Gehen dem Winzerfest im Weinheimer Ortsteil die Helfer aus?
Die Zukunft des beliebten Festes steht auf der Kippe. Findet es 2024 zum letzten Mal statt? Ein Gespräch mit Stefan Kilian.
Das 77. Bergsträßer Winzerfest vom 4. bis 6. Oktober steht unmittelbar bevor. Seit 21 Jahren ist Stefan Kilian Vorsitzender beim Verkehrs- und Heimatverein im Weinheimer Ortsteil Lützelsachsen und damit federführend verantwortlich für die Organisation und Durchführung des Traditionsfestes. In den vergangenen Jahren hat Kilian wiederholt darauf hingewiesen, dass es zu wenig engagierte Helfer aus den Reihen des Vereins gibt. Wir haben uns mit Stefan Kilian unterhalten. Gut möglich, dass das Winzerfest in dieser Form 2024 zum letzten Mal in der Lützelsachsener Gemeindehalle stattfindet.
Herr Kilian, seit Jahren bemängeln Sie die Hilfsbereitschaft Ihrer Mitglieder. Wie stellt sich die Situation aktuell dar?
Stefan Kilian: Es hat sich in den vergangenen Jahren schon abgezeichnet: Immer weniger Mitglieder sind bereit, mitzuhelfen. Wir haben auch diesmal nur rund 60 Helfer, die teilweise mehrfach an allen drei Tagen zum Einsatz kommen müssen. Es gibt jede Menge Arbeit. Es werden unter anderem Helfer für den Auf- und Abbau, für die Kasse, den Bier- und Weinwagen, den Einlass, die Bar und für die Spülmaschine benötigt. Alle Stationen müssen meist doppelt oder sogar dreifach besetzt werden. Das heißt, wir benötigen jede Menge Manpower. Für unsere verbliebenen Helfer sind die vielen Einsätze einfach nicht mehr zu stemmen und damit längst nicht mehr zumutbar – es ist zu viel Arbeit für zu wenige Personen.
Was sind die Gründe dafür, dass es dem Verein an Helfern mangelt?
Kilian: Das Interesse, sich für einen Verein zu engagieren, hat generell nachgelassen. Ich denke, das ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Die Menschen haben kaum noch Zeit und sind weniger verwurzelt an ihren Wohnorten. Da stehen wir mit unserem Verein nicht alleine da. Gerade erst habe ich eine Anfrage eines anderen Vereins erhalten. Die Verantwortlichen wollten für ihre Feier Helfer aus unseren Reihen rekrutieren. Ein weiterer Grund für die geringe Helferschar ist: Viele nutzen den Brückentag nach dem Feiertag, 3. Oktober, um in Urlaub zu fahren. Dafür muss man natürlich Verständnis haben, aber auch diese Helfer fehlen uns einfach.
77. Bergsträßer Winzerfest
- Bergsträßer Winzerfest vom 4. bis 6. Oktober in der Gemeindehalle Lützelsachsen.
- Für den Auftritt von Allgäu Power am Freitag, 4. Oktober, 18 Uhr, gibt es keine Karten mehr.
- Beim Festabend mit Krönung am Samstag, 5. Oktober, 19.30 Uhr, ist der Eintritt frei. Der Festzug am Sonntag, 6. Oktober, durch die Straßen von Lützelsachsen startet um 14 Uhr.
Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dieser sicher sehr anstrengenden Planungszeit?
Kilian: Es ist definitiv fünf vor zwölf. Es kann sein, dass das Fest in dieser Form nicht mehr stattfinden wird und wir mit der jahrzehntelangen Tradition brechen müssen.
Was bedeutet das konkret?
Kilian: Man muss dann durchaus dafür offen sein, dass wir im nächsten Jahr möglicherweise die Festtage reduzieren werden und nur noch zwei oder sogar nur einen Tag feiern werden. Auch das Programm wird es dann so nicht mehr geben. Doch wir alle wollen es so weit erst gar nicht kommen lassen, deshalb mein dringender Appell an die eigenen Reihen: Wer uns noch unterstützen will, kann sich gerne jederzeit bei mir melden. Wir freuen uns über jede helfende Hand.
Ihre Amtszeit läuft im nächsten Jahr ab. Bereits im vergangenen Jahr haben Sie angekündigt, nicht mehr weitermachen zu wollen. Wie sieht es diesbezüglich aus?
Kilian: Das möchte ich noch offenlassen. Auf der einen Seite hänge ich sehr an dem Verein, auf der anderen Seite könnte den Job auch mal jemand Jüngeres machen. Aber dazu werde ich mir erst nach dem Winzerfest in diesem Jahr Gedanken machen. Jetzt gilt die volle Konzentration den Aufgaben in den nächsten Tagen. Mit Jana Rauh, Amely Stevens und Michelle Holzinger wurden die drei Weinhoheiten bereits der Öffentlichkeit vorgestellt. Gemeinsam freuen wir uns jetzt auf die drei Festtage, die uns bevorstehen – hoffentlich mit genügend Unterstützung.