Foto: Philipp Reimer
Weinheim

Leinen, Haufen und Giftköder: Das Thema Hund polarisiert die Weinheimer

Wenn es um das Thema Vierbeiner geht, stehen viele Weinheimer auf dem Kriegsfuß. Das wurde zuletzt bei emotionsgeladenen Debatten um die geplante Leinenpflicht und den Ärger über den vielen Hundekot auf den Straßen deutlich.

Wenn es um das Thema Vierbeiner geht, stehen viele Weinheimer auf dem Kriegsfuß. Das wurde zuletzt bei emotionsgeladenen Debatten um die geplante Leinenpflicht und den Ärger über den vielen Hundekot auf den Straßen deutlich.

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Im Rahmen von Berichterstattungen werden unserer Redaktion in Gesprächen und Stellungnahmen immer wieder hitzige Auseinandersetzungen auf den Straßen und in der Natur geschildert – sowohl von Hundebesitzern, als auch Anwohnern, Passanten und Spaziergängern. Dabei waren auch immer wieder strafrechtlich relevante Themen Gegenstand, etwa Bedrohungssituationen und Giftköder-Anschläge, wie es sie beispielsweise in Lützelsachsen und der Kernstadt gegeben hat (wir haben berichtet).

Einseitige Sichtweise

Weinheimerin Rita wendete sich jüngst mit einem Brief bei der Redaktion zu Wort. Ihr Anliegen: Die Diskussion um eine Leinenpflicht für die Zweiburgenstadt. Weil die 67-Jährige sich um die Gesundheit ihres eigenen Vierbeiners sorgt, hat sie darum gebeten, dass nicht ihr echter Name veröffentlicht wird. „Ich will mich eigentlich nicht verstecken, ich stehe zu meiner Meinung. Aber wir hatten hier im Ortsteil schon mehrere Fälle von Giftködern und ich will das Wohl meines Hundes nicht gefährden“, beteuert sie. Dennoch wolle sie sich in die Diskussion um die Leinenpflicht, die noch in diesem Jahr im Gemeinderat thematisiert werden soll, einbringen. Vor allem, weil ihr bei der einschlägigen Meinung von Behörden, Verbänden und Vereinen, die die Pflicht befürworten, die Sicht der Hundebesitzer zu kurz kommt. In einem Brief an die Stadtverwaltung bittet sie formal darum, angehört zu werden.

Ein Plakat am Gretchen Baby & Kleinkind Concept Store in der Innenstadt. Foto: Privat
Ein Plakat am Gretchen Baby & Kleinkind Concept Store in der Innenstadt.

Im WN-Gespräch drückt Rita Unverständnis über den Leinen-Vorstoß aus. Vor allem, weil es ihrer Meinung nach in Weinheim keine wirklichen Optionen gebe, um den Vierbeiner auch einmal frei laufen zu lassen. „Die Gemeinde Weinheim schafft es nicht, ein ordentliches Angebot zu schaffen“, sagt die 67-Jährige auch mit Blick auf die gescheiterte Initiative für eine Hundewiese. Lorsch, Ladenburg, Heidelberg: Dort gebe es überall (Hunde-)wiesen, auf denen die Tiere frei herumtollen können. In Weinheim gibt es kein entsprechendes Angebot. Dabei gehe es ihr ums Wohl der Lebewesen: „Der Hund ist ein Läufer und kein Tier, das nur an der Kette hängt.“

"Wir werden überall angefeindet"

„Wir werden überall angefeindet“, berichtet Rita und schildert Situationen. Beispielsweise als ihr und ihrem Hund in Hohensachsen ein Landwirt mit dem Traktor hinterhergejagt sei und ihr wüste Beleidigungen hinterhergerufen habe. Angeblich sei ihr Vierbeiner auf seinem Feld gewesen, was die Weinheimerin aber dementiert. Die 67-Jährige erzählt auch davon, wie sie ein Mann in der Panoramastraße von einem Balkon aus anherrschte. Oder als ein Mountainbiker auf den Singletrails in der Nähe des Schützenhauses Lützelsachsen angerast kam und sie anblaffte, sie stehe im Weg herum. „Wo sollen wir mit dem Hund noch hingehen?“, frage sie sich.

Ein Schild in der Friedrichstraße weist darauf hin, dass hier kein Hundeklo ist. Foto: Thomas Rittelmann
Ein Schild in der Friedrichstraße weist darauf hin, dass hier kein Hundeklo ist.

Ähnliches berichtet aber auch die Gegenseite. Michael Ehlers von der Rehkitzrettung Weinheim und Umgebung sagt, dass es bei persönlichen Gesprächen wegen nicht angeleinten Hunden in der Vergangenheit immer wieder zu Beleidigungen und Drohungen kam. Die Familie Casper, die unsere Zeitung im Juli besuchte, kann ebenfalls von vielen Situationen berichten, in denen es zu ärgerlichen Auseinandersetzungen mit Hundehaltern gekommen war. Das Ehepaar in der Friedrichstraße hat mit der Geruchsbelästigung durch Hundehaufen zu kämpfen und schon den einen oder anderen Gassigänger auf der Straße angesprochen.

Zwei Fronten

Auch im Netz prallen beim Thema Hunde zwei Fronten aufeinander. Auf der Facebookseite der WN/OZ gibt es unter den Artikeln über die geplante Leinenpflicht und den Ärger über Hundehaufen jeweils über hundert Kommentare. Gegner und Befürworter tauschen sich in langen Stellungnahmen aus. Dabei geht es nicht immer sportlich zu.

Da gerät man lieber nicht ins Kreuzfeuer. Das zeigt auch die Antwort des Vereins für Hundesport Weinheim als er von unserer Redaktion nach einer Stellungnahme zur Leinenpflicht gefragt wird: „Das Thema Leinenpflicht ist ein sehr emotionales Thema“, so Vorsitzender Thomas Fuhrmann. „Als Vorstand von 800 Mitgliedern möchte ich so ein Thema weder in der Zeitung noch auf Facebook öffentlich diskutieren. Egal welche Position man vertritt, es wird immer viele Gegenreaktionen geben.“ Sollte der Oberbürgermeister Interesse an seiner Sichtweise haben, sei er aber natürlich gerne bereit, mit Manuel Just zu sprechen.

Immer wieder Giftköder

Besorgniserregend wird es, wenn der Frust in kriminellen Aktivitäten mündet. Immer wieder kommt es in Weinheim und seinen Ortsteilen zu Meldungen von Giftködern. Anfang 2023 unterhielt sich unsere Redaktion mit Tierarzt Dr. Matthias Gräber, der kurz zuvor den Terrier Nelli auf dem OP-Tisch hatte. Der Vierbeiner starb nach Einschätzung des Mediziners an einem „deutlich potenteren“ Gift als Rattengift. Im Fall des Mischlingsrüden Leon von Athanasia Georgaka hat ein unbekannter Radler den Giftköder sogar auf das Grundstück der Weinheimerin geschmissen.

Mischlingsrüde Leon ist fester Bestandteil der Familie. Frauchen Athanasia Georgaka (links) kann sich nicht erklären, wer ihn vergiften will. Foto: Privat
Mischlingsrüde Leon ist fester Bestandteil der Familie. Frauchen Athanasia Georgaka (links) kann sich nicht erklären, wer ihn vergiften will.

„Wir müssen einen gemeinsamen Weg finden“, plädiert die 67-jährige Rita. Dass es dazu oftmals nur eine Prise beidseitiger Höflichkeit braucht, kann Joggerin Judith Heß berichten. „Als Radfahrerin und Joggerin reduziere ich immer meine Geschwindigkeit, wenn ich Hunde, besonders frei laufende Hunde, im Blickfeld habe.“

Gegenseitiges Dankeschön

Damit wolle sie den Hundebesitzern genügend Zeit verschaffen, den Hund zu sich zu rufen beziehungsweise an die Leine zu nehmen. Das klappe oft, wenn auch leider nicht immer, ganz gut. Bei ihrer letzten Begegnung habe es auf jeden Fall geholfen: Mit einem gegenseitigen Dankeschön sind beide Bürger und Vierbeiner „entspannt aneinander vorbeigekommen“.

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