Hirschberg an der Bergstraße

Hunde an die Leine: Hirschberg beschließt Leinenpflicht

Um die Leinenpflicht in Hirschberg wird seit Wochen diskutiert. Jetzt sollen die Hunde doch an die Leine. Zumindest im Wald.

Die Leinenpflicht in Hirschberg kommt nun doch. Zumindest im Hirschberger Wald. (Symbolfoto) Foto: Gabriel Schwab
Die Leinenpflicht in Hirschberg kommt nun doch. Zumindest im Hirschberger Wald. (Symbolfoto)

Eine Leinenpflicht für Hunde? Nach den Vorfällen im Frühjahr, bei denen innerhalb eines Monats gleich fünf Rehe gerissen wurden, sollte es die jetzt geben. Im Mai war die CDU-Fraktion vorgeprescht und hatte gefordert, dass die Hunde beim Gassigehen in besonders gefährdeten Gebieten an die Leine zu nehmen sind. Verwaltung sowie Jagdpächter und Revierförster Pfefferle rieten jedoch davon ab und schlugen vor, erst einmal eine Informationskampagne zu starten (wir berichteten). Jetzt kommt es doch anders: Gegen die Stimme von Tobias Rell (FDP) hat der Verwaltungsausschuss am Mittwochabend doch eine Leinenpflicht beschlossen. Sie soll im Hirschberger Wald gelten, und zwar nur in der Brut- und Setzzeit.

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Bürgermeister Ralf Gänshirt blieb bis zum Schluss der Debatte bei seiner Haltung. Es habe im Vorfeld einen intensiven Austausch mit Jagdpächtern und Revierförster gegeben. Die rieten dazu, zunächst zu milderen Mitteln zu greifen als einer Leinenpflicht. Den Grund hatte Jagdpächter Martin Schmitt vor wenigen Tagen gegenüber den Weinheimer Nachrichten auch begründet. Er befürchtet, dass die Gemeinde eine Leinenpflicht gar nicht kontrollieren könne, diese also ein zahnloser Tiger bleibe. Außerdem sorgte er sich um nachteilige Verdrängungseffekte. Hundebesitzer würden dann möglicherweise erst bei Einbruch der Dunkelheit mit ihrem Hund im Wald spazieren gehen. Dann aber wäre die Störung des Wildes noch größer.

Informationskampagne statt Leinenpflicht?

Gänshirt schlug daher vor, zunächst eine Informationskampagne zu starten, um auf den Schutz und das Ruhebedürfnis der Wildtiere und der Waldbesucher hinzuwirken. Eine ganzjährige Kampagne im Mitteilungsblatt, auf der Homepage der Gemeinde und den sozialen Medien sollte die Hundehalter sensibilisieren. Geplant war zudem, den Hundesteuerbescheiden zu Beginn des Jahres 2025 einen Infoflyer beizulegen. Der Gemeindevollzugsdienst schließlich sollte an den Parkplätzen Kehrrang, Kohlbach und am Waldspielplatz Präsenz zeigen, Steuermarken kontrollieren und Hundebesitzer aufklären. Erst wenn dies alles nicht fruchte, müsse man 2026 über eine Leinenpflicht nachdenken, hatte das Rathaus vorgeschlagen. Seit das Thema öffentlich diskutiert werde, sei kein Reh mehr gerissen worden, sagte Gänshirt.

Der CDU genügte eine Informationskampagne nicht. Graf Ferdinand von Wiser reichte einen leicht abgewandelten und konkretisierten Vorschlag seiner Fraktion nach, wonach die Leinenpflicht zum Schutz des Wildes nur in der drei bis vier Monate dauernden Brut- und Setzzeit gelten solle.

Breite Zustimmung im Ausschuss

Das fand Anklang: Christoph Kiefer (FW) sah durchaus schon eine positive Wirkung durch die Diskussion bei den Hundehaltern. Es gebe aber immer Unbelehrbare. Hunde hätten nun einmal einen Jagdinstinkt und würden einem Reh hinterherstellen, wenn sie es direkt vor der Nase hätten. Eine Beschränkung der Leinenpflicht auf die Brut- und Setzzeit sei zumutbar, sagte Kiefer.

Auch Dr. Claudia Helmes (GLH) konnte damit leben. Sie regte allerdings an, das Gebiet enger zu fassen und die Leinenpflicht auf den Wald zu begrenzen. Während des Zeitraumes ihrer Gültigkeit müsse die Leinenpflicht ausgeschildert werden.

Ellen Kneier-Jost (SPD) fragte sich indes, ob eine Beschränkung auf den Wald ausreiche. Kitze würden auch in die Feldfrucht gelegt. Wenn eine allgemeine Leinenpflicht komme, plädiere sie für eine Hundewiese, wie sie in Heddesheim existierte. Hunde könnten nicht nur an der Leine laufen, sondern müssten auch die Chance für ein „gescheites Sozialverhalten“ bekommen.

Tobias Rell (FDP) sah sich von frei laufenden Hunden auch im Ort belästigt und lehnte eine Beschränkung auf den Wald ab. Gänshirt hielt eine Leinenpflicht im ganzen Ort allerdings für nicht kontrollierbar. Ein Vorschlag von Monika Maul-Vogt (GLH), den Bereich östlich der Oberen Bergstraße als Leinengebiet auszuweisen, wurde nicht weiterverfolgt, es blieb beim Wald. Der genaue Zeitraum soll mit den Jägern besprochen werden. In diesem Jahr dürfte dies eher nichts mehr werden, denn die Brut- und Setzzeit ist eigentlich schon vorbei.