Weinheim

Jungschauspieler verlagern beliebte Vampirkomödie in die Gegenwart

In einer ungewöhnlichen Interpretation des Vampir-Genres entführt das Jugendensemble des Holzwurm-Theaters die Zuschauer in die moderne Welt der Gräfin Viktoria und ihrer blutsaugenden Untertanen. Die Premiere der Komödie 'Vamps!' im a2-Keller bricht mit traditionellen Erwartungen und präsentiert eine absurde, aber fesselnde Geschichte. Das minimalistische Bühnenbild und die Alltagskleidung der Darsteller unterstreichen den zeitgenössischen Ansatz des Regieteams.

Die Holzwurm-Theatergruppe „Junge Komödie“ präsentiert im a2-Keller das Theaterstück „Vamps!“. Foto: Marco Schilling
Die Holzwurm-Theatergruppe „Junge Komödie“ präsentiert im a2-Keller das Theaterstück „Vamps!“.

Wenn ein Theaterstück den Titel „Vamps!“ trägt, erwartet der Zuschauer, dass ihn beim Öffnen des Vorhanges transsilvanische Düsternis umfängt. Doch das Jugendensemble des Holzwurm-Theaters, das am Mittwochabend mit der Komödie im a2-Keller Premiere feierte, zeigte sich weder in gespenstische Umhänge gehüllt, noch bleckte es die bluttriefenden Zähne.

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Foto: Marco Schilling

Vielmehr hatte das Regieteam (Leonie Jalowiky, Emma Heinzelbecker und Rainer Stefan) die durchgeknallte Vampirkomödie von Mel Hornig in die Gegenwart verlagert. Hinzu kam das spartanische, nüchtern beleuchtete Bühnenbild, bei dem lediglich die Mauer im Hintergrund auf den Ort des Geschehens, das Schloss der Gräfin Viktoria, hinwies.

Foto: Marco Schilling

Die Alltagskleidung der vierzehn Jungdarsteller fügte sich nahtlos in die absurde Geschichte ein. Lediglich Hannah Henn als Schlossherrin Viktoria rauschte im historischen Gewand auf die Bühne, wo sie ihr chillendes Blutsauger-Völkchen zur Ordnung ruft.

Da naht der ebenso ehrgeizige wie exzentrische Journalist Jeremy Schmittchen (Marvin Klemm) mit seinem Kamerateam (Matthis Hoger und Mia Knapp), der mit einer zündenden Reportage über das Leben der Vampire schon den Pulitzer-Preis vor Augen hat. Er ahnt nicht, dass ihn im Schloss eine zickige Weiberwirtschaft erwartet, die heimlich mit roten Blutkörperchen dealt.

Foto: Marco Schilling

Der einzige Mann im Gewölbe ist Nazareno D’Auria, der mit seiner Kollegin Ece Ilgrün das schlechtgelaunte Putzgeschwader bildet, das nach den blutigen Mahlzeiten der Damen für das Wegwischen der Sauerei zuständig ist.

Zu den schlampigen Genießerinnen gehören Lady Leliana (Leonie Jalowiky) und Miss Janett (Emma Heinzelbecker), die neben ihrer Vorliebe für die Blutgruppe A positiv noch eine enge Blutpartnerschaft verbindet. Jungvampirin Hilberta (Roxana Margarit) hat hingegen nicht viel zu sagen und noch weniger zu saugen, während die Statue (Clara Mia Schmiedel Pérez) auf ihrem Beobachtungsposten völlig ohne Mahlzeiten auskommt.

Und wenn es den Damen in ihrem Schloss allzu langweilig wird, genehmigen sie sich schon mal einen Snack aus den jungfräulichen Halsschlagadern von Antonia (Sophie Stephan) und Mary (Ilcy Stich).

Selbst der übereifrige Reporter und sein Kamerateam kommen nicht ohne ein paar kleine Probespenden aus ihren Hälsen davon. Genefe von Pahlen (Diana Machowski), Abgeordnete des Vampir-Ordnungsrates, stößt bei ihrer rigorosen Kontrolle über die Einhaltung der Vampirgesetze im Schloss auf schwere Ungereimtheiten.

Dazu zählt die Missachtung des Verbotes, aus Kindern zu trinken, die nicht registrierte Blutpartnerschaft oder das hemmungslose Hineinbeißen in einen Blutbeutel, statt einen Strohhalm zu benutzen.

An ihrer Seite stellt Julius Lietz den unterwürfigen, stets eifrig im Vampir-Gesetzbuch blätternden Assistenten dar, der die Wutausbrüche seiner Meisterin tapfer erträgt. Als sich dann noch herausstellt, dass es sich bei der Schlossherrin um van Pahlens ehemalige Geliebte handelt, die sie einst jämmerlich verraten hat, denkt sich die Kontrolleurin einen besonders raffinierten Racheplan aus.

Was sie jedoch genau austüftelt, sei hier zugunsten derer, die noch einen Blick in den blutsaugenden Weiberhaufen werfen möchten, nicht verraten. Freunde des schwarzen Humors kommen bei der schrägen Komödie, vor allem dank der großartigen Jungschauspieler, auf ihre Kosten.

Weitere Vorstellungen im a2-Keller (Hopfenstraße 4) gibt es am 7., 13. und 14. Oktober, 19 Uhr sowie am 8. Oktober, 18 Uhr. Einlass ist jeweils eine Stunde vorher. Karten im Ticketportal Reservix sowie direkt im Holzwurm-Theater unter Telefon 0160/8170 321.