Feuerwehr ehrt Mitglieder und fordert verstärkte Anerkennung des Ehrenamtes
Die Jahreshauptversammlung der Feuerwehr, die von Kommandant Jürgen Stöhr geleitet wurde, war geprägt von Rückblicken, Ehrungen und Forderungen.
Der Rückblick auf das 125-jährige Jubiläum, die Neuwahl des Schriftführers, Beförderungen, Ehrungen und die wiederholte Forderung nach verstärkter Anerkennung des besonderen Ehrenamtes „Feuerwehrdienst“ prägten die rund zweistündige Jahreshauptversammlung der Feuerwehr, zu der Kommandant Jürgen Stöhr neben seinen Kameraden auch Bürgermeister Benjamin Köpfle, eine stattliche Abordnung des Gemeinderates, Kreisbrandmeister Udo Dentz und den Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbandes Thomas Frank willkommen heißen konnte.
43 Einsätze im Jahr 2023
Nach einem ehrenden Gedenken an den verstorbenen Kameraden Gerhard Wind ging Stöhr in seinem Tätigkeitsbericht zunächst auf die Mitgliederentwicklung ein, die mit 36 Aktiven stabil sei. Man müsse bestrebt sein, die Personalstärke auszubauen, und hierfür sehe er die Notwendigkeit einer verstärkten Förderung des Ehrenamtes. Die Wehr sei im vergangenen Jahr zu 43 Einsätzen, davon 14 Brände und 29 Hilfeleistungenn gerufen worden. Es sei erfreulich, dass durch das schnelle Eingreifen größere Schäden abgewendet worden seien. Es sei durch die Unterstützung der Verwaltung gelungen, alle notwendigen Materialien und Gegenstände zur laufenden Unterhaltung anzuschaffen. Bezüglich Fuhrpark und Ausrüstung befinde man sich auf einem guten Level. Um aber den Feuerwehrbedarfsplan erfüllen zu können, sei die Neuanschaffung eines Fahrzeugs notwendig, das für Vegetationsbrände und Personenrettung im Vorgebirge tauglich sei. Hier habe man mit den Planungen begonnen.
Sanierung des Gebäudes wichtig
In einem schlechten Zustand befinde sich das Feuerwehrgerätehaus. Nach dem Einbau der Sektionaltore im vergangenen Frühjahr bestehe hinsichtlich der Umkleidesituation, der sanitären Anlagen und der Fenster im Aufenthaltsraum dringender Handlungsbedarf, sodass eine Erweiterung oder ein Umbau unabdingbar notwendig sei. Problematisch sei weiter die angespannte Parksituation rund um das Gerätehaus. Mit Blick auf die Aus- und Fortbildung erinnerte Stöhr an acht Monats-, zwei Maschinisten- und eine gemeinsame Übung mit Hemsbach sowie zwei Objektbegehungen. Weiter seien externe Lehrgänge besucht worden. So hätten Marvin Weingart den Grund- und Funklehrgang, Cedric Herrmann, Markus Hörner und Tobias Weik den Truppführerlehrgang und Florian Knoblauch und Marvin Weingart den Atemschutzlehrgang erfolgreich abgeschlossen. Schließlich brachte der Kommandant die überaus erfolgreichen Veranstaltungen des Jubiläumsjahres mit Eröffnung der Bildergalerie, Totenehrung, Grillfest, Human-Table-Soccer-Turnier, Sommernachtsfest, Tag der offenen Tür mit Sternmarsch der Spielmanns- und Musikzüge und den Festkommers in Erinnerung und dankte seinen Kameraden für ihren beispielhaften Einsatz sowie Bürgermeister und Gemeinderat für die Unterstützung und die funktionierende Zusammenarbeit.
50 Jahre Jugendfeuerwehr
Spielmannszugführer Martin Hertinger berichtete von 14 Veranstaltungen mit den Höhepunkten Sternmarsch und Festkommers zum Jubiläum. Die 16 Mitglieder hätten in den mittwochs stattfindenden Proben ein erweitertes Repertoire erarbeitet und wünschten sich neue T-Shirts für sommerliche Aktivitäten, so Hertinger, ehe er ankündigte, sein Amt in jüngere Hände übergeben zu wollen. In Vertretung von Jugendwart Lukas Bisdorf berichtete dessen Stellvertreter Anton Franke, dass man nach einem Zuwachs von vier jetzt auf 39 Jugendliche im Alter zwischen acht und 17 Jahren bauen könne, die von einem Team von acht Ausbildern betreut würden. Im Mittelpunkt der letztjährigen Aktivitäten hätten die Tannenbaumaktion, das Pfingstzeltlager und die Mitwirkung am Tag der offenen Tür gestanden. 2024 feiere man das 50-jährige Bestehen und werde deshalb das Pfingstzeltlager des Unterkreises in Laudenbach auf dem Gelände des Sportschützenvereins ausrichten. Für die Alters- und Ehrenabteilung führte Hermann Wind aus, dass die 15 Angehörigen seiner Abteilung sich rege an den Veranstaltungen der Wehr beteiligten und man auch die Ehefrauen und Frauen verstorbener Kameraden einbinde. Kassenverwalter Muris Spahovic berichtete von geordneten Finanzen und stellte erfreut fest, dass es auch durch die Unterstützung von Spendern und Sponsoren gelungen sei, im Jubiläumsjahr einen Überschuss zu erwirtschaften. „Wir haben als Gesamtwehr gezeigt, dass wir Dinge rocken können“, so Spahovic, der abschließend eine verstärkte politische Unterstützung des Ehrenamtes anmahnte. Stefan Schmitt bescheinigte nach intensiv durchgeführter Prüfung der Buchungsvorgänge eine einwandfreie Kassenführung und auf seinen Antrag erfolgte die einstimmige Entlastung.
Dank von Köpfle
In der Aussprache begann Bürgermeister Köpfle seine Ausführungen mit einem großen Dank und der Anerkennung für das im vergangenen Jahr Geleistete, das neben der Bewältigung des Feuerwehrdienstes durch die Jubiläumsfeierlichkeiten als „Jahr der Feuerwehr“ in Erinnerung bleibe. Auf die erhobenen Forderungen eingehend, führte Köpfle aus, dass man um die Dringlichkeit der Sanierung des Feuerwehrhauses wisse, man aber bislang wegen der ausstehenden Klärung der „Platzsituation“ noch keinen Planungsauftrag vergeben habe. Köpfle führte auch die finanzielle Situation der Gemeinde an, die Sparmaßnahmen auf allen Ebenen bedinge. So habe er in der letzten Gemeinderatssitzung einen Etat mit einem Minus von drei Millionen Euro im Ergebnishaushalt eingebracht. Köpfle bestätigte die Notwendigkeit verstärkter Wertschätzung, erinnerte an den gescheiterten Versuch einer interkommunalen Lösung und die derzeit laufenden Projekte des Landes zur Einführung einer Ehrenamtskarte und würdigte abschließend den guten Austausch zwischen Kommune und Kommando. Kreisbrandmeister Dentz bestätigte der Wehr, sich stets den notwendigen Veränderungen gestellt zu haben, und bestätigte den Handlungsbedarf hinsichtlich des Gerätehauses. Weiter sah er die Notwendigkeit, verstärkt auch den Blick auf den Bevölkerungsschutz zu richten, und regte eine Notstromversorgung für das Haus an. Er kündigte eine Änderung der Förderrichtlinien des Landes an, die eine Erhöhung der Förderbeiträge und eine Vereinfachung der Antragsverfahren vorsehe. Auch Dentz unterstrich, dass es gelingen müsse, durch eine erhöhte Wertschätzung Menschen für den Feuerwehrdienst zu begeistern. Bei den Neuwahlen wurden Markus Hörner, Sebastian Präckel und Stefan Schmitt als Kassenprüfer gewählt und für den nach zehn Jahren berufsbedingt ausscheidenden Schriftführer Lukas Bisdorf wurde in geheimer Wahl Tobias Weik gewählt, der sich gegen Florian Knoblauch durchsetzte.
Bei den Ehrungen wurde zunächst Alexandra Jeck seitens der Jugendfeuerwehr des Rhein-Neckar-Kreises durch Nico Köcher ausgezeichnet, ehe Thomas Frank für den Kreisfeuerwehrverband Nicolas Gerodez und Patrick Höft für 20 Jahre mit der silbernen Ehrennadel, Karl Grössl für 30 Jahre mit der goldenen Ehrennadel, Rolf Wagner und Jürgen Mather für 50 Jahre mit der goldenen Ehrennadel, Gisbert Nasarek für 65 Jahre mit der großen Ehrenurkunde und Willi Pfleger, der leider verhindert war, für 70 Jahre mit dem goldenen Ehrenkreuz ehrte. Udo Dentz nahm die Landesehrungen vor und überreichte Alexandra Jeck für 15 Jahre das Feuerwehrehrenzeichen in Bronze und Nicolas Gerodez für 25 Jahre das Feuerwehrehrenzeichen in Silber. Schließlich ehrte der stellvertretende Kommandant Alexander Bartmann fünf Kameraden für ihren hundertprozentigen Übungsbesuch. Befördert wurden Marvin Weingart zum Feuerwehrmann, Markus Hörner zum Oberfeuerwehrmann, Nicolas Gerodez zum Hauptfeuerwehrmann und Yves Hönig zum Oberlöschmeister. Schließlich richtete Holger Schmitt mit Unterstützung aller Aktiven nochmals einen flammenden Appell an die Versammlung, den Feuerwehrdienst besser anzuerkennen und Anreize zu schaffen für eine Mitgliederwerbung, und unterstrich dabei die drängende Beseitigung der Mängel im Feuerwehrdomizil.