Von der Küche zur Karriere
Erfolgreicher Start bei der AWO: Wie das Freiwillige Soziale Jahr in Weinheim jungen Menschen aus aller Welt neue Perspektiven eröffnet.
Wenn das Geschirr klappert, sind Domoina aus Madagaskar und Julian aus Kolumbien in ihrem Element. Dabei sind die beiden keine Köche, sondern arbeiten im Freiwilligendienst bei der AWO Rhein-Neckar – in der Küche der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Sie belegen Brötchen für den Kiosk und die Cafeteria, machen die Abrechnung für den Mittagstisch, füllen Getränke auf, wirbeln in der Spülküche und lernen so die Grundkenntnisse der Gastronomie kennen – und ganz nebenbei die deutsche Sprache und soziale Kompetenz fürs ganze Leben.
„Moin!“ und „Alla tschüss!“
Selbst „Moin!“ und „Alla tschüss!“ geht dem 29-jährigen Julian schon flüssig über die Lippen, dabei ist er erst seit wenigen Monaten in Weinheim. Da hat es die 22-jährige Josianne aus Ruanda noch deutlich schwerer. Sie arbeitet seit zwei Wochen im Freiwilligendienst bei der AWO und geht in der Küche des Hauptsitzes in der Weinheimer Burggasse zur Hand.
Junge Menschen aus dem Ausland sind mittlerweile ein fester Bestandteil bei der Arbeiterwohlfahrt. Hintergrund ist der Fachkräftemangel. „Es wird immer schwieriger, genügend Leute im eigenen Land zu finden, die ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst machen wollen“, berichtet Heike Wirsching, Sprecherin der AWO. Der Wohlfahrtsverband beschäftigt im Einzugsgebiet über 20 Freiwillige in sozialen Bereichen wie Sozialpsychiatrie, Kinderkrippen, Schulbegleitung und Tagespflegen für Senioren.
Ein Haus, vier Nationen
Um die alle zu besetzen, geht die AWO ungewöhnliche und innovative Wege: Für die ausländischen BFD- und FSJler wurde mittlerweile sogar ein eigenes Haus in Gorxheimertal angemietet. Domoina, Julian und Josianne leben dort zusammen mit einem deutschen Freiwilligendienstler in einer internationalen Wohngemeinschaft. Die Chemie stimmt – bei der Arbeit und im Zusammenleben. Das Gleiche gilt im Zusammenspiel mit den Klienten im Beschäftigungsprojekt im Bereich Sozialpsychiatrie, in dem sie eingesetzt sind. Sie arbeiten also mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen zusammen. Wirsching: „Dies stellt natürlich auch besondere soziale Herausforderungen an die Freiwilligen.“
Zu den Aufgaben gehören die Unterstützung, Begleitung und Motivation der Klienten bei den Tätigkeiten im Beschäftigungsprojekt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das soziale Miteinander. Es sollte eine einfühlsame, anteilnehmende und vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen werden.
Das gelingt, findet Stefan Eppert. Er ist seit dem Jahr 2018 Teil des Küchenteams in der Burggasse und schwärmt von der Lernbegierde der Freiwilligen aus
Freiwillige gesucht
Die AWO Rhein-Neckar sucht jedes Jahr ab September Freiwillige für ein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) und für den BFD, (Bundesfreiwilligendienst) in sozialen Bereichen. Ein Freiwilligendienst dauert in der Regel zwölf Monate in Vollzeittätigkeit. Beim BFD besteht sogar die Möglichkeit, für über 27-Jährige, teilzunehmen und den Dienst in Teilzeit zu absolvieren.
Die Freiwilligen sind bei der AWO Rhein-Neckar ein wichtiger Teil der Teams. Ein freiwilliger Einsatz fördert die Entwicklung der Persönlichkeit, bietet die Chance, sich einzubringen, trägt zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit und Stärkung der sozialen Kompetenz bei, und nicht zuletzt bringt er eine Menge Spaß. Auch ist ein Freiwilligendienst eine gute Vorbereitung auf ein Studium im sozialen Bereich. Interessierte können sich an Heike Wirsching, 06201 4853433 wenden.
Weitere Infos auf www.awo-rhein-neckar.de
Auch Uta Schepers, Chefin aller AWO-Küchen in Weinheim und Hemsbach, ist voll des Lobes: „Unsere Freiwilligen machen das prima!“ Dabei sind sie weit mehr als günstige Arbeitskräfte. Und sie profitieren auch selbst, lernen Kommunikationsfähigkeit, eigenverantwortliches Arbeiten und interkulturelle Kompetenz sowie Teamfähigkeit. Außerdem fördert die Interaktion mit Kollegen und Kunden das Sprachvermögen. Das ist von großer Bedeutung für die Zukunft.
Erfolgsgeschichte „made by AWO“
Domoina, Julian und Josianne wünschen sich eine berufliche Zukunft in Deutschland. Domoina möchte nach ihrem freiwilligen Jahr eine Ausbildung zur Erzieherin machen – im Weinheimer Bach-Kindergarten, so ihr Wunsch. Julian möchte Physiotherapeut werden, und Josianne strebt eine Ausbildung in der Pflege an. Alles Berufe, in denen händeringend Personal gesucht wird. Eine, die auf dem besten Weg ist, ihren Berufstraum in Deutschland zu verwirklichen, ist die 27-jährige Kamilla aus Usbekistan. Auch sie leistete ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der AWO in Weinheim und verschaffte sich so das Rüstzeug für ein Psychologiestudium in Heidelberg.
„Das FSJ war ein tolles Sprungbrett für mich“, sagt sie in astreinem Deutsch. „Ich konnte viele Erfahrungen sammeln und mich adaptieren.“ Bei der AWO fühlt sie sich immer noch zu Hause und arbeitet als Werkstudentin neben dem Studium weiterhin beim Kreisverband. Ihr beruflicher Weg ist schon jetzt eine Erfolgsgeschichte „made by AWO“.