Hirschberg: Für den TC Leutershausen geht es ums Überleben
Für den Vorsitzenden des TC Leutershausen, Andreas Stadler, ist noch kein Nachfolger gefunden. Droht dem Hirschberger Verein die Auflösung?
Hirschberg. Fast 15 Jahre lief beim Hirschberger Verein TC Leutershausen (TCL) alles nach Plan. Ob das jetzt winterfeste Clubhaus im Fokus stand, ob es um die innerörtliche Zusammenarbeit mit dem TVG Großsachsen oder die Photovoltaikanlage auf dem Vereinsheim ging – Vorsitzender Andreas Stadler (66) konnte mit seinen Vorstandsmitgliedern so gut wie jeden Matchball verwandeln. Es lief schon fast zu gut.
Am Samstag, 22. März, 10 Uhr, findet im Clubhaus die Mitgliederversammlung statt – wichtigster Tagesordnungspunkt ist die Wahl des Vorsitzenden. Stadler wird sich nach 15 Jahren nicht mehr zur Wahl aufstellen lassen (wir haben darüber berichtet).
Da bisher noch kein Nachfolger gefunden wurde, steht der Verein am Scheideweg. Sollte sich niemand finden, muss der alte Vorstand kommissarisch den Verein weiterführen, bis ein neuer Vorstand gefunden ist. Klappt das nicht, droht die Auflösung. Ein Liquidator muss dann als Notvorstand durch das Amtsgericht bestellt werden. Wir haben uns mit Andreas Stadler über die prekäre Situation unterhalten.
Herr Stadler, Sie waren von 2003 bis 2006 Zweiter Vorsitzender und seit 2011 in der Führungsrolle, haben dabei den Verein maßgeblich geprägt. Ist Ihre Entscheidung endgültig?
Andreas Stadler: Es gibt kein Zurück mehr. Ich habe sehr lange mit mir gerungen. Der Verein braucht dringend neue Impulse. Es ist an der Zeit, dass jemand diese Position übernimmt und mit neuer Energie den Verein in die Zukunft führt.
Wie blicken Sie auf die Zeit zurück?
Stadler: Für mich als langjähriges Mitglied im TCL war es damals von Anfang an eine Freude, dem TCL neue Impulse geben zu können. Potenzial zu erkennen und dann als Vorsitzender umzusetzen, hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Es waren sehr schöne Jahre, in denen sich der Verein weiterentwickelt hat, und mittlerweile können wir durch verschiedene Modernisierungsmaßnahmen ein rentables Clubrestaurant verpachten. Unsere Gastronomie und die Pergola haben sich zu einem echten Treffpunkt entwickelt. Wir haben eine funktionierende Technik im Gebäude und eine gepflegte Außenanlage, wie wir von vielen Gästen immer wieder bestätigt bekommen. Aber es gab auch sehr anstrengende Jahre, wie die Corona-Zeit, in der wir als Vorstandsteam sehr viel Verantwortung hatten.
TCL ohne Stadler, Stadler ohne TCL, das kann man sich noch gar nicht vorstellen. Was macht Andreas Stadler mit seiner freien Zeit?
Stadler: Ich werde sicherlich kein Problem haben, diese Zeit auszufüllen. Meine Enkelkinder werden mich da bestimmt schon auf Trab halten. Abgesehen davon werde ich einer neuen Führungsspitze des Vereins natürlich noch beratend zur Verfügung stehen und mich entsprechend einbringen – aber ohne einen Posten. Ich würde aber einen reibungslosen Übergang garantieren.
Das heißt, bisher haben Ihre Bemühungen noch nicht gefruchtet, schon im Vorfeld der Versammlung einen Nachfolger zu finden?
Stadler: Das ist richtig. Wir haben bis dato noch niemanden. Es ist sehr erfreulich, dass innerhalb der einzelnen Teams intensiv über einen möglichen neuen Vorsitzenden gesprochen wird. Wir haben auch das Konzept überarbeitet. Künftig soll ein Vorsitzender deutlich entlastet werden. Aufgaben würden wir auf mehrere Schultern verteilen.
Wie erklären Sie sich, dass es keine (jungen) Leute mehr gibt, die ein Ehrenamt ausführen wollen? In anderen Vereinen ist das nicht anders.
Stadler: Ich glaube, es ist ein gesellschaftliches Problem. Junge Familien legen sich heute nicht mehr so gerne nur auf eine Freizeitaktivität fest. Vereine, bei denen Eltern gerne bereit sind, aktiv zu unterstützen, können sich glücklich schätzen. Die Erfahrung aus früheren Jahren hat gezeigt, dass Eltern über ihre Kinder selbst zum Sport kommen. Das wiederum bedeutet, dass sie im Verein präsent sind, langsam anfangen, sich mit ihm zu identifizieren und dann vielleicht auch ein Amt übernehmen. Ich sehe die Entwicklung als gefährlich an. Ohne Ehrenamt funktioniert kein Verein.
Sie hinterlassen Ihrem möglichen Nachfolger einen finanziell gesunden Verein, der auch sportlich in vielen Altersklassen erfolgreich ist – allerdings ohne funktionierende Jugendabteilung. Haben Sie da in der Vergangenheit den Schwerpunkt falsch gesetzt?
Stadler: Das sehe ich nicht so. Vor Corona hatten wir Pech mit der Tennisschule, dann kam Corona und wir mussten zwei weitere Runden ohne funktionierende Tennisschule überbrücken. Seit letztem Jahr ist Dirk Zimmermann als Trainer auf unserer Anlage. Hier bin ich optimistisch, dass es noch Impulse geben wird.
Was ist Ihr Wunsch für die Mitgliederversammlung?
Stadler: Ich hoffe, dass sich aus der Versammlung heraus noch eine Lösung entwickelt. Es geht schließlich um das Überleben des Vereins.