Weinheim

Was macht eigentlich das Thema Leinenpflicht in Weinheim?

Vergangenen August sollte die Leinenpflicht in Angriff genommen werden. Was sich seither getan hat und worum es geht:

Ein Hund braucht seinen Auslauf: Frei laufende Vierbeiner sorgen jedoch immer wieder für Debatten. Foto: Verena Müller
Ein Hund braucht seinen Auslauf: Frei laufende Vierbeiner sorgen jedoch immer wieder für Debatten.

Beim Thema Leinenpflicht scheiden sich die Geister in Weinheim. Während die einen sich bei frei laufenden Hunden um ihre eigene Sicherheit und die der Waldbewohner sorgen, sehen die anderen das Wohlbefinden der Vierbeiner gefährdet. Entsprechend kontrovers war die Debatte, als im vergangenen Sommer Forderungen um eine Leinenpflicht für Weinheim laut wurden. Seitdem ist es sehr leise um das Thema geworden. Wie steht es also um die Leinenpflicht?

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Was genau wurde eigentlich gefordert?

Im August machten sich Vertreter der Landwirte und Jäger einerseits und die Rehkitzrettung andererseits beim Rathaus für eine Leinenpflicht in Wald sowie auf Feldern und Flur stark. Während die Maximalforderung ein solches Gebot für das ganze Jahr vorsah, wurde mindestens eine zeitlich und örtlich begrenze Regelung gefordert. Die verschiedenen Vorstellungen hängen wiederum mit den verschiedenen Akteuren und deren Interessen zusammen.

Wer stört sich an frei laufenden Hunden und wieso?

Unter den Bürgern gehen die Meinungen auseinander. Landwirte sehen ein ganzjähriges Problem. Sie stören sich vor allem am Hundekot auf den Feldern, wie Fritz Pfrang vom Bauernverband Weinheim in der Vergangenheit erklärte. Stöcke, die in selbige geworfen werden, stellten demnach eine Gefahr für Mähwerke dar.

Landwirtschaftliche Kulturen würden durch das Umdrücken, Wälzen und Abfressen sowie Wühlen der Hunde beschädigt werden. Jäger und Rehkitzrettung wollen die Hunde mindestens während der Brut- und Setzzeit an der Leine sehen. Demnach stellen frei laufende Hunde eine Gefahr für den Nachwuchs bei Rehen, Hasen, Rebhühnern und Co. dar.

Hat der Vorstoß Aussicht auf Erfolg?

Oberbürgermeister Manuel Just erklärte im August, sich eine zeitlich befristete Regelung durchaus vorstellen zu können. In Weinheim wurde der Zeitraum zwischen dem 1. April und 15. Juli vorgeschlagen. Diverse Akteure im Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises befürworteten ebenfalls eine Leinenpflicht – unter ihnen der Wildtierbeauftragte und das Amt für Landwirtschaft und Naturschutz.

Kommt die Leinenpflicht also bald auf Hundehalter zu?

Bis zur nächsten Brut- und Setzzeit sicherlich nicht. So erklärt Thomas Fischer, Sprecher des Rathauses, dass das Ordnungsamt und Amt für Immobilienwirtschaft eine rechtliche Prüfung vorgenommen haben. Dabei stellte sich heraus, dass in Wäldern das Landratsamt, genauer die Untere Jagdbehörde, für eine solche Allgemeinverfügung zuständig ist. Beim städtischen Zuständigkeitsbereich, also auf Feldern und Flur, bestehe noch Abstimmungsbedarf: „Aufgrund der Vielzahl der zu bearbeitenden Projekte sowie fehlenden Personalressourcen kann zum betreffenden Themenbereich noch kein Ergebnis abschließend präsentiert werden.“

Und kann das Landratsamt Ergebnisse vorweisen?

Wie Sprecherin Silke Hartmann erklärt, beschäftigt sich ein Gesprächskreis, der auch aus Behördenvertretungen besteht, mit der Problematik frei laufender Hunde in Außenbereichen. „Selbstverständlich werden in diesem Rahmen auch mögliche Maßnahmen besprochen“, so Hartmann. „Der Erlass einer Allgemeinverfügung ist jedoch kurz- oder mittelfristig nicht geplant.“

Was sagen die Akteure, die die Pflicht forderten, zum Umsetzungsstand?

Jäger Matthias Roth zeigt sich gerade mit Blick auf das Rehwild enttäuscht. Insbesondere darüber, dass es in der aktuellen Jagdsaison bis zur Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit nichts mit der Leinenpflicht wird. Während die Rehgeiße in seinem Revier derzeit hochträchtig seien, beobachte er nur allzu oft frei laufende Hunde in seinem Pachtbereich. „Ich habe nicht nur einmal erlebt, wie Hunde Rehe im Bereich der Keule packen und dann schwer verletzen beziehungsweise totbeißen. Das ist hoch tragisch“, erzählt Roth.

Noch schärfere Kritik kommt von Michael Ehlers, Vorsitzender der Rehkitzrettung: „Es ist bedauerlich, aber nicht überraschend, dass seitens der Stadt Weinheim die Umsetzung einer temporären Leinenpflicht nicht vorankommt.“ Er scharrt mit den Hufen: Das Thema sei nicht neu und in den vergangenen Jahren bereits mehrfach an die Verwaltung herangetragen worden. „Zeit sich über den rechtlichen Rahmen zu informieren war also mehr als ausreichend! Dabei würde ein kurzer Anruf in der Nachbargemeinde Heddesheim ausreichen, denn dort sind seit Jahren viele Flächen sogar mit einer ganzjährigen Leinenpflicht belegt.“

Was entgegnen Gegner des Leinenzwangs?

Stimmen hierzu kommen vor allem aus dem Netz. Der Hundesportverein Weinheim, quasi die einzige hiesige Interessensvertretung, wollte sich aufgrund der großen Emotionalität beim Thema in der Vergangenheit nicht äußern. Hundehalter sehen aber das Wohl der Tiere gefährdet, die sich auch auspowern müssten. Dazu gebe es in Weinheim quasi keinen geeigneten Raum. An dieser Stelle wird auch immer wieder die Kritik zur gewünschten, aber bisher nicht realisierten Hundewiese laut.