Rhein-Neckar/Weinheim

Drastische Einsparungen bei den GRN-Einrichtungen

Die Gesundheitszentren Rhein-Neckar (GRN) werden das Jahr 2023 voraussichtlich mit einem Minus von 24 Millionen Euro abschließen. Das hat Folgen.

Wiederholt haben die GRN-Kliniken ihre Sorgen öffentlich gemacht – zum Beispiel im Juni bei der Aktion „Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Not“. Foto: Philipp Reimer
Wiederholt haben die GRN-Kliniken ihre Sorgen öffentlich gemacht – zum Beispiel im Juni bei der Aktion „Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Not“.

Die Gesundheitszentren Rhein-Neckar (GRN) werden das Jahr 2023 voraussichtlich mit einem Minus von 24 Millionen Euro abschließen. Das sind rund fünf Millionen Euro mehr, als im Wirtschaftsplan für das Jahr 2023 angenommen worden war. Das geht aus einer Mitteilung der GRN hervor. Damit verbunden ist der erneute Aufruf an die Landes- und Bundespolitik, „mit einem Vorschaltgesetz eine faire Krankenhausfinanzierung sicherzustellen“.

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Einstellungsstopp beschlossen

Doch der Aufsichtsrat der GRN hat auch drastische Einsparungsmaßnahmen beschlossen. „Im Oktober wurde ein Einstellungsstopp in allen Bereichen angeordnet, Beförderungen werden ausgesetzt, Aufstockungen abgelehnt und auf Leasingpersonal möglichst verzichtet. Dazu werden, wo es sinnvoll und möglich ist, OP- und Bettenkapazitäten angepasst. Darüber hinaus werden insbesondere im Personal- und Leasingbereich weitere Anpassungen notwendig sein. Betriebsbedingte Kündigungen wird es aber nicht geben“, heißt es in der Stellungnahme der GRN.

Außerdem informierte GRN-Geschäftsführerin Katharina Elbs die Klinikleitungen, Pflegedienstleitungen und ärztlichen Direktoren über die Vorgabe, „im laufenden Jahr noch fünf Millionen und im kommenden Jahr zehn Millionen Euro zum ursprünglichen Wirtschaftsplan einzusparen“. Unterstützung erhielt sie von Landrat Stefan Dallinger: „Nehmen Sie das bitte für sich ernst, und tragen Sie es mit in die Einrichtungen.“

Landrat kritisiert Gesundheitsminister Lauterbach

Landrat Dallinger fand sehr deutliche Worte: „Wir können uns ein Defizit in dieser Höhe auf Dauer nicht leisten.“ Auch er kritisierte die Bundes- und Landespolitik, allen voran Gesundheitsminister Karl Lauterbach: „Die Gesetzgebung sieht vor, dass Krankenhäuser ihren laufenden Betrieb über die Krankenkassen finanzieren müssen. Für Investitionen in die Bausubstanz ist das Land zuständig. Das passt vorn und hinten nicht mehr.“

Die Folgen bekommt auch der Rhein-Neckar-Kreis als Träger der GRN zu spüren. „Wir müssen im Haushalt 2024 die Kreisumlage um drei Prozentpunkte erhöhen. Damit müssen auch die kreisangehörigen Städte und Gemeinden einsparen. Und das geht nicht auf Dauer“, sagte Landrat Dallinger.

Die GRN stehen mit ihren Finanzsorgen allerdings nicht alleine da. Der Grund: „Die Kosten steigen stärker als die Erlöse. Krankenhäuser haben aber – anders als gewinnorientierte Betriebe – nicht die Möglichkeit, die Erlöse den inflationsbedingten Kosten anzupassen“, sagte Elbs. „Auch mit den Ausgleichszahlungen von Bund und Land für Energie und Inflation sind wir nicht in der Lage, die Kostenexplosion zu kompensieren.“

Laut einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts würden sich 40 Prozent der Krankenhäuser nicht in der Lage sehen, das Weihnachtsgeld für ihre Mitarbeiter aus Eigenmitteln zu zahlen. 60 Prozent der Kliniken sei zur Auszahlung auf Kredite von Banken oder ihren Trägern angewiesen. „Wir können das in diesem Jahr zum Glück noch leisten“, sagte Elbs an die Adresse der GRN-Mitarbeiter.

Neben dem bundesweiten Problem der Krankenhausfinanzierung gebe es bei den GRN auch interne Gründe, die zur Ergebnisverschlechterung führten: Einer unter den Erwartungen zurückgebliebenen Leistungsentwicklung stünden gestiegene Zinsen, höhere Personalkosten und höhere Leasingkosten als geplant gegenüber. Der Rhein-Neckar-Kreis stehe aber eng hinter den GRN-Kliniken. „Zwischen uns passt kein Blatt Papier. Der Gesellschafter steht zu den GRN und ihren Einrichtungen“, sagte Dallinger auf der jüngsten Aufsichtsratssitzung.

Dass der Weg gemeinsam beschritten wird, verspricht in der Pressemitteilung abschließend auch Dr. Johannes Weiß, ärztlicher Direktor der GRN-Klinik Schwetzingen, stellvertretend für seine Kollegen im Verbund: „Wir haben geschlossen ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zur GRN-Geschäftsführung. Der Weg wird wehtun, aber wir tragen ihn mit.“