Lützelsachsen

Ist das die Rettung für das Kultur- und Vereinszentrum, Frau Raspel?

Durch die Sparpläne der evangelischen Landeskirche steht das Gemeindehaus auf der Kippe.

Foto: Jan Walford

Durch die Sparpläne der evangelischen Landeskirche steht die Immobilie auf der Kippe. Nun stehen die Zeichen für die Rettung des Lützelsachsener Gemeindehauses gut. In seiner jüngsten Sitzung empfahl der Weinheimer Hauptausschuss einstimmig, dem kulturellen Dreh- und Angelpunkt des Ortsteils eine Anschubfinanzierung von 50 000 Euro zukommen zu lassen. Projektkoordinatorin Dorothee Raspel, die mit den Bürgern an einem tragfähigen Konzept für die Immobilie der evangelischen Kirche feilt, betont die Wichtigkeit des Abstimmungsergebnisses: „Dass die Stadträte geschlossen hinter dem Projekt stehen, ist eine Art Gütesiegel.“

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Nur Hälfte des Weges

Denn auch wenn der Gemeinderat am 24. Januar dieser deutlichen Empfehlung folgen dürfte und die 50 000 Euro freigibt, ist das nur die Hälfte des benötigten Geldes. Weitere 37 000 Euro sollen durch Förderprogramme und Spenden für das Projekt „Hier macht was auf“ akquiriert werden. Zudem setzen die Beteiligten auf 15 000 Euro durch die evangelische Kirche. Grünes Licht vom Gemeinderat sei die Voraussetzung für die Beantragung von Fördergeldern, erläutert Raspel. Dies mit Blick auf den Eigenanteil, der grundsätzlich für die Bewilligung von Landes- und Bundesgeldern vonnöten ist.

Ein erster Antrag beim Land Baden-Württemberg wird nach Angaben von Raspel in „naher Zukunft“ fertiggestellt. Was das Sammeln von Spenden anbelangt, werde ein Konzept erstellt, mit dem die Beteiligten der Gemeindehaus-Rettung zunächst auf Großspender und Unternehmen zugehen wollen. „In einem zweiten Schritt wird auch ein Konzept für ,Kleinspender’ erstellt“, so die Projektkoordinatorin.

Foto: Thomas Rittelmann

Erste Gelder von der Landeskirche seien bereits geflossen, beispielsweise für den Beteiligungsworkshop mit den Lützelsachsener Bürgern, bei dem das Konzept „Hier macht was auf“ geboren wurde. Weitere Einnahmen werden dadurch generiert, dass die evangelische Kirche künftig Miete für die Nutzung von Räumen im Gemeindehaus bezahlen soll. Denn wenngleich die Kirche Eigentümer der Immobilie bleibt: In naher Zukunft wird ein Betreiberverein der Hausherr sein. Dieser soll laut Zeitplan im Frühjahr gegründet werden.

Mit dem Startkapital von der Stadt Weinheim sollen nun kleinere Umbauten, Einrichtung und mediale Ausstattung finanziert werden. Oberbürgermeister Manuel Just und Vertreter der Fraktionen, dass es sich um eine Einzelfallentscheidung handelt - und keineswegs um einen Präzedenzfall. Beide Landeskirchen, so die Pressestelle des Rathauses, machten keinen Hehl daraus, dass sie sich immer weiter aus der Unterhaltung und Förderung von kirchlichen Gebäuden in den Kommunen zurückziehen. „Ich kann mir zum Beispiel gar nicht vorstellen, dass wir als Stadt irgendwann einmal Kirchengebäude finanzieren“, erklärte der OB. Bei Gemeindehäusern, die in der Ortsbevölkerung eine wichtige gesellschaftliche Basis darstellen, verhalte es sich aber bisweilen anders. Just: „Wir werden das jeweils im Einzelfall beurteilen und entscheiden.“ Vergleichbare Ideen lägen auch in anderen Kirchengemeinden vor.

Was geplant ist:

Und was ist in der Lützelsachsener Gemeinde geplant? Prinzipiell handelt es sich zunächst um eine dreijährige Pilotphase. Bereits jetzt finden in der Immobilie regelmäßig Malworkshops statt. Auch gibt es einen wiederkehrenden Spieleabend statt, der gut angenommen werde. Nun soll zuerst ein Themen-Café mit wechselndem inhaltlichen Schwerpunkt etabliert werden. Am einen Tag wird es zum Repair-Café, an einem anderen wird sich alles um Fair-Trade drehen. Und was an einem wieder anderen Tag Thema ist, steht noch in den Sternen: „Ideen gibt es jede Menge“, so Raspel. Auch die Arbeitsgruppe „Gemeinsame Freizeit“ hat noch den einen oder anderen Einfall parat. So sind Kinoabende, Tanztreffs und sogar ein Winterspielplatz möglich. Die Bühne im großen Saal soll stärker für Kulturangebote genutzt werden.

Weiter ist ein fester Begegnungsraum geplant. Hier soll es Angebote für Lohnsteuer, Pflege und Co. geben. Ein weiterer Raum ist für den Hauptamtlichen vorgesehen, der das Leben im Gemeindehaus koordinieren soll. Den brauche es laut Pfarrer Jan Rohland auch: „Wir merken im Pfarrbüro jetzt schon die Mehrbelastung durch die erforderliche Koordination der geplanten Angebote.“

„Starke Basis in der Jugend“

Besonders freut die Projektbegleiterin, dass es bei den Lützelsachsenern, die sich für das und in dem Gemeindehaus engagieren, eine weite Altersspanne gibt. „Wir haben eine starke Basis in der Jugend. Ich bin ehrlich: Das habe ich in den seltensten Fällen“, so die Expertin, die die bereits einige ähnliche Vorhaben wie das in Lützelsachsen auf den Weg gebracht hat. Das habe auch mit den Pfadfindern zu tun, die im Gemeindehaus bereits zuvor sehr engagiert gewesen seien. Von ihrer Altersgruppe aus gebe es einen Sprung hin zur Generation 50 plus. Dazwischen sei noch eine Lücke. „Gerade bei jungen Familien ist noch viel Luft nach oben“, so Raspel.

Der Hintergrund der Misere hat einen Namen. „Ekiba 2032“ wird der Strukturprozess genannt, mit dem die Evangelische Kirche ihren schwindenden Einnahmen durch immer weniger Mitglieder begegnen will. Dafür reduziert sie Personal. Und trennt sich von Immobilien. Alle kirchlichen Gebäude werden auf den Prüfstand gestellt.

Ex-Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner sagte im Mai die grundsätzliche Unterstützung des Rathauses zu. „Es gibt die Absichtserklärung, dass die Stadt mitmacht. Wir müssen aber noch den Gemeinderat ins Boot holen.“ Das sei kein Selbstläufer. Es gebe noch mehr Ortsteile. „Und die Begehrlichkeiten nehmen zu.“