GRN-Kliniken sind noch nicht am Ziel
Redaktionsleiter Carsten Propp kommentiert die geplante Neuausrichtung der GRN-Kliniken: Sie ist ein starkes Signal für die wohnortnahe Patientenversorgung im Rhein-Neckar-Kreis. Aber es gibt auch einige Fragezeichen.
Den Verantwortlichen der Gesundheitszentren Rhein-Neckar ist mit dem am Mittwoch vorgestellten Konzept etwas gelungen, was viele nicht für möglich gehalten haben: Sie haben einen Weg aufgezeigt, wie die GRN-Kliniken den Anforderungen der Krankenhausreform genügen, ohne einen der vier Standorte opfern zu müssen. Das ist ein starkes Signal für die wohnortnahe Patientenversorgung im Rhein-Neckar-Kreis. Insbesondere in Schwetzingen, aber auch in Weinheim und Sinsheim dürften viele Menschen erst einmal aufatmen.
Ob die vorgeschlagenen Veränderungen ausreichen, um das baden-württembergische Sozialministerium zu überzeugen, ist allerdings mit einem Fragezeichen zu versehen. Der Verweis auf die vergleichsweise niedrige Bettendichte im Rhein-Neckar-Kreis ändert nichts daran, dass es in der Metropolregion mit den Klinikstandorten Heidelberg und Mannheim insgesamt überschüssige Bettenkapazitäten geben dürfte. Und wenn Landrat Stefan Dallinger offen einräumt, dass mit dem Konzept – abgesehen von einigen Synergieeffekten – keine Einsparungen verbunden sind, dann wird das nicht nur in Stuttgart, sondern auch im Kreistag aufhorchen lassen. Denn die Forderung, dass Bund und Land beziehungsweise die Krankenkassen künftig für eine auskömmliche Finanzierung sorgen müssen, wird sich ohne eine Reduzierung der Anzahl von Kliniken wohl kaum erfüllen lassen. Und der Landkreis kann es sich auf Dauer nicht leisten, millionenschwere Defizite der GRN Jahr für Jahr auszugleichen.
Aus Patientensicht kann das vorgelegte Konzept dennoch überzeugen: Zwar müssen die Menschen für planbare Operationen mitunter weitere Wege auf sich nehmen. Aber mit der Bündelung der Kräfte wird sichergestellt, dass die behandelnden Ärzte über große Erfahrung auf ihrem Gebiet verfügen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass in Weinheim, Schwetzingen und Sinsheim eine hochwertige Grund- und Regelversorgung aufrechterhalten wird. Was Eberbach angeht, werden die nächsten Monate zeigen, wohin die Reise geht. Das gilt auch für die Auswirkungen des Verbunds der Unikliniken Heidelberg und Mannheim. Daher stehen die GRN-Verantwortlichen vor schwierigen Gesprächen mit dem Sozialministerium.