legalem Graubereich

Wenn man ein bisschen recherchiert, zeigt sich aber schnell: Das ist ein sehr grauer Graubereich. Die leicht abgewandelte Form des hier verkauften LSD hat einfach noch nicht Eingang ins Betäubungsmittelgesetz gefunden – legal ist es deshalb tatsächlich, aber legitim auf keinen Fall. „Wir finden es skandalös, dass ein solcher Automat in der Nähe des Sportplatzes und des Jugendhauses mitsamt Skateanlage und Pumptrack aufgestellt und betrieben werden darf. Dort ist ein zentraler Treffpunkt für die Hirschberger Jugend. Unsere Kinder und Jugendlichen sollten nicht mit solchen Produkten behelligt werden. Dieses Zeug ist gefährlich. Durch die freie Verfügbarkeit inklusiver ‚hipper‘ Verpackung scheint es aber so, als wäre alles ganz harmlos.“ Die SPD Hirschberg sagt klipp und klar: „Nein!“

Kaum eine rechtliche Handhabe

Am liebsten sollten die Automaten also wieder verschwinden. Ob dies angesichts der veränderten Gesetzeslage so einfach klappt, wagt der Bürgermeister Ralf Gänshirt zu bezweifeln. Diese teilte er bereits in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend mit. „Wenn ein Land Drogen legalisiert, dann ist dies so“, schüttelte er nur den Kopf: „Wir sind an der Sache dran, werden aber wohl kein Ergebnis in Ihrem Sinne bekommen.“

Wie der Hauptamtsleiter Frank Besendorfer auf Nachfrage der WNOZ mitteilte, habe er bereits mit dem Gewerbeamt gesprochen. „Für das Aufstellen ist keine Baugenehmigung notwendig.“ Hierfür wäre Hirschberg ohnehin nicht zuständig gewesen. Ein weiteres Telefonat mit der Polizei verdeutlichte ihm, dass sich dieser Automat und die Befüllung in einer Grauzone befinde. „Wir werden dies nun prüfen“, kündigte Besendorfer an.

Unternehmer will nicht reden

Der Automatenaufsteller, ein Unternehmer aus Bensheim, beantwortete zwar die Fragen zu den Automaten, untersagte jedoch, ihn namentlich zu nennen sowie ihn zu zitieren.

Wie die WNOZ erfahren hat, überlegt Sandra Gritsch, Elternbeirätin der Martin-Stöhr-Grundschule, wie man sich jetzt gegen die Aufstellung der Automaten organisieren kann. Ein paar Eltern werden die Sportvereine ansprechen, um sie mit ins Boot zu nehmen.