Gesundheit

GRN wollen alle vier Klinikstandorte erhalten - neuer Schwerpunkt für Weinheim definiert

Die Gesundheitszentren Rhein-Neckar (GRN) müssen sich als Folge der Krankenhausreform neu ausrichten. Am Mittwoch wurde das Konzept vorgestellt, das die Zukunft aller Standorte sichern soll.

"GRN 4 Future" lautet das Motto der Neuausrichtung der Gesundheitszentren Rhein-Neckar. Das Konzept wurde am Mittwoch bei einer Pressekonferenz vorgestellt (von links): Dr. Johannes Berentelg (Ressortleiter Medizin) und Landrat Stefan Dallinger sowie die GRN-Geschäftsführerinnen Katharina Elbs und Judith Masuch. Foto: Carsten Propp
"GRN 4 Future" lautet das Motto der Neuausrichtung der Gesundheitszentren Rhein-Neckar. Das Konzept wurde am Mittwoch bei einer Pressekonferenz vorgestellt (von links): Dr. Johannes Berentelg (Ressortleiter Medizin) und Landrat Stefan Dallinger sowie die GRN-Geschäftsführerinnen Katharina Elbs und Judith Masuch.

Weinheim/Rhein-Neckar. Unter dem Motto „GRN 4 Future – gemeinsam Richtung Neuanfang“ wurde am Mittwoch das Konzept für die Zukunft der vier Klinikstandorte der Gesundheitszentren Rhein-Neckar (GRN) vorgestellt. Es sieht einerseits eine Bündelung bestimmter Leistungsgruppen an den Standorten Weinheim, Schwetzingen und Sinsheim vor. Andererseits soll die Grund- und Regelversorgung an allen Standorten erhalten bleiben, möglichst auch in Eberbach.

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„Überregionale Strahlkraft“

Landrat und GRN-Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Dallinger stellte das in den vergangenen eineinhalb Jahren erarbeitete Konzept gemeinsam mit den GRN-Geschäftsführerinnen Katharina Elbs und Judith Masuch sowie dem Ressortleiter Medizin, Dr. Johannes Berentelg, bei einer Pressekonferenz in Schwetzingen vor. Im Kern geht es darum, elektive Leistungen – also Eingriffe, die nicht notfallmäßig erfolgen, sondern im Voraus geplant werden können – zu bündeln und damit Schwerpunkte zu schaffen, die „überregionale Strahlkraft“ entwickeln können.

Welche Folgen hat das für Patienten und Beschäftigte?

Der Nachteil für die Patienten: Sie müssen künftig für elektive Eingriffe weitere Wege in Kauf nehmen. Die Beratung soll jedoch weiterhin wohnortnah erfolgen. Konkret: Die behandelnden Ärzte bieten dann Sprechstunden an allen Standorten an. Für die Beschäftigten in den betroffenen Bereichen könnte das Konzept einen Standortwechsel zur Folge haben.

Sieht das Konzept auch einen Betten- oder Stellenabbau vor?

Einen Bettenabbau sieht das Konzept nicht vor. Dazu verweisen die Verantwortlichen auf die im Vergleich zu Baden-Württemberg niedrige Bettendichte im Rhein-Neckar-Kreis. Dort kommen auf 100.000 Einwohner 159 Betten; landesweit sind es 421. Allerdings dürfte man in Stuttgart etwas anders auf diese Zahlen schauen. Denn die GRN-Standorte liegen allesamt in der „Versorgungsregion D“, zu der auch die großen Klinikstandorte Mannheim und Heidelberg gehören.

Auch ein Stellenabbau ist derzeit nach Angaben von Landrat Dallinger nicht geplant. „Das ist kein Sparkonzept“, betonte er. Abgesehen von „Synergieeffekten“ durch die Bündelung von Fachbereichen seien keine großen Kosteneinsparungen vorgesehen. Dabei haben die GRN 2023 einen Verlust in Höhe von 27,4 Millionen Euro gemacht, den der Rhein-Neckar-Kreis als Träger der GRN übernehmen musste. Auch 2024 dürfte das Defizit bei mehr als 20 Millionen Euro gelegen haben. Landrat Dallinger sieht hinsichtlich der Finanzierung aber vor allem den Bund und das Land Baden-Württemberg in der Pflicht.

Die GRN-Klinik in Weinheim. Foto: Thomas Rittelmann
Die GRN-Klinik in Weinheim.

Was ist bei dem Konzept konkret für Weinheim geplant?

Weinheim soll für den gesamten GRN-Verbund die Endoprothetik übernehmen. Schon heute würden dort die meisten Knie- und Hüftprothesen implementiert – über 300 Operationen pro Jahr. Zählt man die Operationen der anderen GRN-Standorte hinzu, dann wären dies jährlich 850, erläuterten Elbs und Masuch. Mit dieser Gesamtzahl wären die GRN größter Anbieter solcher Operationen in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar.

Das Brustzentrum Weinheim soll erhalten und weiter gestärkt werden. Auch die Kardiologie bleibt demnach in Weinheim, zumal von dort aus ein großes Einzugsgebiet an Notfällen versorgt wird und die Weinheimer innerhalb des GRN-Verbunds über die Alleinstellungsmerkmale Angiologie (Erkrankungen der Arterien, Venen und Lymphgefäße) und Kardio-CT für die nicht-invasive Untersuchung des Herzens verfügen.

Was ist in Schwetzingen und Sinsheim vorgesehen?

In Schwetzingen soll ein Darmzentrum entstehen, das mit der Uniklinik Heidelberg kooperiert. Schwerpunkt wäre dort die konservative und operative Behandlung onkologischer Darmerkrankungen.

In der GRN-Klinik Sinsheim, wo bis Frühjahr 2027 ein Neubau errichtet sein wird, wollen die Verantwortlichen einen Schwerpunkt im Bereich der Notfallversorgung etablieren; der Fokus läge dann auf der interventionellen Chirurgie und der Traumatologie.

Wie sieht es für den kleinsten Klinikstandort Eberbach aus?

Für die GRN-Klinik Eberbach gibt es noch keine abschließende Empfehlung. Wegen der „sensiblen Versorgungssituation“ in der Region werde derzeit ein Gutachten in Abstimmung mit den Krankenhäusern der Neckar-Odenwald-Kliniken in Mosbach und Buchen erstellt. Ergebnisse sollen im Mai vorliegen.

Wann soll das Konzept umgesetzt werden?

Die GRN werden ihr Konzept, dem auch der Aufsichtsrat zugestimmt hat, nun dem Sozialministerium von Baden-Württemberg vorlegen. Bis Ende 2025 soll in Stuttgart dann entschieden werden, ob das Konzept ab 2026 so umgesetzt werden kann.

Welche Rolle spielt der geplante Verbund der Universitätskliniken Mannheim und Heidelberg?

Im vergangenen Jahr hatten sich die GRN noch in das Kartellamtsverfahren eingeschaltet, weil man sich übergangen fühlte. Mittlerweile sei man in guten Gesprächen mit den Unikliniken, erklärte Dallinger.

Warum müssen die GRN ihre Strategie eigentlich ändern?

Hintergrund ist die am 1. Januar in Kraft getretene Krankenhausreform, die unter dem Wortungetüm Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz eine Planung anhand von 65 Leistungsgruppen vorsieht. Kernstück ist eine stärkere medizinische Spezialisierung. Vor allem kleinere Krankenhäuser sollen sich auf jene Eingriffe beschränken, die sie gut beherrschen. Die Leistungsgruppen werden den Krankenhäusern von den Ländern zugewiesen. Weitere Ziele der Reform sind der Abbau überschüssiger Bettenkapazitäten und der Ausbau von ambulanten Behandlungen. Die Finanzierung wurde ebenfalls neu geregelt. Neben dem Pflegebudget und den Fallpauschalen erhalten Kliniken künftig eine „Vorhaltevergütung“ für ihre Leistungsgruppen.