Hunderte feiern die Fête de la Musique
Großer Andrang bei der dritten Auflage in der Weinheimer City.
Für jahreszeitlich bedingte Musikereignisse hat Weinheim bekanntlich ein Faible. Schließlich wird seit Jahrzehnten im März der Winter beim Sommertagszug von Kindern singend vertrieben. Da lag es nur nahe, dass sich die Stadt einer Bewegung anschloss, die vor 41 Jahren in Frankreich entstand. Seitdem treten dort am 21. Juni bei der Fête de la Musique die unterschiedlichsten Musikgruppen auf öffentlichen Plätzen unentgeltlich auf. Bei der dritten Auflage der Musikfete in der Weinheimer Innenstadt musste der Sommer allerdings nicht mehr begrüßt werden. Bei über 30 Grad war er am Freitag längst präsent.
Lupenreine Performance
Da war es nur gut, dass am Dürreplatz an den Getränkeständen die Kühlaggregate funktionierten, als sich der sonnenüberflutete Platz vor der Weinheim Galerie bei Musik der Coverband „Exact“ nach und nach füllte. Keyboarder Eric Schramm, sein Bruder Janic an den Percussions, Bassistin Jayne und die beiden Sängerinnen Amelie Rhein und Laetitia Hofmann bespielten zu Beginn der großen Session in der Innenstadt den heißesten der Auftrittsorte. Aber sie gaben auch ohne ihren diesmal verhinderten Gitarristen Felix Schmitt alles, stiegen mit „Creep“ von Radiohead in ihr Programm ein und boten bei Cover-Songs von Amy Winehouse über Ray Charles bis Adele eine lupenreine Performance. Angesichts von Temperaturen wie in einem Nachschwitzraum erhielt das Stück „Have You Ever Seen The Rain?“ von Creedence Clearwater Revival – ein Hit aus dem Jahr 1971 – eine aktuelle Bedeutung.
Einfühlsame Soulstimme
Die Stimme von Wins Dyer war zu Beginn der Fête de la Musique schon in der Mittleren Hauptstraße zu hören. Der Sänger mit der einfühlsamen Soulstimme hatte sich zusammen mit Gitarrist und Bandleader Jürgen „Mojo“ Schultz, Bassist Konrad Fink und Schlagzeuger Matthias Huber direkt neben der Reiterin am Eingang der Fußgängerzone postiert.
Die Bluesband „Mojo Hand“ animierte mit lässigen Gitarrensoli und ihrer elektrisierenden Mischung aus Blues und Soul die immer größer werdende Fangemeinde dazu, sich ein Getränk zu besorgen, ein schattiges Plätzchen zu suchen und den beginnenden Sommerabend zu genießen. Wins Dyer sang dazu passend von einem „cold hot baby“.
Musikalische Leichtigkeit
Besser als die Gruppe „Moitié:Moitié“ konnte am Freitagabend allerdings niemand das Laisser-faire-Gefühl der französischen Nachbarn verbreiten, die ja zweifellos die Idee zur Fête de la Musique hatten. Sieben illustre und versierte, einfühlsame Instrumentalisten zogen in der Burgenpassage ihre Zuhörer mit anrührenden, verträumten, aber auch schmissigen und erheiternden Chansons in ihren Bann. Musikalische Leichtigkeit triumphierte hier an einem weitgehend schattigen Platz über bleierne Hitze, und auch Roland Kern vom Veranstalter-Team der Stadt war sichtlich begeistert vom ersten Auftritt dieses Septetts in Weinheim.
Über 100 Zuhörer füllten die Burgenpassage, saßen auf Stufen oder an Bistrotischen. Beim unvergleichlichen „La Mer“ von Charles Trenet lag zumindest in der Fantasie der Zuhörer das Meer gleich hinter der Windeck. Aber der deutsch-französische Sänger Christophe Loetz punktete auch mit unbekannten Liedern wie dem lustigen „La chauve-souris“ von Thomas Fersen, in dem sich eine Fledermaus in einen schwarzen Regenschirm verliebt.
„Wir genießen den Auftritt hier sehr“, sagte Loetz in der Pause nach dem ersten Set. Der starke Applaus der Zuhörer zeigte, dass es nicht nur den sieben Musikanten von „Moitié:Moitié“ in Weinheim gefiel, wo die Fête de la Musique, zu der auch der bekannte Weinheimer Gitarrist Andy Botz als Unplugged-Klangzauberer an der akustischen Gitarre Sommergefühle lieferte, später auf dem Marktplatz ausklang. Mit nach und nach sinkenden Temperaturen füllte sich schließlich die Innenstadt, die durch diese Veranstaltung an Attraktivität gewann. „Genau das ist Sinn und Zweck der Fête de la Musique“, sagte Roland Kern, schoss mit seinem Smartphone noch ein Bild vom Chanson-Septett und schaute weiter, wie es an der Reiterin und auf dem Dürreplatz lief.
Spätestens jetzt sollte sich die Stadt um einen Eintrag im Internet bemühen, denn unter den auf der Wikipedia-Seite aufgeführten Städten, die nun in Deutschland die „Fête de la Musique“ feiern, sollte aus der Region nicht nur Dossenheim, sondern auch Weinheim aufgeführt werden.